Fragen und Antworten

Schriftliche Frage Nr. 139

08. April 2026 – Frage von D. STIEL an Frau Ministerin KLINKENBERG zur zunehmenden Kurzsichtigkeit bei Kindern und Jugendlichen durch Bildschirmnutzung

Liegen der Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft aktuell vergleichbare Zahlen zur Entwicklung der Kurzsichtigkeit bei Kindern und Jugendlichen seit 2019 vor?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.


Frage von Diana STIEL (Vivant), vom 05. März 2026:

Laut einem Artikel vom 25.02.2025 auf [email protected] nimmt die Kurzsichtigkeit (Myopie) weltweit in besorgniserregendem Ausmaß zu. Grundlage dieses Berichts ist eine im Fachmagazin JAMA Network Open veröffentlichte Metaanalyse von 45 wissenschaftlichen Studien mit insgesamt 335.524 Probandinnen und Probanden. Die Prognosen der Autoren gingen davon aus, dass bis zum Jahr 2050 nahezu die Hälfte der Weltbevölkerung von Kurzsichtigkeit betroffen sein könnte.
Besonders alarmierend sei dabei nicht nur die steigende Häufigkeit, sondern auch der immer frühere Beginn, das schnellere Fortschreiten sowie der zunehmende Schweregrad der Myopie. Die Studie komme zu dem Schluss, dass die Hauptursachen hierfür im modernen Lebensstil und in veränderten Umweltfaktoren lägen. Dazu zählten insbesondere eine stark zunehmende Zeit mit Aktivitäten im Sehnahbereich (z. B. Lesen, Arbeiten an Bildschirmen), eine intensive Nutzung digitaler Endgeräte sowie ein gleichzeitiger Rückgang der Aufenthaltsdauer im Freien. Kinder seien von dieser Entwicklung in besonderem Maßebetroffen, da Myopie bei ihnen weltweit immer früher diagnostiziert werde.

Das Autorenteam der Metaanalyse betone ausdrücklich:

„Da Kinder immer früher auf Smartgeräte umsteigen und mehr Zeit vor digitalen Bildschirmen verbringen, besteht dringender Bedarf, den Zusammenhang zwischen digitaler Bildschirmzeit und Myopie besser zu verstehen“.

Ergebnis der Studie sei, dass sich mit jeder zusätzlichen Stunde täglicher Bildschirmzeit das Risiko, kurzsichtig zu werden, im Durchschnitt um 21 % erhöhe. Während eine Stunde Bildschirmzeit pro Tag kaum messbare Auswirkungen gezeigt habe, sei die Häufigkeit von Kurzsichtigkeit bei bis zu vier Stunden täglicher Bildschirmnutzung um bis zu 97 % angestiegen. Besonders stark sei dieser Effekt bei Vorschulkindern ausgeprägt: In der Altersgruppe der Zwei- bis Siebenjährigen habe sich die Myopie-Häufigkeit mit einer zusätzlichen Stunde Bildschirmzeit um 42 % erhöht. Zudem zeige die Analyse, dass die gleichzeitige Nutzung mehrerer elektronischer Geräte das Risiko weiter erhöhe.

Neben der Bildschirmzeit werde zunehmend auch der Einfluss von künstlichem Licht thematisiert. Das Schweizer ELZA-Institut komme zu dem Schluss, dass künstliches Licht – insbesondere in Innenräumen – im Gegensatz zum natürlichen Sonnenlicht keine ausreichende Freisetzung des Botenstoffs Dopamin bewirke, der nachweislich ein Fortschreiten der Kurzsichtigkeit verlangsamen könne. Zudem sei es wichtig zu verstehen, dass Myopie sich in der Kindheit entwickle, sie entstehe, wenn das Auge zu lang werde, um das Licht aus der Ferne auf der Netzhaut zu bündeln. Die Kindheit sei daher die einzige Möglichkeit, das Fortschreiten der Myopie zu beeinflussen.
Auch der Aspekt des sogenannten Blaulichts werde seit Jahren wissenschaftlich und gesellschaftlich diskutiert. Bereits 2021 wies Stiftung Warentest darauf hin, dass blaues Bildschirmlicht Augen und Schlaf beeinträchtigen könnte. Durch Computer, Smartphones, Tablets und LED-Lampen setze sich der Mensch zunehmend blauem Licht aus. Zwar betone das wissenschaftliche Komitee der EU für Gesundheit, dass die Strahlungswerte von LED-Screens unterhalb der geltenden Sicherheitsgrenzen lägen, gleichzeitig werde jedoch eingeräumt, dass Langzeitwirkungen – insbesondere bei Kindern – noch nicht abschließend erforscht seien.

