Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 380

15. April 2026 – Frage von D. STIEL an Frau Ministerin KLINKENBERG zum Aufnahmestopp im Seniorenheim

Worauf beruht die Entscheidung für den Aufnahmestopp im Kontext der Personalsituation innerhalb der Interkommunalen Vivias?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.


Frage von Diana STIEL (Vivant), vom 15. April 2026:

Laut einem Bericht des GrenzEcho vom 18.3.26 gilt vorerst im Seniorenheim Bütgenbach ein Aufnahmestopp, mit der Begründung, die Personaldecke sei zu dünn. Vorerst gelte die Maßnahme bis Ende Mai, danach werde die Situation neu bewertet.

Von Fachkräftemangel sprach man schon vor einigen Jahren. Im Juli 2023 berichtete das GrenzEcho in einem Artikel über Vivias und das WPZS Bütgenbach, man sei permanent auf der Suche nach neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, was sich aber besonders schwierig bei qualifizierten Pflegekräften gestalte. Man fische im selben Teich und dieser sei so gut wie leer.

In der Antwort auf meine schriftliche Frage 368 vom 7. September 2023 kündigte der damals zuständige Minister Antoniadis an, dass der Verwaltungsrat die Anfrage einer Organisationsanalyse an die Regierung der DG gestellt habe, um sich auch langfristig und funktionsübergreifend bestmöglich aufzustellen. Die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft unterstütze diesen Antrag, das Lastenheft sei in Vorbereitung. Ende 2024 solle die Organisationsanalyse, sowie eine Finanzanalyse durchgeführt werden. Die Erkenntnisse dieser beiden Analysen sollten Verbesserungsvorschläge liefern.

Auf meine diesbezügliche mündliche Frage vom 6. November 2024 antworteten Sie, Frau Ministerin, dass das Organisationsaudit auf das Jahr 2025 verschoben wurde.

Meine Fragen diesbezüglich lauten:

1.    Worauf beruht die Entscheidung für den Aufnahmestopp im Kontext der Personalsituation innerhalb der Interkommunalen Vivias?
2.    Wie sieht die die Situation in den anderen WPZS der DG aus?
3.    Welches sind die Schlussfolgerungen aus dem 2025 durchgeführten Organisationsaudit?


Antwort von Lydia KLINKENBERG (ProDG), Ministerin für Gesundheit, Soziales, Familie und Wohnungswesen

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, die Entscheidung über den Einzugsstopp des Wohn- und Pflegezentrums Hof Bütgenbach wurde vom Träger selbst getroffen. Auf Nachfrage hin, teilte uns der Träger mit, dass diese Maßnahme weiterhin eine qualitativ hochwertige Pflege und Begleitung der Bewohner sicherstellen sowie gleichzeitig das bestehende Personal vor einer zu hohen Arbeitsbelastung schützen soll. Nicht davon betroffen sind die Kurzzeitpflege, die Tagespflege sowie die Tagesbetreuung. Ende Mai wird geprüft werden, ob diese Maßnahme angepasst, aufgehoben oder fortgeführt werden wird. Ein Organisationsaudit wurde nicht durchgeführt. Vivias hat stattdessen interne Verbesserungsmaßnahmen ergriffen. 

Durch den demographischen Wandel und den zunehmenden Fachkräftemangel können auch andere Wohn- und Pflegezentren in ähnliche Situationen geraten. Letztes Jahr sah sich beispielsweise das Marienheim mit einer erheblichen Personalreduzierung - insbesondere im Bereich der Pflegehelfer - konfrontiert. Genau deshalb ist es wichtig, gleichzeitig auf mehreren Ebenen anzusetzen, um strukturelle Lösungen herbeizuführen und zu implementieren.

Mit der Einführung des Berufsbilds des Alltagsbegleiters wurde eine weitere und niedrigschwellige Möglichkeit geschaffen, interessierten Menschen den Eintritt in die Pflegeberufe zu ermöglichen. Die Alltagsbegleiter stellen eine wertvolle Ergänzung zu den Pflegehelfern dar und können den Arbeitsalltag letzterer maßgeblich entlasten. Gleichzeitig ermutigt das überreichte Zertifikat des Alltagsbegleiters einen Teil der Personengruppe, den nächsten Sprung zum Pflegehelfer zu wagen und somit diese Berufsgruppe zu stärken. 

Da heutzutage viele ältere Menschen - auch mit einem gewissen Pflegebedarf - so lange wie möglich zu Hause in ihrem gewohnten Umfeld verbleiben möchten, stellt die Aufwertung der häuslichen Hilfe ein wesentliches Element dar, um den Einzug in ein Wohn- und Pflegezentrum aufzuschieben oder gar zu vermeiden.

Neben den schon ergriffenen Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität des Berufes und der Ausbildung für Gesundheitsdienstleister und Krankenpfleger wird es unabdingbar sein, Bürgerinitiativen zu stärken, damit alternative Wohnformen eine Chance erhalten. Neue Wohnformen werden dazu beitragen, dass bestehende Angebote entlastet werden. Diese Alternativen stärken den sozialen Zusammenhalt und wirken Vereinsamung entgegen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

 

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