Fragen und Antworten

Schriftliche Frage Nr. 132

24. März 2026 – Frage von M. HOFFMANN an Herrn Minister FRECHES zu den Kosten und dem Mehrwert seines Besuchs der Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand-Cortina

An welchem Datum wurde die Dienstreise zu den Olympischen Winterspielen 2026 (Milano Cortina) entschieden?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.


Frage von Marco HOFFMANN (Vivant), vom 23. Februar 2026:

Die Teilnahme ostbelgischer Athletinnen und Athleten an den Olympischen Winterspielen 2026 in Milano Cortina ist für unsere Region sportlich wie symbolisch ein besonderer Moment. Sportliche Leistungen verdienen Anerkennung und Wertschätzung. Mehrere Sportler aus Ostbelgien standen dabei im Fokus der nationalen Delegation.

Öffentlichen Medienberichten zufolge waren auch Sie als zuständiger Minister während der Spiele vor Ort. Der BRF berichtete am 10. Februar 2026 über Ihre Präsenz bei Olympia und ordnete diese in den Kontext der Sportförderung und der Perspektiven für den ostbelgischen Leistungssport ein. Ostbelgien Direkt veröffentlichte am 11. Februar 2026 ebenfalls einen Beitrag zur ostbelgischen Olympia Präsenz, in dem neben den Athleten auch Begleitpersonen bzw. ein Umfeld aus Sport und Institutionen dargestellt wurden.

Grundsätzlich ist es nachvollziehbar, dass politische Repräsentation, Unterstützung der Athletinnen und Athleten sowie Netzwerkarbeit im Sportbereich bei Großereignissen eine Rolle spielen können. Gleichzeitig handelt es sich bei Reisen dieser Art um dienstliche Ausgaben, die in einer angespannten Haushaltslage besonders transparent und nachvollziehbar sein sollten. Das Parlament muss beurteilen können, ob eine Reise im Sinne der Sparsamkeit, Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit gerechtfertigt war, welche Kosten effektiv angefallen sind, ob Drittleistungen eine Rolle spielten und welchen konkreten Mehrwert die Reise für die DG hatte.

Zusätzlich stellt sich die Frage der Verhältnismäßigkeit: War die Entsendung einer Delegation in diesem Umfang zwingend erforderlich, oder wäre eine punktuelle, reduzierte Teilnahme zur Wahrnehmung der wesentlichen dienstlichen Termine ausreichend gewesen. Gerade bei öffentlichkeitswirksamen Reisen muss der Umfang der Teilnahme begründbar sein. Darüber hinaus bedarf es einer lückenlosen Offenlegung sämtlicher Kostenpositionen, nicht nur der unmittelbaren Reisekosten, sondern auch möglicher indirekter Ausgaben wie Unterkunftstandard, Transportlösungen vor Ort, Sicherheitsmaßnahmen, Tagesspesen sowie etwaiger Zusatzvergütungen oder Zeitausgleich für Delegationsmitglieder und gegebenenfalls Kommunikations- oder PR-Maßnahmen. Nur durch eine vollständige Aufstellung lässt sich beurteilen, ob die Reise im Einklang mit den haushaltsrechtlichen Grundsätzen steht. Ohne klare Zieldefinition im Vorfeld und eine nachvollziehbare Evaluierung im Nachgang besteht das Risiko, dass der Besuch vor allem symbolischen Charakter hat, Symbolik allein kann jedoch keine ausreichende Grundlage für den Einsatz öffentlicher Mittel sein.

Hinzu kommt ein Transparenz- und Kontrollaspekt: Bei internationalen Sportgroßveranstaltungen existieren häufig Einladungen, Akkreditierungen, Hospitality Formate und verschiedene Formen von Sachleistungen. Gerade deshalb ist es wichtig, sauber zu dokumentieren, ob und in welchem Umfang Leistungen von Dritten übernommen wurden und wie die Abgrenzung zur Finanzierung durch die DG erfolgte. Nur so lassen sich spätere Missverständnisse oder Zweifel an der korrekten Abwicklung vermeiden.

Vor diesem Hintergrund geht es mit dieser schriftlichen Frage nicht darum, den sportlichen Erfolg zu schmälern oder die Präsenz der DG grundsätzlich in Frage zu stellen. Ziel ist eine vollständige, nachvollziehbare und prüfbare Darstellung von Entscheidungsgrundlage, Delegationsumfang, Finanzierung und Ergebnissen einer konkreten Dienstreise. Insbesondere ist aus unserer Sicht relevant, ob und welche dienstlichen Termine stattfanden, welche Folgeaktivitäten daraus abgeleitet wurden und ob eine formelle Nachbereitung oder Evaluation vorliegt.