Bereits in den Jahren 2019 und 2020 habe ich die zunehmende Kurzsichtigkeit bei Kindern und Jugendlichen im Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft thematisiert. In den Antworten des damaligen Gesundheitsministers Antoniadis wurde ausgeführt, dass Kaleido Ostbelgien Sehtests durchführt und dokumentiert, jedoch keine gezielten Präventions- oder Sensibilisierungsmaßnahmen zur Reduzierung von Bildschirmnutzung, zur Förderung von Tageslicht oder zum bewussten Umgang mit künstlichem Licht vorgesehen sind. Die Verantwortung für präventives Handeln ist weitgehend den Familien und Bürgerinnen und Bürgern übertragen worden.
Der damalige Gesundheitsminister Antoniadis verweist in der Antwort auf meine schriftliche Frage Nr. 30 vom 16. Januar 2020 auf den Tätigkeitsbericht von Kaleido, darin heißt es: “Die Sehscreening-Ergebnisse bleiben im Vergleich zu den Vorjahren weitergehend konstant. Dennoch wünschen wir uns eine höhere Inanspruchnahme, um möglichst viele Sehbeeinträchtigungen frühzeitig zu erkennen. Geplante Maßnahmen für 2025 umfassen die Überarbeitung des Einladungsbriefes und eine verstärkte Kommunikation über Social-Media-Kanäle, als regelmäßige Erinnerung für Eltern.”

Spezifische Zahlen zur Kurzsichtigkeit sind jedoch nicht im Bericht zu finden.

Auf meine an den damaligen Gesundheitsminister zu den von der Regierung unternommenen Schritten verwies er auf die Internetseite von Kaleido. Hier wird zwar das Thema Sehtests angesprochen, allerdings werden keine konkreten Angaben zur Kurzsichtigkeit und der in den besagten Studien angeführten Zusammenhänge zwischen Bildschirmnutzung und Kurzsichtigkeit gemacht.

Wir entnehmen den Antworten ebenfalls, dass die Kurzsichtigkeit in den Schwerpunkten der Gesundheitsförderung 2020-2024 nicht festgehalten ist und es demnach keine gezielten Maßnahmen gegen Kurzsichtigkeit gibt. Der damalige Gesundheitsminister Antoniadis ging davon aus, dass das Thema hinlänglich bekannt sei, da häufig in den Medien thematisiert, und dass es in der Verantwortung der Leute liegt, wie lange sie Geräte mit einem Bildschirm verwenden.

Weiter heißt es: “Die Entwicklung der Gesellschaft und die neuen Technologien führen zu neuen Tendenzen bei Jugendlichen. Schulen nutzen immer häufiger neue Technologien wie zum Beispiel interaktive Tafeln, etc…

Der Missbrauch, wie auch der gesunde Bildschirmkonsum, können jedoch flächendeckend im Rahmen der Schulprogramme angesprochen und bearbeitet werden.
Wichtig ist jedoch an dieser Stelle anzumerken, dass die übermäßige Nutzung von Handy und Konsole geläufige Themen sind, die beispielsweise vom Jugendtreff angesprochen werden.”

