Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 351

18. März 2026 – Frage von D. STIEL an Frau Ministerin KLINKENBERG zur Prävention gegen K.o.-Tropfen – Projekt „Check It Straw“ und regionale Zusammenarbeit

In welchem Maße ist die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft über den aktuellen Entwicklungsstand dieser beiden innerbelgischen Projekte informiert bzw. eingebunden?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.


Frage von Diana STIEL (Vivant), vom 18. März 2026:

Wie das GrenzEcho am 13.02.2026 berichtete, kam es am Altweibernachmittag in Eupen zu mehreren Vorfällen mit K.-o.-Tropfen (GHB). Nur durch das Austeilen von Testbändchen durch Streetworker an die Feiernden konnten Opfer den Wirkstoff im Getränk nachweisen und in der Folge Klage einreichen. 

Allerdings bieten die Armbänder nur einen ersten Schnelltest für GHB, jedoch keine 100-prozentige Sicherheit gegen alle Arten von K.O.-Mitteln. 

Daher ist der Test ein hilfreiches Werkzeug zur ersten Einschätzung, ersetzt aber nicht die allgemeine Vorsicht. 

Dieser Vorfall bestätigt die Warnungen der Frauenliga, die bereits im Mai 2025 mit ihrer Kampagne ‚Geh nicht K.O. – Meine Drinks, meine Freunde, ich habe ein Auge drauf‘ Pionierarbeit geleistet hat. Ziel war es unter anderem, auf die hohe Dunkelziffer, die schwierige Beweislast sowie die hohe Hemmschwelle bei Anzeigen aufmerksam zu machen. Diese Angst vor dem Gang zur Polizei bleibt ein zentrales Hindernis in der Präventionsarbeit, da eine solche Dunkelziffer-Spirale gezielte Gegenmaßnahmen erschwert. 

Das Projekt „Check It Straw“ wurde von fünf Studierenden der Hochschule UCLL entwickelt und bietet eine innovative technische Antwort: Ein Trinkhalm mit integrierter Testzone zeigt Substanzen wie GHB sofort durch Farbumschlag an.

Ingenieurstudenten der Universität Lüttich haben 2024 ebenfalls ein Set entwickelt, mit dem man feststellen kann, ob jemandes Getränk mit Drogen versetzt wurde, und wurden dafür ausgezeichnet.

Die Innovation aus Lüttich sei durch die Erkennung von drei Stoffen deutlich umfassender. (GHB, Ketamin und Benzodiazepine) 

Die Vivant-Fraktion setzt primär auf Aufklärung und Wachsamkeit; ergänzend dazu können aber neue Technologien und präventive Accessoires dabei helfen, das Risiko von Übergriffen mit K.o.-Tropfen zu minimieren. 

Da die Deutschsprachige Gemeinschaft die politische Verantwortung sowohl für die Gesundheitsprävention als auch für die wissenschaftliche Forschung trägt und mit den inländischen Universitäten in Kontakt steht ergeben sich folgende Fragen: 

1. In welchem Maße ist die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft – insbesondere vor dem Hintergrund langjähriger Kooperationsvereinbarungen mit Partnern wie der KU Leuven und der Universität Lüttich – über den aktuellen Entwicklungsstand dieser beiden innerbelgischen Projekte informiert bzw. eingebunden? 
2. Welche weiterführenden Erkenntnisse konnten die Akteure im Bereich der Prävention aus der gesamten diesjährigen Karnevalssession gewinnen? 
3. Welche weiteren Präventionsmaßnahmen plant die Regierung für das Jahr 2026 im aktiven Kampf gegen K.-o.-Tropfen? 


Antwort von Lydia KLINKENBERG (ProDG), Ministerin für Gesundheit, Soziales, Familie und Wohnungswesen

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, 
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

der Deutschsprachigen Gemeinschaft liegen aktuell keine Informationen und Erkenntnisse zu diesen Projekten vor. 

