Mündliche Frage Nr. 362 19. März 2026 – Frage von F. WERTZ an Herrn Minister FRANSSEN zur Vermittlung der Kompetenzen in der ersten Fremdsprache Französisch in der Dualen Ausbildung an den ZAWM Inwiefern bestätigen die Ergebnisse der Testung 2024/2025 den Trend, dass die Duale Ausbildung bei DELF-Testungen schwächer abschneidet? Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. Frage von Frederik WERTZ (PFF), vom 19. März 2026: Das DELF-Zertifikat (Diplôme d'Études en Langue Française) ist ein international anerkanntes Sprachdiplom, das den Kenntnisstand in Französisch nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GERS) bescheinigt. So nehmen die Schülerinnen und Schüler in der DG seit längerem an dieser Testung teil, um die Französischkompetenz am Ende der Primarschule (A2-Niveau) sowie am Ende der Ausbildung am Zentrum für Aus- und Weiterbildung des Mittelstandes (ZAWM) und der Sekundarschule (B1- und B2-Niveau) zu erfassen. Zwar wird diese Testung regelmäßig und systematisch durchgeführt, um den Kompetenzzuwachs bei den getesteten Gruppen festzuhalten, dennoch fallen die Ergebnisse der technisch-beruflichen Abteilungen und der Lehrlinge im Vergleich häufiger etwas schwächer aus. Diese Entwicklung konnte bei den DELF-Testungen zwischen den Jahren 2014 und 2023/2024 festgehalten werden. Natürlich ist bei einer solchen Testung jeweils das getestete Niveau ausschlaggebend. Bei einem B1-Niveau wird jedoch deutlich, dass es sich nicht um einen Sprachnutzer handelt, der der Sprache fließend mächtig ist. Hinzu kommt eine besondere Problematik für den Bereich der Dualen Ausbildung aufgrund der geringen Anzahl Stunden Französisch pro Woche – und somit auch pro Schuljahr und in der gesamten Ausbildung. Auf der anderen Seite ist die Beherrschung der französischen Sprache von Belang, um sich als Arbeitnehmer im belgischen Arbeitsalltag orientieren zu können. So sind unter anderem längst noch nicht alle benötigten Informationen in diesem Alltag in deutscher Sprache verfügbar. Erlauben Sie mir daher, Ihnen folgende Fragen zu stellen: 1. Inwiefern bestätigen die Ergebnisse der Testung 2024/2025 den Trend, dass die Duale Ausbildung bei DELF-Testungen schwächer abschneidet? 2. Mit welchem Konzept möchten Sie den Erwerb der französischen Sprache in der Dualen Ausbildung fördern? 3. Welche Rolle wird die Deutschsprachige Gemeinschaft bei der Ausarbeitung dieses Konzepts einnehmen? Antwort von Jérôme FRANSSEN (CSP), Minister für Unterricht, Ausbildung und Beschäftigung Sehr geehrte Frau Vorsitzende, Sehr geehrter Herr Wertz, Werte Kolleginnen und Kollegen, die Ergebnisse der DELF-Testungen des vergangenen Schuljahres werden gerade ausgewertet, liegen folglich noch nicht vollständig vor und werden voraussichtlich im Mai dem Ausschuss vorgestellt. Es ist korrekt, ein Blick auf die Ergebnisse der vergangenen Jahre zeigt ein klares Bild: Die Resultate im B1-Niveau der Lehrlinge des 3. Lehrjahres am ZAWM fallen im Vergleich schwächer aus. Das ist vor allem auf strukturelle Unterschiede zurückzuführen: Lernende in Vollzeitschulformen verfügen über deutlich mehr Unterrichtsstunden pro Woche und lernen Französisch über mehrere Jahre länger, wodurch sich ein größerer Lernumfang ergibt. In der dualen Ausbildung wird ein praxisnahes und berufsbezogenes Sprachförderkonzept umgesetzt, das kontinuierlich weiterentwickelt wird. Der Französischunterricht wird dabei konsequent auf die realen Anforderungen des Berufsalltags ausgerichtet. Im Mittelpunkt steht vorrangig die konkrete sprachliche Handlungsfähigkeit, vor allem im beruflichen, aber auch im privaten Alltag. Konkret umfasst dieses Konzept insbesondere: - berufsbezogenen Französischunterricht, der gezielt Fachvokabular und authentische Kommunikationssituationen im Betrieb aufgreift; - handlungsorientierte Lernformate, die reale Arbeitssituationen simulieren und die sprachliche Handlungskompetenz stärken; - eine enge Verzahnung von Betrieb und Schule, etwa durch Lernaufträge mit direktem Bezug zum Arbeitsumfeld. Diese Schwerpunkte werden bereits umgesetzt und gezielt weiterentwickelt. So wurde das Französisch-Team im September 2025 durch Festanstellungen verstärkt, um eine kontinuierliche Qualitätsentwicklung besser zu ermöglichen. Darauf aufbauend wurden in einer ersten Phase sowohl die Lern- und Leistungsermittlungen als auch die Unterrichtsgestaltung vereinheitlicht und zugleich ein strukturierter Austausch mit einer externen Fachberatung etabliert. Aktuell wird der nächste Entwicklungsschritt verfolgt, indem der Französischunterricht stärker in die Fachkunde integriert wird, etwa indem Verkaufsgespräche im Einzelhandel zunehmend auch auf Französisch geführt werden. Die Rolle der Deutschsprachigen Gemeinschaft besteht nach wie vor darin, den Entwicklungsprozess in der dualen Ausbildung gemeinsam mit dem ZAWM, dem IAWM und dem Fachbereich Pädagogik aktiv und eng zu begleiten und die notwendigen Rahmenbedingungen für eine kontinuierliche Verbesserung zu schaffen mit dem Ziel, die Auszubildenden für Beruf und Privatleben in der Zweitsprache adäquat zu befähigen.
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