In meiner Nachfrage vom 3. März 2020 verweist der damalige Gesundheitsminister auf die Verantwortung der Bürger, gesunde und mündige Entscheidungen zu treffen. Es gehe um den Aufbau der Gesundheitskompetenz der Bürger, darunter verstehe man “die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden, um im Alltag, angemessenen Entscheidungen zur Gesundheit treffen zu können”.

Weiter heißt es: “Die Arbeit der Regierung in Zusammenarbeit mit den betroffenen Einrichtungen richtet sich auf den Aufbau dieser Kompetenz. Durch die Förderung dieser Fähigkeit werden Eltern dazu in der Lage sein, selbst auf das Problem der Kurzsichtigkeit bei Kindern zu achten. Sie werden demnach selbst zu einer Beurteilung in der Lage sein, was die Verwendung von Monitoren und Bildschirmen im Alltag ihrer Kinder betrifft und welchen Einfluss diese auf eine mögliche Kurzsichtigkeit ihrer Kinder hat.

Folglich gibt es zurzeit keine geplanten Maßnahmen, die gezielt die Problematik der Kurzsichtigkeit bei Kindern aufgreifen. Ich möchte Sie jedoch daran erinnern, dass Kurzsichtigkeit bei Kindern und Jugendlichen Teil der Sehschwäche ist, und somit durch die Präventionsarbeit von Kaleido Ostbelgien abgedeckt wird.”
Inzwischen hat sich die gesellschaftliche Realität weiter verändert:

Laptops und Tablets sind fester Bestandteil des Schulalltags geworden, Smartphones begleiteten Kinder und Jugendliche bereits von frühem Alter an.

Ob die Eltern tatsächlich in der Lage sind, die Verantwortung zu übernehmen und selbst die Prävention gegen Kurzsichtigkeit in die Hand nehmen können, sei dahingestellt. Schon der zunehmende Bildschirmkonsum durch die verpflichtete Einbindung von Informatik in den Schulunterricht hindert sie daran, hier haben die Eltern weder die Wahl noch die Kontrolle.

Vor diesem Hintergrund erscheint uns eine erneute und vertiefte Auseinandersetzung mit der Thematik aus gesundheitspolitischer Sicht angebracht.

Meine Fragen:

