Mündliche Frage Nr. 376 15. April 2026 – Frage von D. STIEL an Frau Ministerin KLINKENBERG zur nationalen Sensibilisierungskampagne zu endokrinen Disruptoren Wie beurteilt die Regierung den Erfolg der bisherigen Kampagnen angesichts der geringen Resonanz in den sozialen Medien? Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. Frage von Diana STIEL (Vivant), vom 15. April 2026: Ein aktueller Bericht des Grenz-Echo („Fokus auf die ersten 1.000 Lebenstage“) beleuchtet die landesweite Sensibilisierungskampagne zum Schutz von Kleinkindern vor endokrinen Disruptoren. Diese hormonstörenden Stoffe, die in Verpackungen, Spielzeug und Kosmetika lauern, können das menschliche Hormonsystem imitieren oder blockieren. Die im Artikel beschriebenen Folgen sind gravierend: Sie reichen von vermindertem IQ und Autismus bis hin zu Diabetes, Übergewicht und Krebserkrankungen. Besonders kritisch ist die Phase von der Schwangerschaft bis zum zweiten Lebensjahr, in der der Körper besonders empfindlich auf diese äußeren Einflüsse reagiert. In der Deutschsprachigen Gemeinschaft übernimmt Kaleido Ostbelgien hierbei eine Schlüsselrolle. Wir begrüßen ausdrücklich die vielfältigen Aktionen von Kaleido, die von der Beratung junger Eltern bei Hausbesuchen bis hin zur Vermittlung praktischer Alltagstipps zur Schadstoffvermeidung reichen. Dieses Thema ist für unsere Fraktion von besonderer Bedeutung: Bereits im Jahr 2016 hat die Vivant-Fraktion einen Resolutionsvorschlag eingebracht, der die Problematik der endokrinen Disruptoren auf die politische Agenda setzte und hier im Parlament gemeinsam verabschiedet wurde. Es ist erfreulich zu sehen, dass diese Initiative heute in konkrete Strukturen gemündet ist. Neben Kaleido gibt es in der DG weitere Akteure, die sich dieser Aufgabe annehmen, wie etwa der Patienten Rat & Treff (PRT), die Frauenliga oder der Landfrauenverband, die das Thema in ihren Gesundheits- und Seminarreihen aufgreifen. Dennoch zeigt ein Blick auf die digitale Umsetzung der aktuellen Kampagne von Kaleido, insbesondere auf Facebook, ein ernüchterndes Bild: Die Resonanz ist minimal; viele Beiträge weisen kaum Interaktionen oder „Likes“ auf. Es besteht die Sorge, dass die lebenswichtigen Informationen die breite Bevölkerung nicht ausreichend erreichen. Vor diesem Hintergrund richte ich folgende Fragen an Sie: 1. Wie beurteilt die Regierung den Erfolg der bisherigen Kampagnen angesichts der geringen Resonanz in den sozialen Medien? 2. Welche konkreten gemeinsamen Aktionen plant die Regierung mit weiteren Akteuren wie dem PRT, der Frauenliga oder dem Landfrauenverband zur Umsetzung des Aktionsplans gegen endokrine Disruptoren? 3. Inwiefern wäre es für die Regierung möglich, die Zusammenarbeit mit Partnern wie Hebammen, Apotheken oder dem Facheinzelhandel zu intensivieren, um gezielte Hinweise direkt an den Verkaufsorten von Spielwaren, Kosmetika oder Babyartikeln zu platzieren? Antwort von Lydia KLINKENBERG (ProDG), Ministerin für Gesundheit, Soziales, Familie und Wohnungswesen Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, das Thema endokrine Disruptoren rückt neben einigen anderen Umwelt- und Gesundheitsthemen immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. In Belgien ist es Teil des Nationalen Aktionsplans Gesundheit und Umwelt (NEHAP), die bestimmten Maßnahmen des Aktionsplans für endokrine Disruptoren (NAPED) übernimmt, um eine nationale und sektorübergreifende Koordination zu gewährleisten. Im Rahmen der interföderalen Arbeitsgruppe Umwelt und Gesundheit, in welcher auch die Deutschsprachige Gemeinschaft vertreten ist, wird am nationalen Aktionsplan