Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 361

19. März 2026 – Frage von F. WERTZ an Herrn Minister FRANSSEN zur Integration von Lebens- und Gesundheitskompetenzen sowie ökonomischen Kompetenzen in den Bildungszentren der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens

Wie werden die Lebens- und Gesundheitskompetenzen der WHO, wie erwähnt in der Bildungsvision 2040, bereits heute konkret in den Rahmenplänen umgesetzt?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.


Frage von Frederik WERTZ (PFF), vom 19. März 2026:

Die Bildungsvision 2040 sieht für unsere Gemeinschaft das Ziel vor, dass jede Unterrichtseinrichtung einen gesellschaftlichen Auftrag erfüllen soll. Dies ist klar, denn Schulen stehen bereits heute für die qualitätsvolle Ausbildung unserer Zukunft, also der unserer Kinder und Jugendlichen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Bildungsvision zur Gestaltung eben dieser Zukunft einen Schritt weitergeht, indem sie die zehn Lebens- und Gesundheitskompetenzen der WHO integriert.

Zu diesen Lebens- und Gesundheitskompetenzen gehören auch die politisch-demokratische Kompetenz, die berufliche Orientierung sowie die ökonomische Kompetenz. In der der Bildungsvision vorausgehenden Online-Umfrage des VDI-Technologiezentrums aus dem Jahr 2023/2024 hielten die Forschenden allerdings fest, dass gerade diese Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern der Sekundarschule als nicht ausreichend in der Vorbereitung auf das Leben bewertet wurden.

Vor allem die ökonomische Kompetenz, die unter anderem das Handeln in der Wirtschaft sowie die Vermittlung des Umgangs mit Finanzen und Rechtsdokumenten umfasst, wird nicht in jeder Studienrichtung vermittelt. Oftmals muss dazu nämlich bei Interesse die passende Abteilung, wie beispielsweise Wirtschaftswissenschaften, gewählt werden. 

Da die Vermittlung eben jener wirtschaftlichen Kompetenzen jedoch immer mehr an Bedeutung gewinnt, erlaube ich mir, Ihnen folgende Fragen zu stellen:

1.    Wie werden die Lebens- und Gesundheitskompetenzen der WHO, wie erwähnt in der Bildungsvision 2040, bereits heute konkret in den Rahmenplänen umgesetzt?
2.    In welchem Rahmen soll die ökonomische Kompetenz in Zukunft vermittelt werden?
3.    Welche Herausforderungen sehen Sie für das ostbelgische Bildungswesen bei der Vermittlung der obengenannten Kompetenzen? 


Antwort von Jérôme FRANSSEN (CSP), Minister für Unterricht, Ausbildung und Beschäftigung

Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
Sehr geehrter Herr Wertz,
Werte Kolleginnen und Kollegen,

die Bildungsvision 2040 verfolgt das Ziel, Schule konsequent ganzheitlich zu denken. Es geht darum, nicht nur Fachwissen zu vermitteln, sondern umfassende Kompetenzen für Gesellschaft und Beruf zu entwickeln.

Ein Teil der von der WHO definierten Lebens- und Gesundheitskompetenzen – wie Selbstwahrnehmung, Stressbewältigung oder Kommunikationsfähigkeit – sind bereits heute in den geltenden Rahmenplänen und pädagogischen Referenztexten verankert. Sie werden im Unterricht konkret gelebt und angewendet.

Auch die politisch-demokratische Kompetenz und die berufliche Orientierung sind fester Bestandteil schulischer Praxis. Demokratisches Verständnis und kritisches Denken werden im Unterricht, durch Mitbestimmung im Schulalltag sowie projektorientiertes Lernen gefördert und gefordert. Die berufliche Orientierung wird gezielt durch Praktika, Berufsberatung und schulische Projekte unterstützt.

Im Zuge der Weiterentwicklung der Rahmenpläne werden diese fächerübergreifenden Kompetenzen noch klarer strukturiert und verbindlicher verankert, mit dem Ziel, Schülerinnen und Schüler bestmöglich auf ein selbstbestimmtes Leben vorzubereiten.

Die ökonomische Kompetenz ist dabei ausdrücklich mitgedacht. Sie wird bereits heute in verschiedenen Fächern und Projekten wie den Mini-Unternehmen, Be Your Boss sowie Holz ohne Grenzen vermittelt und kann in entsprechenden Studienrichtungen, vor allem im Bereich Wirtschaftswissenschaften vertieft werden. Im Zuge der Rahmenplanreform wird geprüft, inwieweit essenzielle Kompetenzen aus diesen Bereichen im Rahmen der bestehenden Fächer oder anderer fächerübergreifender Kompetenzbereiche gefördert werden können. Dabei ist mir wichtig, darauf hinzuweisen, dass wir nicht auf die noch anstehende Ausarbeitung der Teile des Rahmenplans in den zuständigen Arbeitsgruppen vorgreifen sollten. 

Die zentrale Herausforderung besteht darin, neue und wichtige Kompetenzen sichtbar zu stärken, ohne die schulischen Inhalte zu überladen. Unser Ansatz ist klar: Qualität vor Quantität. Die bestehenden Kompetenzen sollen weiterentwickelt, besser verankert und für die Lernenden nachhaltig erfahrbar gemacht werden.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

 

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