1.    Liegen der Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft aktuell vergleichbare Zahlen zur Entwicklung der Kurzsichtigkeit bei Kindern und Jugendlichen seit 2019 vor? Falls ja, lässt sich daraus ein signifikanter Anstieg der Myopie-Häufigkeit ableiten? Welche Schlussfolgerungen zieht die Regierung daraus für die Weiterentwicklung der Gesundheitsvorsorge und Präventionsarbeit?
2.    Warum werden in den Tätigkeitsberichten von Kaleido Ostbelgien zwar allgemeine Sehschwächen erfasst, aber keine spezifischen Statistiken zur Myopie-Prävalenz und deren Korrelation zum Alter erhoben, um lokale Trends frühzeitig zu erkennen?
3.    Wurde inzwischen der Einladungsbrief von Kaleido an die Eltern wie geplant überarbeitet, und falls ja, welches war die Resonanz im laufenden Jahr 2025?
4.    Ist vorgesehen, Kaleido Ostbelgien künftig noch stärker in präventive Aufklärungsarbeit einzubinden und die Rolle über die Durchführung von Sehtests hinaus auszubauen?
5.    Wie rechtfertigt das Ministerium angesichts der aktuellen JAMA-Studienlage, die ein um bis zu 97 % erhöhtes Myopie-Risiko bei intensiver Bildschirmnutzung belegt, das Festhalten an einer rein dokumentierenden Rolle von Kaleido ohne aktive Präventionsmaßnahmen?
6.    Welches ist Ihre Einschätzung zum zunehmenden Einsatz digitaler Endgeräte im schulischen Alltag, im Hinblick auf Bildschirmzeit, Lichtverhältnisse und die Prävention von Kurzsichtigkeit?
7.    Gibt es in den Schulen der Deutschsprachigen Gemeinschaft flächendeckend konkrete Richtlinien oder Empfehlungen zu Bildschirmzeiten, Pausenregelungen (z. B. 20-20-20-Regel), Lichtgestaltung und Tageslichtexposition, und sind Anpassungen oder neue Leitlinien geplant?
8.    Da Tablets und Laptops im Unterricht verpflichtend eingesetzt werden, entfällt die elterliche Wahlfreiheit. Welche verbindlichen Schutzkonzepte plant die Regierung für den digitalisierten Schulalltag?
9.    Gibt es Pläne seitens des Ministeriums, eine Mindestdauer für Aktivitäten im Freien (empfohlen werden laut Experten mind. 2 Stunden) in den Lehrplänen zu verankern
10.    Werden bei Schulneubauten oder Sanierungen die Erkenntnisse des ELZA-Instituts zur Bedeutung von natürlichem Vollspektrumlicht gegenüber künstlichem LED-Licht bereits gesundheitspolitisch berücksichtigt?
11.    Wie bewerten Sie, vor dem Hintergrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, den Einfluss von künstlicher Beleuchtung und Blaulicht – insbesondere durch LED-Lampen, Bildschirme und Displays – auf die Augen- und Schlafgesundheit von Kindern und Jugendlichen?
12.    Inwieweit berücksichtigt die Regierung bei der Beschaffung schulischer Hardware das Vorsorgeprinzip hinsichtlich der Blaulichtexposition, da die Langzeitwirkungen der HEV-Strahlung (High Energy Visible Light) auf die kindliche Netzhaut noch nicht abschließend erforscht sind?
13.    Gibt es offizielle Empfehlungen seitens des Ministeriums zu Blaulichtfiltern und der Begrenzung der Bildschirmzeit vor dem Schlafengehen, um die nachgewiesene Beeinträchtigung des Melatoninspiegels bei Kindern zu minimieren?
14.    Gibt es seitens des Ministeriums geplante Maßnahmen, um Eltern und Lehrpersonal über den kausalen Zusammenhang zwischen abendlicher Blaulichtexposition und der Hemmung der Melatoninausschüttung, die nachweislich zu Schlafstörungen und Konzentrationsdefiziten führt, aufzuklären?
15.    Bitte erläutern Sie, was genau die vom damaligen Gesundheitsminister Antoniadis angekündigten Maßnahmen beinhalten, die die Regierung in den vergangenen Jahren eingesetzt hat, um die Kompetenz der Bürger zur eigenverantwortlichen Gesundheitsentscheidung zu fördern.
16.    Wie sieht die aktuelle Zusammenarbeit mit Augenärzten aus, um über moderne Ansätze wie das Myopie-Management (z. B. spezielle Brillengläser) flächendeckend aufzuklären?


Antwort von Lydia KLINKENBERG (ProDG), Ministerin für Gesundheit, Soziales, Familie und Wohnungswesen

Vorab möchte ich darauf hinweisen, dass ich als Gesundheitsministerin weder für die Jugendarbeit noch für das schulische Umfeld oder für Kaleido zuständig bin. 

Gesunde Augen und damit ein gutes Sehvermögen spielen ab dem frühesten Alter eine wichtige Rolle. Um frühzeitig die Entwicklung des Sehvermögens der Kinder zu verfolgen und bei entsprechenden Auffälligkeiten die Eltern zu informieren, führt Kaleido im Auftrag der Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft schulische Vorsorgeuntersuchungen durch.