gearbeitet mit dem Ziel, die Belastung auf Menschen und Umwelt durch endokrine Disruptoren zu verringern. In diesem Rahmen wurde eine Präventionskampagne für schwangere Frauen sowie eine Sensibilisierungskampagne gestartet, die sich an besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen wie schwangere Frauen und Frauen mit Kinderwunsch, kleine Kinder und Jugendliche richtet. In der Deutschsprachigen Gemeinschaft wurden diese Kampagnen über den Patientenrat und -treff organisiert. Neben Sensibilisierungskampagnen für die breite Bevölkerung auf den Sozialen Medien gibt es inzwischen auch Apps wie die YUKA App oder Scan4Chem, welche den Bürgern helfen, den Kauf von Nahrungsmitteln und Kosmetika (wie z.B. Sonnenschutz oder Zahnpasta…) im Hinblick auf die eigene Gesundheit bewusster zu gestalten. Zudem stellt die Deutschsprachige Gemeinschaft auf Ostbelgien Live - Endokrine Disruptoren Informationen für die Bevölkerung bereit. Seit 2023 informiert der PRT darüber hinaus auf seiner Webseite zum Thema endokrine Disruptoren. Um auf die gesundheitsschädlichen Einflüsse aufmerksam zu machen, hat der PRT nach sorgfältiger Recherche vieler Studien und in Anlehnung an die Empfehlungen des Hohen Gesundheitsrates eine Broschüre erstellt. Diese Broschüre soll Bürgern dabei helfen, Umwelteinflüsse zu erkennen und diese, wenn möglich, für ihr eigenes Wohl sowie zum Wohle der Umwelt zu vermeiden. Die primäre Zielgruppe der Broschüre waren werdende oder junge Mütter, weshalb sie vorwiegend bei Gynäkologen, Kinderärzten, Hebammen sowie für die Vorsorgeuntersuchungen werdender Mütter bei Kaleido ausgelegt und verteilt wurde. Weitere Informationen werden über die Verbraucherschutzzentrale sowie Krankenkassen oder auch Einrichtungen im Bereich der Erwachsenenbildung erteilt. Im Sinne der Netzwerkarbeit werden durch den PRT und Kaleido aktuell in der Deutschsprachigen Gemeinschaft auch weitere Akteure wie Fachärzte (Kinderärzte, Frauenärzte...) und Hebammen über verschiedene Gesundheitsthemenbereiche u.a. endokrine Disruptoren informiert. In Zusammenarbeit mit dem Föderalstaat und den anderen Gemeinschaften in der interföderalen Umweltzelle wurden Weiterbildungsinstrumente zum Thema endokrine Disruptoren und weiterer Substanzen, die die Umwelt gefährden, für Gesundheitsdienstleister - insbesondere Hausärzte - erstellt. Nur wenn alle Bereiche und Akteure mitarbeiten und sich für die Themen im Bereich Gesundheit und Umwelt einsetzen, kann frühzeitig Prävention und Sensibilisierung betrieben werden. Anhand der bereits aufgelisteten Akteure im Gesundheitswesen ist zu erkennen, dass auf einigen Ebenen und über alle Altersstufen hinweg eine Sensibilisierung, Information und Wissensvermittlung der Bevölkerung angestrebt wird. Das ist allerdings ein Prozess und nichts, was sich von heute auf morgen schlagartig verändern wird. Die richtige Richtung ist eingeschlagen und wir setzen alles daran, um diese Entwicklung weiter voranzutreiben. Wir brauchen einen ganzheitlichen Ansatz nach dem Prinzip health in all policies, der alle relevanten Faktoren berücksichtigt und Gesundheit von der Schwangerschaft über das Aufwachsen der Kinder bis ins hohe Alter fördert. Die Umsetzung dieses Konzeptes ist jedoch wie ein Puzzle aus vielen kleinen Teilen und muss langfristig von den Einrichtungen und Bürgern getragen werden. Ich bin der festen Überzeugung, dass nur durch die Stärkung der Gesundheitskompetenzen das Wissen der Bürger und Gesundheitsdienstleister kontinuierlich weiter ausgebaut werden kann, so dass sich Verhaltensweisen nachhaltig verändern.
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