Mündliche Frage Nr. 346 & 347 17. März 2026 – Frage von B. KLINKENBERG & M. HOFFMANN an Herrn Minister FRECHES zur Sportentwicklungsstudie der Deutschsprachigen Gemeinschaft sowie Zusammenarbeit mit externen Partnern Welchen konkreten finanziellen Rahmen plant die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft für die Umsetzung der Ergebnisse dieser Sportentwicklungsstudie in den kommenden Jahren vorzusehen? Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. Frage von Björn KLINKENBERG (SP) vom 17. März 2026: Die Regierung hat zu Beginn dieses Jahres eine neue Sportentwicklungsstudie für die DG gestartet. Sie soll einen Überblick über die Entwicklung der hiesigen Sportlandschaft sowie Perspektiven für die zukünftige Ausrichtung der Sportpolitik aufzeigen. Grundsätzlich ist dies sinnvoll und wichtig, denn Sport und Bewegung leisten einen zentralen Beitrag für unsere Gesellschaft. Gleichzeitig müssen wir aber die Realität vor Ort betrachten: Die Gemeinden stehen vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. Ein zunehmender Investitionsbedarf sowie steigende Preise und Kosten setzen die kommunalen Haushalte stark unter Druck. Besonders deutlich zeigt sich dies im Bereich der kommunalen Sportinfrastrukturen. Sporthallen, Fußballplätze, Schwimmbäder und andere Anlagen werden renoviert, energetisch saniert oder grundlegend modernisiert werden müssen. Häufig mit Unterstützung von Förderprogrammen errichtet oder renoviert, werden die laufenden Kosten von den Kommunen getragen. Eben diese Kosten sind deutlich gestiegen und führen zu der Frage, wie Betrieb und Instandhaltung in Zukunft finanziell abgesichert werden können. Gerade deswegen weckt die Studie Erwartungen für neue Projekte und Infrastrukturen sowie stärkere Unterstützung im Bereich der bestehenden Anlagen bei Gemeinden und Sportvereinen. Daher braucht es Klarheit darüber, welchen finanziellen Handlungsspielraum die Regierung zur späteren Umsetzung von Empfehlungen sieht. Vor diesem Hintergrund habe ich folgende Fragen: 1. Welchen konkreten finanziellen Rahmen plant die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft für die Umsetzung der Ergebnisse dieser Sportentwicklungsstudie in den kommenden Jahren vorzusehen? 2. Welche Rolle sieht die Regierung dabei für die Gemeinden – insbesondere im Hinblick auf die Finanzierung der bestehenden Sportinfrastrukturen? 3. Wie will die Regierung sicherstellen, dass durch die Studie keine Erwartungen bei Gemeinden und Sportvereinen geweckt werden, die später finanziell nicht hinterlegt werden können? Frage von Marco HOFFMANN (Vivant) vom 17. März 2026: Laut Medienberichten hat die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft eine umfassende Sportentwicklungsstudie mit dem Titel „Fit für Ostbelgien 2040“ gestartet. Diese Studie soll untersuchen, wie sich der Sport in Ostbelgien in den kommenden Jahren entwickeln soll. Dabei geht es unter anderem um das Sportverhalten der Bevölkerung, die Situation der Vereine, die Entwicklung der Mitgliederzahlen sowie um die vorhandene Sportinfrastruktur. Auch Schulen, Bewegungsräume sowie der Freizeit- und Gesundheitssport sollen in die Analyse einbezogen werden. Ziel der Studie ist es, eine langfristige Grundlage zu schaffen, auf deren Basis zukünftige sportpolitische Entscheidungen sowie mögliche Investitionen geplant werden können. Gleichzeitig wird auch an der zukünftigen Struktur der Organisation LOS im Sportbereich gearbeitet. In verschiedenen Dokumenten wird in diesem Zusammenhang auf eine stärkere Zusammenarbeit mit Sportorganisationen im In- und Ausland hingewiesen. Dabei wird ausdrücklich erwähnt, dass Synergien mit Sportfachverbänden sowie mit anderen Organisationen, wie zum Beispiel INAPS in Luxemburg, weiter ausgebaut werden sollen, damit Trainerinnen und Trainer die bestmögliche Ausbildung erhalten können. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie diese verschiedenen Initiativen zusammenhängen, welche Partner aktuell tatsächlich eingebunden sind sowie wie die Aufträge für diese Arbeiten vergeben wurden. Meine Fragen an Sie: 1. Wurde für die Beauftragung der Sportentwicklungsstudie eine öffentliche Ausschreibung durchgeführt? 2. Besteht aktuell eine konkrete Zusammenarbeit mit der Organisation INAPS in Luxemburg im Bereich Ausbildung sowie Strukturentwicklung im Sport? 