Vor diesem Hintergrund bitte ich um Beantwortung der folgenden Fragen:

1.    Entscheidung und Zweck
1.1.    An welchem Datum wurde die Dienstreise zu den Olympischen Winterspielen 2026 (Milano Cortina) entschieden?
1.2.    Wer hat die Reise formell genehmigt (Minister, Ministerrat, Verwaltung)?
1.3.    Welcher konkrete dienstliche Zweck wurde für die Reise festgehalten (bitte kurz darlegen und die entsprechende Referenz, z. B. Vermerk oder Beschluss, angeben)?
2.    Delegation
2.1.    Wie viele Personen reisten als Teil einer offiziellen DG-Delegation mit?
2.2.    Welche Personen (Name, Funktion, Dienststelle bzw. Kabinett) gehörten dazu?
2.3.    Nach welchen Kriterien wurde die Zusammensetzung festgelegt und welche Aufgaben hatten die einzelnen Delegationsmitglieder vor Ort?
3.    Einladung, Akkreditierung und Drittleistungen
3.1.    Lag eine formelle Einladung vor?
Wenn ja: von welcher Institution (z. B. BOIC, Organisationskomitee, Verband) und für welche Programmpunkte?
Wenn nein: wer hat die Initiative zur Teilnahme ergriffen und warum?
3.2.    Welche Leistungen wurden durch Dritte übernommen (z. B. Tickets, Akkreditierungen, Unterkunft, Transport, Hospitality)?
Bitte je Leistung angeben: leistende Stelle, Art der Leistung, geschätzter Wert und etwaige Bedingungen.
4.    Kosten für die DG
4.1.    Wie hoch sind die Gesamtkosten zulasten der DG (Gesamtbetrag und Aufschlüsselung nach Kostenarten: An und Abreise, Unterkunft, Verpflegung/Spesen, Transport vor Ort, Akkreditierungen/Tickets/Hospitality soweit nicht übernommen, Versicherungen, Sicherheitskosten, Kommunikations/PR Ausgaben falls angefallen)?
4.2.    Wurden Überstunden, Zeitausgleich oder zusätzliche Vergütungen für mitreisendes Personal gewährt?
Wenn ja: in welchem Umfang und mit welchen Kostenfolgen?
5.    Haushaltsstelle und Beschaffung
5.1.    Aus welcher Haushaltsstelle bzw. welchen Haushaltsstellen wurden die Ausgaben gedeckt (Artikel/Code)?
5.2.    Welche Dienstleister wurden genutzt (Reisebüro, Unterkunft, Transport etc.) und wie erfolgte die Beauftragung (Rahmenvertrag, Direktvergabe, Vergleichsangebote)?
6.    Ergebnisse und Nachbereitung
6.1.    Welche dienstlichen Termine fanden vor Ort statt (mit wem, Thema, Datum; Kurzliste ausreichend)?
6.2.    Welche konkreten Ergebnisse oder Folgeaktionen wurden daraus abgeleitet (z. B. Vereinbarungen, Förderperspektiven, Projekte, Kontakte)?
6.3.    Wurde eine Nachbereitung/Evaluierung erstellt?
Wenn ja: wann und in welcher Form (Vermerk/Protokoll). Wenn nein: warum nicht?
6.4.    Wie bewertet die Regierung das Verhältnis von Kosten und Nutzen dieser Reise und würde unter vergleichbaren finanziellen Rahmenbedingungen erneut eine Delegation entsandt?


Antwort von Gregor FRECHES (PFF), Minister für Kultur, Erwachsenenbildung, Tourismus, Denkmal- und Landschaftsschutz

Die Entscheidung zur Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand-Cortina erfolgte auf Grundlage einer frühzeitigen Abstimmung zwischen den Sportministern der anderen Teilstaaten, dem Fachbereich Sport und mir, nachdem bereits am 24. Oktober 2024 seitens des Belgischen Olympischen und Interföderalen Komitees (BOIK) angefragt worden war, ob und in welchem Umfang eine Delegation der Deutschsprachigen Gemeinschaft teilnehmen möchte. Die endgültige Entscheidung und Abstimmung mit den anderen belgischen Ministern für Sport sowie dem Belgischen Olympischen Komitee erfolgte am 14. Oktober 2025 anlässlich der Olympischen Plattform in Brüssel. Die konkrete Planung und Vorbereitung der Reise wurden administrativ durch den Fachbereich Sport koordiniert und mir zur Entscheidung vorgelegt. Die formelle Genehmigung der Dienstreise erfolgte im Rahmen der üblichen Zuständigkeitsverteilung durch mich als zuständigen Fachminister auf Basis der vorliegenden fachlichen Vorbereitung.

