Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 343

17. März 2026 – Frage von K. ELSEN an Herrn Minister FRECHES zur Erfolgsquote und Unterstützungsmaßnahmen bei der Theorieprüfung des Führerscheins

Wie bewertet die Regierung die aktuelle Erfolgsquote aller deutschsprachiger Prüflinge beim theoretischen Teil?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.


Frage von Kathy ELSEN (ProDG), vom 17. März 2026:

Seit mehreren Jahren werden regelmäßig schriftliche und mündliche Fragen zu den Problemen der Theorieprüfung des Führerscheins hier im Parlament thematisiert.

Ende Februar wurde dieses Thema durch Altéo im Ausschuss II besprochen, als sie ihre Tätigkeiten als Erwachsenenbildungseinrichtung präsentierten und somit auch das ESF-Projekt “Führerschein für alle” mit der Leistungsvereinbarung erwähnten. Dieses Projekt läuft seit 2024 und endet 2027. Diese Vorbereitungskurse sind in einfachem Deutsch und sollen es den Schülern mit Sonderbedarf ermöglichen, besser durch die Prüfung zu kommen. Dieser Kurs ist sehr intensiv mit 18 Kursdaten in Doppelstunde. Durch Sonderbescheinigungen dürfen gewisse Schüler auch an einer Sonderprüfung teilnehmen.

Trotz dieser bestehenden Unterstützungsmaßnahmen, sowie der Möglichkeit einer spezifischen Prüfung für Personen mit besonderen Bedürfnissen bleibt die Erfolgsquote laut Aussage besorgniserregend niedrig und es werden häufig viele Anläufe benötigt. Dies frustriert die jungen Menschen und einige geben sogar komplett auf. Für unseren ländlichen Raum ist dies eine deutlichere Herausforderung sein Leben ohne Führerschein zu bewältigen.

Zudem erhalten die Prüflinge im Falle einer nichtbestandenen Prüfung nie ein inhaltliches Feedback zu ihren Fehlern. Dadurch wird eine gezielte Vorbereitung auf eine Wiederholungsprüfung erheblich erschwert, und es besteht die Gefahr, dass dieselben Fehler erneut gemacht werden. Fehler sollen Helfer sein, aber dies werden sie nur wenn man sie kennt.

Auch wenn die DG leider nicht zuständig ist und nur eine Vermittlerrolle zur Wallonischen Region einnehmen kann um die Probleme anzusprechen, ist es ein Thema was viele Menschen hier in der DG betrifft und die Entscheidungen haben deutliche Auswirkungen. 

Vor diesem Hintergrund habe ich folgende drei Fragen:

1.    Wie bewertet die Regierung die aktuelle Erfolgsquote aller deutschsprachiger Prüflinge beim theoretischen Teil? 
2.    Setzt sich die Regierung gegenüber den zuständigen Stellen der Wallonischen Region dafür ein, dass ein Feedback-Mechanismus nach Nichtbestehen eingeführt wird?
3.    Welche spezifischen Unterstützungsmaßnahmen erhalten Schüler mit Hemmnissen aus der DG, wenn das ESF-Projekt 2027 ausläuft? 


Antwort von Gregor FRECHES (PFF), Minister für Kultur, Erwachsenenbildung, Tourismus, Denkmal- und Landschaftsschutz

Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Regierung ist sich der verschiedenen Herausforderungen bewusst, die insbesondere für die deutschsprachigen Kandidaten mit dem Erwerb des Führerscheins verbunden sind. Seit Beginn der Legislatur sind meine Ministerkollegen und ich mit der Wallonischen Region in Kontakt. 

Die Deutschsprachige Gemeinschaft hat keinen direkten Einfluss auf die Organisation der Prüfungen oder die Festlegung der Modalitäten – einschließlich möglicher Feedbackmechanismen. Dennoch bringen wir diese Themen bei jeder passenden Gelegenheit gegenüber unseren wallonischen Partnern zur Sprache.

Im Rahmen der gemeinsamen Regierungssitzung vom 3. Juli 2025 wurde die Einsetzung einer Arbeitsgruppe beschlossen. Das Kabinett meines Kollegen Oliver Paasch hat die wallonischen Partner erneut an diesen Beschluss erinnert und einen konkreten Vorschlag zur Zusammensetzung übermittelt. Wir warten hier noch auf Rückmeldung.

Zentrale Herausforderungen, die dort bearbeitet werden sollen, sind die schwerfällige Übersetzung der Vorbereitungsunterlagen zur Prüfung sowie die verbesserungswürdige Übersetzung der Prüfungsfragen. 

Die Anfang Januar veröffentlichten Statistiken des SPW Mobilité et Infrastructure zeigen, dass das Prüfzentrum in Lontzen – und damit viele deutschsprachige Prüflinge – im wallonischen Vergleich eher im unteren Drittel liegt. Mit einer Erfolgsquote von 34,90 % besteht emehr als ein Drittel die theoretische Prüfung. Diese Quote ist aus unserer Sicht dennoch verbesserungswürdig. 

Seit Herbst 2024 nahmen 46 Personen an vier Kursen teil, 40 schlossen den Kurs ab. 37 erschienen zur Prüfung, 30 wurden zugelassen. Von ihnen bestanden 12 – beim ersten, zweiten oder dritten Versuch.

Der Projektleiter, Dirk Riemann, teilte uns mit, dass er allen Teilnehmenden zusätzlich eine ergebnisunabhängige Nachbegleitung anbiete. Diese umfasse die Auswertung des Feedback-Blatts der Prüfstelle, Motivation bei Misserfolg und die Erklärung der nächsten Schritte bei Erfolg. Etwas, das im Regelfall nicht erfolgt und auch gemeinsam mit den Wallonischen Kollegen in der zuvor genannten Arbeitsgruppe thematisiert werden könnte, um den Zugang zum Führerschein für alle barrierefreier zu gestalten. 

Bezogen auf alle zur Prüfung erschienenen Personen liegt die Erfolgsquote des Projekts mit rund 32 % in einer ähnlichen Größenordnung wie die Quote von Lontzen.

Zur Zukunft des Projekts nach 2027 kann ich zurzeit keine abschließende Einschätzung geben. Wir können die Situation nicht abschätzen und müssen die Entwicklungen auf EU-Ebene abwarten. 

 

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