Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 451

09. September 2026 – Frage von Herr L. TELLER an Frau Ministerin KLINKENBERG zum Missbrauch von Ritalin während der Prüfungszeit

Wie akut ist das Thema des Ritalin-Missbrauchs bei Studierenden in Ostbelgien?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.


Frage von Lukas TELLER (CSP), vom 09. September 2026:

Während der Prüfungszeit greifen in Flandern zahlreiche Studenten zu stimulierenden Medikamenten wie Ritalin, um ihre Konzentration zu steigern und bessere Leistungen zu erzielen. Laut einer Untersuchung des Flämischen Expertenzentrums für Alkohol und Drogen (VAD) haben rund acht Prozent der Studenten solche Mittel bereits zu diesem Zweck verwendet. Häufig erhalten sie die Medikamente ohne Rezept über Freunde oder Familienangehörige, teilweise auch über den Schwarzmarkt. Als Hauptgrund gilt der hohe Leistungsdruck im Studium. Experten weisen jedoch darauf hin, dass Ritalin zwar kurzfristig die Konzentration verbessern und Müdigkeit unterdrücken kann, bessere Prüfungsergebnisse aber keineswegs garantiert. Zudem ist die Einnahme ohne medizinische Indikation mit Risiken verbunden. In Belgien wird der Wirkstoff Methylphenidat ausschließlich zur Behandlung von ADHS oder Narkolepsie verschrieben.

Im Rahmen einer Frage wurde die Gefahr, die von Ritalin ausgeht, bereits vor 10 Jahren im PDG thematisiert. In der Antwort verwies die Regierung darauf, dass es die Aufgabe von Präventionseinrichtungen sei, die Bevölkerung über die Gefahren von unkontrollierten und nicht verantwortungsvollen Medikamentenkonsum zu sensibilisieren.

Auf dieser Ebene sei in der DG u.a. die ASL tätig. Ein weiterer Präventionsdienstleister für das besagte Publikum sei Kaleido-DG. Unter Umständen könne der Dienst im Rahmen seines Auftrages auf die Thematik „ADHS“ eingehen.

Hierzu meine Frage:

1.    Wie akut ist das Thema des Ritalin-Missbrauchs bei Studierenden in Ostbelgien?
2.    Wie bewertet die heutige Regierung die Aufklärungsarbeit zum Thema Ritalin-Missbrauch?


Antwort von Lydia KLINKENBERG (ProDG), Ministerin für Gesundheit, Soziales, Familie und Wohnungswesen:

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, die Untersuchungsergebnisse des Flämischen Expertenzentrums VAD sind alarmierend und müssen daher auch von uns in Bezug auf die Deutschsprachige Gemeinschaft sehr ernst genommen werden. Nach Rücksprache mit den relevanten Akteuren in Ostbelgien liegen derzeit keine Hinweise vor, dass der missbräuchliche Konsum von Ritalin beziehungsweise des entsprechenden Wirkstoffs (Methylphenidat) unter Studierenden ein akutes oder stark zunehmendes Problem darstellt.

Die Arbeitsgemeinschaft für Suchtvorbeugung und Lebensbewältigung (ASL) berichtet, dass aus ihrer aktuellen Beratungspraxis keine erhöhte Nachfrage oder Häufung entsprechender Fälle hervorgeht. 

Gleichzeitig weist die ASL darauf hin, dass von einem gewissen Dunkelfeld auszugehen ist. Der nicht medizinisch begründete Konsum verschreibungspflichtiger Medikamente wird von Betroffenen häufig nicht als klassischer Drogenkonsum wahrgenommen und führt daher nur selten zu einer Kontaktaufnahme mit einer Suchtberatungsstelle.

Die in Flandern veröffentlichten Erkenntnisse werden dennoch aufmerksam von der ASL verfolgt. Denn Leistungsdruck, Prüfungsstress und der Wunsch nach einer verbesserten Konzentrationsfähigkeit betreffen selbstverständlich auch Jugendliche und junge Erwachsene in Ostbelgien. Insbesondere für Personen mit einer ADHS-Diagnose kann der Wirkstoff (Methylphenidat) vergleichsweise leicht verfügbar sein. Die ASL weist daher bereits präventiv darauf hin, dass die Einnahme von Ritalin ohne medizinische Indikation und ärztliche Begleitung keineswegs risikofrei ist und die Entwicklung weiterhin beobachtet werden sollte.

Auch Kaleido Ostbelgien verfügt derzeit über keine Hinweise auf ein verbreitetes Phänomen des Ritalin-Missbrauchs, obwohl auch in den ostbelgischen Sekundarschulen von Schülerinnen und Schülern regelmäßig hoher Leistungsdruck und Prüfungsstress thematisiert werden. Da Kaleido in erster Linie für die Begleitung von Kindern und Jugendlichen in den Grund- und Sekundarschulen zuständig ist, besteht allerdings nur ein begrenzter Einblick in die Lebenswelt von Studierenden. 

Für diese Zielgruppe wurde die Autonome Hochschule Ostbelgien befragt. Auch hier liegen keine Informationen zum Missbrauch von Ritalin vor.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass aktuell keine Anhaltspunkte für ein akutes Problem des Ritalin-Missbrauchs unter Studierenden in Ostbelgien vorliegen. Aufgrund möglicher Dunkelziffern sowie vergleichbarer Belastungsfaktoren wie Leistungs- und Prüfungsdruck wird die Thematik jedoch weiterhin aufmerksam beobachtet. Insbesondere präventive Maßnahmen zur Bewältigung von Stress und Leistungsanforderungen bleiben dabei von zentraler Bedeutung.

Auch wenn nach Angaben der ASL derzeit keine spezifische Präventionskampagne zum Thema Ritalin-Missbrauch existiert, so wird diese Thematik jedoch im Rahmen der allgemeinen Suchtprävention und Gesundheitsförderung behandelt. Dabei stehen nicht einzelne Medikamente im Vordergrund, sondern vielmehr ein verantwortungsvoller Umgang mit Arzneimitteln sowie die Risiken des missbräuchlichen Konsums leistungssteigernder Substanzen insgesamt. Entsprechende Inhalte werden unter anderem im Rahmen verschiedener schulischer Präventionsprogramme vermittelt. Diese richten sich derzeit insbesondere an Schülerinnen und Schüler der Primar- und Sekundarstufe und nicht an Studierende.

Die Regierung begrüßt diese präventiven und niederschwelligen Ansätze. Gleichzeitig erscheint es sinnvoll, die Sensibilisierungs- und Aufklärungsarbeit weiterhin aufmerksam zu verfolgen und bestehende Kooperationsmodelle auszubauen.

Den Studierenden werden an der AHS insbesondere während der Prüfungsphasen verschiedene Angebote zur Stressbewältigung und zum Umgang mit Leistungsdruck unterbreitet. Dazu zählen beispielsweise Methodentrainings sowie Einzelgespräche. Ziel dieser Angebote ist es, die Studierenden präventiv zu unterstützen und ihre Kompetenzen im Umgang mit den besonderen Belastungen der Lern- und Prüfungszeit zu stärken.

Die Regierung erachtet die Aufklärungsarbeit zum missbräuchlichen Konsum von Ritalin sowie generell zu Medikamentenmissbrauch und anderen leistungssteigernden Substanzen als wichtig und zielführend. Auch wenn derzeit keine Hinweise auf ein ausgeprägtes Problem in Ostbelgien vorliegen, ist eine frühzeitige Sensibilisierung junger Menschen für die Risiken eines unsachgemäßen Medikamentenkonsums von großer Bedeutung. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!

 

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