Der dienstliche Zweck der Reise lag in der politischen Repräsentation der Deutschsprachigen Gemeinschaft im Rahmen ihrer Wortführerschaft für den Sport bei der Europäischen Union, sowie in der Pflege und dem Ausbau von Kontakten zu nationalen und internationalen Sportinstitutionen. Bei den Olympischen Winterspielen in diesem Jahr hatte sich eine 30-köpfige Delegation von Sportlerinnen und Sportlern qualifiziert. Noch nie hatte Belgien so viele Athletinnen und Athleten zu den Olympischen Winterspielen entsandt. Hinzu kam, dass drei Biathleten aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft immerhin rund 10 % der Delegation ausmachten. Dabei stand insbesondere die Präsenz bei Wettkämpfen mit ostbelgischer Beteiligung im Vordergrund.

In diesem Zusammenhang galt die besondere Aufmerksamkeit auch Persönlichkeiten wie Peter Thomé, einem der prägenden Akteure des belgischen Biathlons, der als Gründungsfigur des Verbandes und langjähriger Wegbereiter der Sportart mit 74 Jahren als Volunteer vor Ort im Einsatz war. Sein außergewöhnliches Engagement und seine jahrzehntelange Aufbauarbeit stehen exemplarisch für die nachhaltige Entwicklung des Biathlons in Belgien und verdienen besondere Anerkennung. Ergänzend diente die Teilnahme der strategischen Positionierung der DG im Kontext des Leistungssports sowie dem Austausch mit dem BOIK und weiteren Partnern über zukünftige Förder- und Kooperationsperspektiven.

Im Rahmen des Aufenthalts nahm ich eine Vielzahl dienstlicher Termine wahr. Dazu zählten unter anderem die Teilnahme an der offiziellen Pressekonferenz des Belgischen Olympischen und Interföderalen Komitees zu Beginn der Spiele und ein Empfang der italienischen Regierung, bei dem Gespräche mit internationalen Partnern, darunter Delegationsvertretern aus Liechtenstein, Deutschland und Luxemburg, geführt wurden.

Darüber hinaus fanden Begegnungen mit hochrangigen Repräsentanten, unter anderem dem Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Herrn Frank-Walter Steinmeier, und der Präsidenten der Generalversammlung der Vereinten Nationen, Frau Annalena Baerbock statt.

Ergänzend wurden Gespräche mit politischen Verantwortungsträgern geführt, darunter auch Begegnungen mit hochrangigen staatlichen Repräsentanten sowie Ministern, die neben dem Sportbereich Zuständigkeiten im Tourismus wahrnehmen. Diese Kontakte wurden gezielt genutzt, um Schnittstellen zwischen Sport- und Tourismuspolitik sowie internationale Vernetzungsmöglichkeiten für die Deutschsprachige Gemeinschaft auszuloten.

Am Rande der Wettkämpfe konnte zudem ein Austausch mit Verantwortlichen anderer nationaler olympischer Komitees erfolgen. Ergänzend wurden Wettkämpfe mit ostbelgischer Beteiligung besucht, Kontakte zu Athleten gepflegt sowie das Olympische Dorf besichtigt. Auch informelle Austauschformate vor Ort wurden genutzt, um bestehende Kontakte zu vertiefen und neue Kooperationsansätze zu identifizieren.

Die offizielle Delegation der Deutschsprachigen Gemeinschaft umfasste insgesamt vier Personen. Aus datenschutzrechtlichen Gründen wird auf eine namentliche Auflistung verzichtet; vertreten waren der zuständige Minister, ein Fachbereichsleiter, ein Referent im Bereich Sport sowie ein Berater. Diese Zusammensetzung entsprach einer funktionalen Minimalbesetzung zur Wahrnehmung politischer, fachlicher und kommunikativer Aufgaben vor Ort. Die Kriterien für die Zusammensetzung orientierten sich an den jeweiligen Zuständigkeiten: politische Repräsentation, fachliche Begleitung, organisatorische Koordination sowie mediale Berichterstattung.