Seit der Gründung von Kaleido in 2014 werden Statistiken zu den Resultaten des Sehscreenings im Rahmen der schulischen Vorsorgeuntersuchungen erhoben, deren Hauptaugenmerk auf Weitsichtigkeit liegt. Darüber können ebenfalls Rückschlüsse auf die Kurzsichtigkeitsrate gezogen werden. Diese Statistiken werden laut Informationen aus dem Bildungsministerium, das hier zuständig ist, jährlich analysiert und veröffentlicht. Kommt es zu Auffälligkeiten bei den schulischen Sehtests, werden die Eltern zum Augenarzt verwiesen und gleichzeitig um Rückmeldung einer ärztlichen Diagnose gebeten. Da diese Rückmeldungen nur unregelmäßig erfolgen, basieren die Zahlen und damit die Entwicklung über die Jahre auf der Anzahl auffälliger Sehtests im Rahmen der Schuluntersuchungen und nicht auf durch die Augenärzte im Anschluss bestätigten Diagnosen. Aufgrund der statistischen Erhebungen lässt sich innerhalb der Altersgruppen keine pauschale Zunahme von Sehstörungen über die letzten Jahre hinweg erkennen. Allerdings nimmt die Häufigkeit von auffälligen Sehtests mit steigendem Alter der Kinder zu.

Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung der Anzahl auffälliger Sehtests, die bei den Untersuchungen seit dem Schuljahr 2020-2021 in der Primar- und Sekundarschule festgestellt wurden: 

 

 

2020-2021

2021-2022

2022-2023

2023-2024

2024-2025

1.PS

30,4 %

24,4 %

26,6 %

22,8 %

23,4 %

3.PS

19,8 %

23,7 %

20,9 %

20,1 %

20,3 %

5.PS

26,2 %

24,4 %

21 %

23, 2 %

24,3 %

1.Sekundar

24 %

26,1 %

26,8 %

27,8 %

28,8 %

3.Sekundar

33,1 %

29,7 %

29 %

27,3 %

28,9 %

5.Sekundar

36,2 %

33,2 %

32,1 %

32,0 %

31,7 %

 

Da die durchgeführten Sehtests von Kaleido nicht mit einer Untersuchung beim Augenarzt gleichzusetzen sind, enthalten die obigen Zahlen auch Auffälligkeiten, welche sich nach der ärztlichen Kontrolle als unbegründet erweisen. 

Kaleido arbeitet sehr eng mit Augenärzten zusammen, zum einen für die gemeinsame Erstellung der Richtlinien für das Screening (Sehtest) und zum anderen für die Verfolgung der Entwicklungen des Sehvermögens. So kann auch für die Deutschsprachige Gemeinschaft die weltweite Tendenz bestätigt werden: Früher wurde Kurzsichtigkeit im Alter von 10 bis 12 Jahre beobachtet, jetzt entwickelt sich die Myopie bereits im Alter von 4 bis 6 Jahren. Sie tritt früher auf und entwickelt sich schneller. 

Weltweit weisen Forschungsarbeiten darauf hin, dass der vermehrte Umgang mit Bildschirmen im Schulalltag und in der Freizeit die Augen stark fordert. Bekommen sie nicht regelmäßig Gelegenheit, sich durch entspanntes Blicken in die Weite zu regenerieren, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich Sehbeeinträchtigungen entwickeln.

Myopie lässt sich in manchen Fällen auf Vererbung zurückführen, doch die Zunahme der Kurzsichtigkeit liegt vor allem an der sich verändernden Lebensweise der Kinder: Sie halten sich weniger im Freien auf, sind daher weniger dem Tageslicht ausgesetzt und nutzen oftmals häufiger und länger Bildschirme.

Kaleido nimmt hier seine Rolle als präventiver Dienst im Rahmen der Beratung von Eltern, Schülern und Schülerinnen wahr. Bereits in der frühkindlichen Beratung weist Kaleido laut Bildungsministerium auf die Wichtigkeit des Spielens draußen im Freien sowie die schädlichen Auswirkungen zu langer Bildschirmzeiten hin. So ist die Empfehlung von Kaleido, dass Kinder von klein an täglich mindestens zwei Stunden im Freien verbringen sollten. Im Rahmen der schulischen Vorsorgeuntersuchungen gibt die Krankenpflegerin individuelle Tipps und klärt über augenschonendes Verhalten, darunter auch die 20-20-20-Regel, angepasstes Licht, angepasster Abstand des Mediums zum Auge usw. auf.

