Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 371

14. April 2026 – Frage von D. STIEL an Herrn Minister FRECHES als Nachfrage zur Nachhaltigkeit öffentlicher Investitionen in digitale Infrastruktur am Beispiel der „GO Ostbelgien“-App

Welche Lehren zieht die Regierung aus dem Lebenszyklus der „GO Ostbelgien“-App für zukünftige digitale Infrastrukturprojekte, um eine höhere Langlebigkeit öffentlich finanzierter Software zu garantieren?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.


Frage von Diana STIEL (Vivant), vom 14. April 2026:

Jahrelang war die „GO Ostbelgien“-App der digitale Begleiter für Wanderer und Radfahrer im Osten Belgiens. Sie galt als das Aushängeschild für das moderne Knotenpunktsystem der Region. Doch Ende April 2024 folgte das Aus: Die App wurde eingestellt und aus den Stores entfernt.

Die Tourismusagentur Ostbelgien (TAO) begründete diesen Schritt vor allem mit dem technologischen Wandel. Laut offiziellen Statements entsprach die App nicht mehr den aktuellen Sicherheitsstandards und technischen Anforderungen moderner Betriebssysteme. Eine umfassende Modernisierung der Eigenentwicklung wäre wirtschaftlich nicht darstellbar gewesen.

Stattdessen setzt man nun auf eine Kooperation mit dem spezialisierten Anbieter NodeMapp, um den Nutzern eine stabilere und funktionsreichere Plattform zu bieten.

Hierzu lauten unsere Fragen: 

1.    Welche Lehren zieht die Regierung aus dem Lebenszyklus der „GO Ostbelgien“-App für zukünftige digitale Infrastrukturprojekte, um eine höhere Langlebigkeit öffentlich finanzierter Software zu garantieren?
2.    Wie hoch beläuft sich die exakte Summe der eingesetzten öffentlichen Mittel für die „GO Ostbelgien“-App von der ursprünglichen Konzeption und Entwicklung über sämtliche Updates bis hin zur Einstellung des Projekts?
3.    Wurde bereits zu Beginn des Projekts geprüft, ob eine Kooperation mit bestehenden Plattformen wie NodeMapp wirtschaftlicher gewesen wäre als eine Eigenentwicklung?


Antwort von Gregor FRECHES (PFF), Minister für Kultur, Erwachsenenbildung, Tourismus, Denkmal- und Landschaftsschutz

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, liebe Kolleginnen und Kollegen, gerne möchte ich Ihnen die Entwicklung rund um die GO-Ostbelgien App näher erläutern. Sie verstand sich damals als wichtiger Baustein im Modernisierungsprozess der touristischen Wanderinfrastruktur und der Informationsaufbereitung. Die App bestand von 2014 bis 2024 und kann damit auf eine für digitale Anwendungen durchaus bemerkenswerte Laufzeit von zehn Jahren zurückblicken. In dieser Zeit wurde die Anwendung nicht nur regelmäßig aktualisiert, sondern auch zweimal grundlegend neu programmiert, um den technischen Anforderungen und den Erwartungen der Nutzerinnen und Nutzer gerecht zu werden. Apps haben allgemein eine relativ kurze Lebensdauer und müssen in der Regel alle ein bis drei Jahre komplett neu geschrieben werden, um technologisch aktuell zu bleiben. Gleichzeitig wissen wir alle, wie schnelllebig die digitale Welt ist. Was heute modern und leistungsfähig ist, kann bereits morgen überholt sein. Und so kommt – unabhängig vom eigenen Willen – irgendwann der Zeitpunkt, an dem kleinere Projekte aus zeitlichen und finanziellen Gründen nicht mehr im bisherigen Umfang weitergeführt werden können. Genau dieser Punkt war im Jahr 2024 erreicht. Vor diesem Hintergrund hat die Tourismusagentur Ostbelgien entschieden, die digitalen Wegenetze künftig über die Plattform Nodemapp zugänglich zu machen.

Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang nun auf die finanziellen Aspekte eingehen. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich über die gesamte Laufzeit auf 101.984,34 Euro. 

In diesem Betrag enthalten sind die Entwicklung eines Routenplaners für den Desktop, die Programmierung der App selbst, die Erstellung eines Wegemanagementmoduls sowie eines Fotosuchspiels für das Wanderknotenpunktnetz. Ebenso sind sämtliche Updates und Lizenzkosten über einen Zeitraum von zehn Jahren im genannten Preis inbegriffen. Ein Teil dieser Kosten, konkret 57.899,20 Euro, wurde über das Leader-Programm abgerechnet, dass bereits in der LEADER-Förderperiode 2007-2013 begann. Der Anteil der Deutschsprachigen Gemeinschaft betrug hierbei 51,3 Prozent, was einem Betrag von 29.702,29 Euro entspricht. Die verbleibenden Kosten wurden über das reguläre Marketingbudget der TAO finanziert.

Zu Beginn des Projekts war der Markt für derartige Anwendungen noch sehr überschaubar. Wier schon erwähnt, das war im Jahr 2014. Wie im Rahmen von Leader-Projekten üblich, wurde eine Ausschreibung durchgeführt, aus der die Firma „2Infinit“ als Anbieter hervorging. 

Dieses Unternehmen hat sich im Jahr 2019 in Nodemapp umbenannt, wobei die Geschäftsführung unverändert blieb. Über die Jahre hinweg wurden sowohl der Routenplaner als auch die App kontinuierlich weiterentwickelt. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass im Jahr 2013 – also zu Projektbeginn – nicht absehbar war, wie sich Technologien, Nutzerverhalten und Geschäftsmodelle bis 2024 entwickeln würden. 

Bereits im Jahr 2023 hat Nodemapp darauf hingewiesen, dass der Fortbestand der GO-Ostbelgien App in ihrer bisherigen Form nicht länger gewährleistet werden kann. Daraufhin hat die TAO entschieden, die Wegenetze ab 2024 über Nodemapp weiterzuführen. Dabei war es der TAO ein wichtiges Anliegen, für die Nutzerinnen und Nutzer Kontinuität sicherzustellen. Der Übergang wurde mehrfach kommuniziert, sodass sich die Anwender rechtzeitig auf die neue Lösung einstellen konnten. Im Grunde lässt sich festhalten, dass die Zusammenarbeit mit Nodemapp über die gesamte Laufzeit hinweg bestanden hat. Was sich verändert hat, ist vor allem das zugrunde liegende Geschäftsmodell. Während die Finanzierung früher primär durch die Destination selbst getragen wurde, entspricht es heute – wie bei vielen Outdoor-Apps – eher der Regel, dass ein Teil der Kosten direkt von den Endnutzerinnen und Endnutzern übernommen wird.

Werte Kolleginnen und Kollegen, diese Entwicklung ist Ausdruck eines allgemeinen Wandels im digitalen Bereich. Unser Ziel bleibt es jedoch weiterhin, qualitativ hochwertige und nutzerfreundliche Angebote bereitzustellen – auch wenn sich die Wege dorthin mit der Zeit verändern.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

 

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