Der Teilnahme lag eine formelle Anfrage des BOIK zugrunde, die im Vorfeld der Spiele an den Fachbereich gerichtet wurde und sich insbesondere auf die Planung von Ticketkontingenten und die Organisation der Delegation bezog. Darüber hinaus erfolgte die Teilnahme im Rahmen der offiziellen Akkreditierung der Delegation durch das BOIK. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit wurden einzelne Leistungen koordiniert. So war vorgesehen, dass für Teile des Aufenthalts, insbesondere die erste Nacht in Mailand sowie weitere Unterkünfte, Lösungen in Abstimmung mit dem Organisationsumfeld der Spiele gefunden werden. Darüber hinaus wurden Reise- und Unterkunftsleistungen eigenständig durch die Deutschsprachige Gemeinschaft organisiert und finanziert. Eine vollständige Übernahme sämtlicher Leistungen durch Dritte lag nicht vor.

Die Gesamtkosten zulasten der Deutschsprachigen Gemeinschaft setzen sich im Wesentlichen aus Unterkunfts- und Organisationskosten zusammen. Für die Unterbringung und Reiseorganisation wurde ein Gesamtbetrag von 2.441,50 EUR veranschlagt. Ergänzend fielen Kosten für eine Übernachtung in Höhe von 374,50 EUR an. Die An- und Abreise erfolgte durch den Minister eigenständig mit dem dienstlichen Fahrzeug ohne zusätzliche Transportdienstleistungen. Auch die Mobilität vor Ort wurde vollständig mit dem Fahrzeug des Ministers sichergestellt, sodass keine zusätzlichen Transportkosten angefallen sind. Kosten für Verpflegung und Spesen bewegten sich im Rahmen der geltenden dienstrechtlichen Bestimmungen. Weitere Kostenpositionen, insbesondere für externe Transportleistungen oder zusätzliche logistische Dienstleistungen, sind nicht angefallen.

Die Ausgaben wurden über die zuständigen Haushaltsmittel des Fachbereichs Sport abgewickelt. Die Finanzierung erfolgte konkret über den Haushaltsposten 40.16.12.11. Die Beauftragung der Leistungen erfolgte über ein regionales Reisebüro im Rahmen der üblichen administrativen Verfahren und auf Grundlage entsprechender Angebote. Die vor Ort angefallenen Kosten, etwa für Verpflegung oder Treibstoff, wurden gemäß der geltenden Spesenregelung für Regierung und Ministerium abgerechnet.

Als konkrete Ergebnisse der Teilnahme sind insbesondere die Vertiefung bestehender Kontakte zum BOIK sowie zu weiteren nationalen und internationalen Sportakteuren, die Stärkung der institutionellen Rolle der Deutschsprachigen Gemeinschaft innerhalb der belgischen Olympiadelegation sowie die Anbahnung weiterer Kooperationen im Sportbereich zu nennen. Hervorzuheben ist zudem die besondere sportliche Situation, dass erstmals drei Athletinnen und Athleten mit Bezug zur Deutschsprachigen Gemeinschaft Teil der belgischen Olympiadelegation waren, was einem signifikanten Anteil innerhalb der Delegation entspricht und die Relevanz der politischen Präsenz vor Ort zusätzlich unterstreicht.

Die Teilnahme ermöglichte darüber hinaus eine aktive Einbindung der Deutschsprachigen Gemeinschaft in das Umfeld der offiziellen belgischen Delegation, zu der auch Vertreter der anderen Gemeinschaften als „Elite Sports Partners Officials“ zählen. Die Nachbereitung erfolgt im Rahmen der bestehenden Abstimmungsstrukturen zwischen den zuständigen Sportministern und dem BOIK, insbesondere in der sogenannten ABCD-Kommission sowie im Rahmen der nächsten Olympischen Plattform.

In der Gesamtbewertung ist festzuhalten, dass die Reise unter Berücksichtigung von Kosten, Zweckmäßigkeit und erzieltem Nutzen als verhältnismäßig und gerechtfertigt einzustufen ist. Die Teilnahme an einem internationalen Sportgroßereignis mit unmittelbarem Bezug zu ostbelgischen Athleten sowie zur Positionierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft im belgischen und internationalen Sportkontext stellt einen legitimen Bestandteil der Sportpolitik dar.

 

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