Um noch flächendeckender frühzeitig Beeinträchtigungen des Sehvermögens erkennen zu können, wurde laut Bildungsministerium im letzten Jahr der Einladungsbrief an die Eltern überarbeitet. Die Auswertung der Statistiken, die durch Kaleido durchgeführt wird, ist hierzu allerdings noch nicht abgeschlossen.

Trotz der möglichen Auswirkungen auf das Sehvermögen ist der zunehmende Einsatz digitaler Endgeräte im schulischen Alltag grundsätzlich ein wichtiger Bestandteil zeitgemäßer Bildung. Gleichzeitig ist es aus gesundheitlicher Sicht geboten, mögliche Auswirkungen – insbesondere im Hinblick auf Bildschirmzeit, Lichtverhältnisse und die Entwicklung von Kurzsichtigkeit – angemessen zu berücksichtigen.

Nach aktuellem wissenschaftlichem Stand hängt die Entwicklung von Kurzsichtigkeit weniger allein von der Nutzung digitaler Geräte, sondern vor allem von der Gesamtgestaltung des Alltags ab, hierbei ist insbesondere auf ausreichend Zeit im Freien, regelmäßige Blickwechsel zwischen Nähe und Distanz sowie geeignete Lichtverhältnisse zu achten.

Vor diesem Hintergrund setzt das Bildungsministerium laut eigenen Angaben auf einen ausgewogenen Ansatz: Digitale Medien werden dort eingesetzt, wo sie pädagogisch sinnvoll sind, gleichzeitig wird auf eine abwechslungsreiche Unterrichtsgestaltung geachtet, die auch analoge Lernformen und Bewegung einschließt.

Die konkrete Steuerung der Nutzung im Unterricht obliegt den Schulen und Lehrkräften. Sie berücksichtigen dabei altersgerechte Aspekte, Pausenregelungen sowie ergonomische und didaktische Gesichtspunkte. Ergänzend kommt der Sensibilisierung eine wichtige Rolle zu. Schülerinnen und Schüler werden im Rahmen der Medienbildung zu einem bewussten und gesundheitsförderlichen Umgang mit digitalen Geräten angeleitet.

Auf der Grundlage des Dekrets vom 31. August 1998 über den Auftrag an die Schulträger und das Schulpersonal sowie über die allgemeinen pädagogischen und organisatorischen Bestimmungen für die Regel- und Förderschulen erstellt der Schulträger für seine Primar- und Sekundarschulen Studienprogramme oder Lehrpläne pro Fach. Hierbei enthalten die Lehrpläne laut Bildungsministerium erkennbar die ggf. auch in den Rahmenplänen beschriebenen Schülerkompetenzen. Darüberhinausgehende Kompetenzen werden als Ziele in die entsprechenden Lehrpläne aufgenommen.

Somit entscheiden Schulträger und ihm unterstellt Schulen, welche Schülerkompetenzen in den Lehrplänen festgelegt werden und zukünftig bei Lernenden zu fördern sind. Ebenfalls legt der Schulträger die methodisch-didaktische Vorgehensweise im Rahmen seiner pädagogischen Freiheit fest. 

Das zuständige Bildungsministerium gibt den Prozess durch die Bereitstellung der rechtlichen und pädagogischen Rahmenbedingungen vor. Dabei werden keine detaillierten Vorgaben zur methodisch-didaktischen Umsetzung sowie zu den außerschulischen Aktivitäten und Aktivitäten im Freien als geplante Lerneinheiten außerhalb des Klassenraums gemacht.