3. Wurde die Zusammenarbeit mit dem Luxemburger Berater, der die Struktur der LOS-Organisation überarbeiten sollte, inzwischen beendet? Antwort von Gregor FRECHES (PFF), Minister für Kultur, Erwachsenenbildung, Tourismus, Denkmal- und Landschaftsschutz Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrter Herr Klinkenberg, sehr geehrter Herr Hoffmann, werte Kolleginnen und Kollegen, Zunächst ist festzuhalten, dass die Studie „Fit für Ostbelgien 2040“ bewusst als strategischer Grundlagenprozess angelegt wurde. Ziel ist es, die Sportlandschaft in der Deutschsprachigen Gemeinschaft systematisch zu erfassen, Entwicklungen und Bedarfe wissenschaftlich zu analysieren und daraus fundierte Handlungsempfehlungen für die kommenden Jahre abzuleiten. Es geht also gerade nicht darum, im Vorfeld einzelne Maßnahmen oder Investitionen politisch vorwegzunehmen, sondern zunächst eine belastbare Entscheidungsgrundlage zu schaffen. Vor diesem Hintergrund kann die Regierung zum jetzigen Zeitpunkt noch keinen abschließenden finanziellen Gesamtrahmen für die spätere Umsetzung der Ergebnisse benennen. Ein solcher Rahmen kann seriöserweise erst dann festgelegt werden, wenn die Datenerhebung abgeschlossen, die wissenschaftliche Analyse erfolgt und der Abschlussbericht mit den Handlungsempfehlungen vorliegt. Alles andere wäre politisch vielleicht bequem, fachlich aber nicht verantwortbar. Die Regierung wird die Ergebnisse der Studie anschließend im Lichte der regionalen Entwicklungsstrategie „Ostbelgien leben 2040“ und der darin formulierten Leitziele für den Sport bewerten, priorisieren und daraus die weiteren Schritte ableiten. Ebenso klar ist, dass die Gemeinden bei diesem gesamten Prozess eine zentrale Rolle spielen. Gerade im Bereich der Sportinfrastrukturen verfügen sie über die unmittelbare Erfahrung vor Ort, sie kennen die Nutzung, die Belastungen, die baulichen Herausforderungen und die finanziellen Realitäten. Genau deshalb werden sie nicht erst am Ende mit Ergebnissen konfrontiert, sondern von Beginn an aktiv in die Studie einbezogen. Die Gemeinden sind Teil der Datenerhebung zu den bestehenden Infrastrukturen, sie werden als wesentliche Stakeholder befragt und sie werden im weiteren Verlauf auch in Workshops in die Auswertung und Einordnung eingebunden. Ziel ist es ausdrücklich, die Situation nicht theoretisch, sondern auf Basis konkreter Rückmeldungen und belastbarer Daten zu bewerten. In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, dass bereits Mitte Dezember 2025 die Sportschöffinnen und Sportschöffen der neun Gemeinden zu einem Austausch eingeladen wurden, der vergangene Woche, am 13. März 2026 stattgefunden hat. Dort wurden durch den Experten des beauftragten Instituts die einzelnen Arbeitspakete der Studie, die Methodik und insbesondere die Arbeitsschritte mit Blick auf die Gemeinden ausführlich vorgestellt. Es ging dabei unter anderem um die Datenerhebung zu den Sportinfrastrukturen, die Beteiligung der Gemeinden als zentrale Akteure und die geplanten Gemeindeworkshops. Gerade für politische Mandatsträger mit Verantwortung im Sportbereich war dies also eine naheliegende Gelegenheit, sich aus erster Hand zu informieren und Rückfragen unmittelbar an das Institut, den Fachbereich Sport oder an mich selbst zu richten. Die Frage, wie verhindert werden kann, dass durch die Studie Erwartungen geweckt werden, die später nicht finanziell unterlegt werden können, ist berechtigt. Genau deshalb kommuniziert die Regierung von Anfang an klar, dass es sich um ein Analyse- und Strategieinstrument handelt und nicht um eine Vorabzusage für konkrete Investitionsprogramme. Die Reihenfolge ist bewusst eindeutig: zuerst Bestandsaufnahme, dann Analyse, darauf aufbauend Handlungsempfehlungen und erst anschließend politische Priorisierung und finanzielle Entscheidungen. Gerade diese saubere Vorgehensweise schützt vor falschen Erwartungen und sorgt zugleich dafür, dass spätere Entscheidungen nachvollziehbar, transparent und sachlich begründet getroffen werden können. Zur Vergabe der Studie kann ich unmissverständlich bestätigen, dass diese im Rahmen eines öffentlichen Dienstleistungsauftrags erfolgt ist. Das Lastenheft mit dem Titel „Durchführung einer Sportentwicklungsstudie in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und Erstellung einer Sportentwicklungsstrategie in Bezug auf die Leitziele für den Sport in der regionalen Entwicklungsstrategie Ostbelgien leben 2040“ wurde Ende September 2025 als vereinfachtes Verhandlungsverfahren mit Bekanntmachung auf der belgischen Plattform e-procurement veröffentlicht. Die Beauftragung ist somit in einem formell geregelten öffentlichen Verfahren erfolgt. Was die Zusammenarbeit mit externen Partnern betrifft, besteht im Bereich der Trainerausbildung eine konkrete Zusammenarbeit mit dem in Luxemburg staatlich anerkannten Institut INAPS. Diese Zusammenarbeit erfolgt über den Dachverband LOS, der mit der Organisation und Durchführung der Trainerausbildungen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft beauftragt ist. Darüber hinaus bestehen in diesem Bereich auch Kooperationen mit Partnern in Belgien und Deutschland. Das ist kein Widerspruch zur Studie, sondern Ausdruck eines pragmatischen und qualitätsorientierten Ansatzes, damit Trainerinnen und Trainer in Ostbelgien bestmöglich aus- und weitergebildet werden können. Schließlich halte ich mit Blick auf die letzte Teilfrage fest, dass es keine Zusammenarbeit mit einem Luxemburger Experten zur Überarbeitung der Struktur des Dachverbandes LOS gegeben hat.
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