Auch wurde während der letzten Sitzungen der interföderalen Zelle Drogen, welche sich intensiv mit sämtlichen relevanten Entwicklungen zum Thema Drogen befasst, weder über das Start up Projekt „Check It Straw“ noch über das Test Kit der Universität Lüttich informiert. 

Der VoG ASL sind nach Altweiber, wie bereits im Grenz-Echo-Artikel erwähnt, keine konkreten Verdachtsfälle über den Missbrauch von KO-Tropfen gemeldet worden. Durch den Hinweis auf einfach durchzuführende Präventionsmaßnahmen seitens der ASL, wie wachsam bleiben, Getränke niemals unbeaufsichtigt lassen, keine Getränke von fremden Personen annehmen, konnten die verbleibenden Karnevalstage ohne größere Zwischenfälle verlaufen. 

Auf Nachfrage bei der Polizeizone Eifel hat uns der Zonenchef mitgeteilt, dass seit Beginn seiner Arbeit bei der Kriminalpolizei 2006 keine nachgewiesenen Hinweise (0 %) auf die Nutzung von KO Tropfen gefunden wurden. Hierzu beruft er sich sowohl auf die Auswertung von Handy- und Chatdaten zwischen Drogenkonsumenten und Drogendealern als auch auf Ergebnisse von Hausdurchsuchungen sowie Haar- und Blutanalysen. 

Was die von den Streetworkern verteilten Testbändchen betrifft, liegen der Polizei weder Dokumentationen noch Unterlagen wie Gebrauchsanweisungen vor, um die Verlässlichkeit solcher Verfahren prüfen zu können. Um eine vernünftige Aussagekraft zu haben, müssen solche Testverfahren verschiedene Kriterien erfüllen, damit eine sachgerechte Anwendung und damit die abgeleiteten Testergebnisse als belastbar eingestuft werden können. Es liegen keine Informationen zu Aspekten wie Gültigkeit, Lagerungsbedingungen oder sonstigen relevanten Rahmenparametern vor. 

Die Polizei und die Staatsanwaltschaft befassen sich intensiv mit der Thematik. Ziel ist es, eine belastbare Vorgehensweise zum Nachweis entsprechender Substanzen (insbesondere KO-Tropfen/GHB) zu entwickeln. In diesem Zusammenhang ist auch vorgesehen, die Expertise eines Toxikologen einzuholen. 

Auf Grundlage der bislang geführten Ermittlungen im Kontext der Karnevalssession liegt derzeit kein belastbarer Nachweis dafür vor, dass KO-Tropfen verabreicht wurden. Die eingesetzten Schnelltestbändchen haben sich aufgrund möglicher Fehlanzeigen sowie Manipulationsanfälligkeit als ungeeignet erwiesen, verlässliche Beweise zu liefern, so die Polizei. 

Die Polizeizone wird gemeinsam mit ihren Partnern die aktuellen Entwicklungen und Trends im Bereich Suchtmittel und Drogen weiterhin aufmerksam beobachten und entsprechende Erkenntnisse in ihre Präventionsmaßnahmen und -projekte einfließen lassen. 

Für das Jahr 2026 hat die Regierung keine expliziten Präventionsmaßnahmen zu K.O.-Tropfen geplant. Aufgrund des bestehenden Jahresvertrags mit der VoG ASL verfügt die Regierung jedoch jederzeit über die Möglichkeit, auf akute Fragestellungen oder Problemlagen zu reagieren und die ASL mit der Durchführung außerordentlicher Präventionsmaßnahmen zu betrauen. 

Die Regierung nimmt die Gefahr von K.O.-Tropfen sehr ernst. Sollten wir Hinweise erhalten, dass K.O.-Tropfen in Ostbelgien zum Einsatz kommen, werden wir zusätzliche Präventionsmaßnahmen in diesem Bereich veranlassen. 

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

 

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