Was die Bedeutung von natürlichem Licht im Schulalltag angeht, so wird in den Entwürfen für Schulneubauten laut Bildungsministerium Wert auf die maximale Nutzung von natürlichem Tageslicht hinsichtlich der Fenstergrößen gelegt. Es gilt eine Nachweispflicht über den Anteil von einer Fassade, welche im Bereich von 30-50% nachgewiesen werden muss. Zudem ist im Nachhaltigkeitskatalog verankert, dass mindestens 70% aller Sitzplätze in Klassen- und Lernräumen und Büros sich innerhalb eines horizontalen Abstands von 6m zur Verglasung der Gebäudehülle befinden müssen.

In den Ausschreibungen wurden laut Bildungsministerium folgende Qualitätsmerkmale für die LED-Beleuchtung integriert:

Die LED-Beleuchtung muss folgende Mindestqualitäten erfüllen:

- Lichtausbeute mindestens 100 lm/W
- Brauchbarkeitsdauer der Gesamtleuchte inklusive Vorschaltgerät 50.000 h L70B10 oder besser
- Bei Neubau oder Renovierung muss die Beleuchtung aller Unterrichtsräume Beleuchtungsstärken von mindestens 500 Lux betragen.

Der Farbwiedergabeindex (englisch: Color Rendering Index, kurz CRI) ist der entscheidende Maßstab für die Farbqualität und Natürlichkeit von künstlichem Licht. Dieser Wert, der auf Datenblättern oft als LED CRI Wert oder Referenzindex RA zu finden ist, beschreibt auf einer Skala von 0 bis 100, wie authentisch Farben im Vergleich zum natürlichen Sonnenlicht wiedergegeben werden. Ein hoher CRI-Wert garantiert eine natürliche Wahrnehmung von Farben. RA 100 ist ideal und gilt als Referenzlichtquelle. Hier werden die Farben absolut natürlich wiedergegeben (z. B. Sonne). In den Ausschreibungen wird demnach folgendes verlangt: 

- Index der Farbwiedergabe mindestens RA 90 in allen Räumen für Kinder und Schüler (Innenbeleuchtung) 
- Index Farbwiedergabe mindestens RA 80 in allen weiteren Räumen (Innenbeleuchtung)
- Index Farbwiedergabe mindestens RA 90 in allen weiteren Räumen (Außenbeleuchtung)

Auch spielt die Lichtfarbe eine große Rolle. Die Lichtfarbe, auch Farbtemperatur oder Lichttemperatur genannt, beschreibt die Farbwirkung des Lichts – also, ob es eher warm, neutral oder kühl erscheint. Angegeben wird sie in Kelvin (K). Je niedriger der Wert, desto wärmer wirkt das Licht. 

- Lichtfarbe 3.000 Kelvin in allen Räumen für Kinder und Schüler (Innenbeleuchtung)  warm
- Lichtfarbe 4.000 Kelvin in allen weiteren Räumen (Innenbeleuchtung)  neutral
- Lichtfarbe 3.000 Kelvin (Außenbeleuchtung)  warm

Über 4.000 Kelvin ist ein sehr kaltes, weißes Licht und wird als unangenehm empfunden. 

Außerdem wird gefordert: 

- bei Bürobeleuchtung/Unterrichtsbeleuchtung zusätzlich Farbtoleranz der Chips, 4 Mac Adams Ellipsen oder weniger
- Dimmung der Lichtintensität möglichst über Amplitudendimmung. Bei PWM Dimmung nur Frequenzen oberhalb 400 Hz zulassen. 
- Protokoll für Leuchtensteuerung DALI (Tageslichtsensoren, welche die Lichtstärke automatisch regeln), soweit busgesteuert
- Leuchten sind steckbar auszuführen

Bei Sanierungen wird ebenfalls darauf geachtet, diese Qualitätsmerkmale so gut es geht zu berücksichtigen. 

Zu beachten ist auch, dass neben den Vorteilen des Tageslichts, bei nicht fachgerechter Planung und Ausführung auch Nachteile eintreten können. Blendung und übermäßige Erwärmung durch Sonneneinstrahlung müssen durch geeignete Sonnenschutzvorrichtungen vermieden werden. 

Eine gute Beleuchtung zeichnet sich durch einen ausgewogenen Mix von natürlicher und künstlicher Beleuchtung aus.

Die Europäische Kommission weist darauf hin, dass künstliche Lichtquellen und insbesondere Bildschirmlicht biologische Prozesse wie den Schlaf-Wach-Rhythmus beeinflussen können. Insbesondere kann eine erhöhte Exposition gegenüber Bildschirmlicht die Melatoninproduktion beeinträchtigen und damit den Schlaf negativ beeinflussen.

Aus Sicht der Regierung sind diese Erkenntnisse im Kontext der gesamten Lebensweise von Kindern und Jugendlichen zu betrachten. Entscheidend ist dabei nicht ein einzelner Faktor, sondern das Zusammenspiel verschiedener Einflüsse, insbesondere die Dauer der Bildschirmnutzung, die Nutzung in den Abendstunden sowie ein ausreichender Ausgleich durch Bewegung und Zeit im Freien.

Vor diesem Hintergrund misst die Regierung einem bewussten und altersgerechten Umgang mit digitalen Medien eine zentrale Bedeutung bei.

Was das Thema Blaulicht im Zusammenhang mit Bildschirmnutzung angeht, bestehen derzeit keine spezifischen Empfehlungen zu Blaulichtfiltern oder zur Begrenzung der Bildschirmzeit vor dem Schlafengehen.
Im Rahmen der allgemeinen Gesundheitsförderung und Präventionsarbeit wird jedoch auf einen bewussten und altersgerechten Umgang mit digitalen Medien hingewiesen. Dabei werden insbesondere Aspekte wie eine angepasste Bildschirmnutzung, ausreichende Pausen sowie eine reduzierte Nutzung in den Abendstunden thematisiert.

Diese Sensibilisierung erfolgt unter anderem im Rahmen der Beratungsangebote von Diensten wie Kaleido sowie im schulischen Kontext, für die jeweils der Bildungsminister zuständig ist.

Da die genutzten Schülerlaptops speziell für den Bildungsbereich entwickelt wurden, hat der Hersteller Schutzmaßnahmen gegen HEV-Licht (High-Energy Visible Light), also Blaulicht, integriert.

Bei der Nutzung von Bildschirmen vor allem während der Freizeit ist im Bereich der Gesundheitsvorsorge auch auf die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung zu setzen. Ziel ist es, Eltern und Familien in die Lage zu versetzen, Gesundheitsinformationen zu verstehen, einzuordnen und entsprechende Entscheidungen im Alltag eigenverantwortlich zu treffen.

Diese Kompetenzförderung erfolgt insbesondere über bestehende Strukturen der Gesundheitsprävention. Dazu zählen unter anderem:

- die präventiven Gesundheitsuntersuchungen und Sehscreenings von Kaleido Ostbelgien bei Kindern und Jugendlichen, für die der Bildungsminister zuständig ist;
- die individuelle Beratung von Eltern im Rahmen dieser Vorsorgeuntersuchungen sowie im Rahmen der frühkindlichen Begleitung, insbesondere bei Hausbesuchen im Bereich der 0- bis 3-Jährigen, für die der Bildungsminister zuständig ist;
- Informations- und Sensibilisierungsarbeit zu gesundheitsrelevanten Themen im schulischen Umfeld, für die der Bildungsminister zuständig ist, sowie im Rahmen von Angeboten der Jugendarbeit, für die der Jugendminister zuständig ist;
- allgemeine Maßnahmen der Gesundheitsförderung, die darauf abzielen, das Bewusstsein für gesundheitsrelevante Verhaltensweisen zu stärken.

Diese verschiedenen Maßnahmen tragen dazu bei, die Bevölkerung bei der Entwicklung und Anwendung gesundheitsförderlicher Entscheidungen im Alltag und so auch in der gesunderhaltenden Bildschirmnutzung zu unterstützen.

 

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