Fragen und Antworten

Schriftliche Frage Nr. 178

04. September 2026 – Frage von Herr M. HENN an Herrn Minister FRECHES als Nachfrage zum Einsatz künstlicher Intelligenz in der Vermarktung Ostbelgiens als Reiseziel

Werden bei der Bewerbung Ostbelgiens als Tourismusregion Hilfsmittel wie Suchmaschinenoptimierung (SEO) oder Suchmaschinenwerbung (SEA) eingesetzt, um Reiseplanungen KI-unterstützt zu erleichtern oder Zielgruppen zu erreichen?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.


Frage von Marcel HENN (CSP), vom 04. August 2026:

Die Digitalisierung und die Folgen der Corona-Pandemie haben die Rolle klassischer Reisebüros grundlegend verändert. Statt sich auf die reine Buchung von Flügen und Hotels zu beschränken, verstehen sich viele Reisebüros heute als persönliche Reiseberater, die ihre Kunden individuell begleiten und auch nach der Buchung unterstützen.

Künstliche Intelligenz spielt dabei eine zunehmend größere Rolle. Laut einer aktuellen Erhebung von Europ-Assistance nutzen bereits 22 Prozent der Belgier KI-Anwendungen, um ihre Reisen zu planen oder zu buchen – fünf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Die Technologie erleichtert die Recherche, liefert Reiseideen und kann bei der Vorbereitung wertvolle Unterstützung bieten.

Dennoch sehen Branchenvertreter deutliche Grenzen. KI-generierte Reisevorschläge seien häufig nicht ausreichend auf die Realität abgestimmt. So könnten Reiserouten zwar auf den ersten Blick attraktiv erscheinen, in der Praxis jedoch aufgrund unrealistischer Entfernungen oder logistischer Probleme kaum umsetzbar sein.

Insgesamt zeigt sich, dass KI die Reiseplanung sinnvoll ergänzen kann, insbesondere bei der ersten Orientierung und Informationssuche. Für komplexe Reisen, individuelle Beratung und die Betreuung bei unvorhergesehenen Problemen bleibt die Expertise erfahrener Reiseberater jedoch ein entscheidender Mehrwert.

Hierzu meine Fragen:

1.    Werden bei der Bewerbung Ostbelgiens als Tourismusregion Hilfsmittel wie Suchmaschinenoptimierung (SEO) oder Suchmaschinenwerbung (SEA) eingesetzt, um Reiseplanungen KI-unterstützt zu erleichtern oder Zielgruppen zu erreichen?
2.    Werden ostbelgische Reiseanbieter und hiesige Anbieter von Unterkünften in ihrer Ausbildung oder durch Weiterbildungen mit diesen Techniken vertraut gemacht?
3.    Gibt es Echos von Verbrauchern und Anbietern hinsichtlich der Nutzung KI-unterstützter Reiseplanung in Ostbelgien?
4.    Wie bewertet die Regierung den zunehmenden Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Reiseplanung und im Tourismus?
5.    Welche Chancen sieht die Regierung darin, künstliche Intelligenz zur Bewerbung unserer Region als Reiseziel einzusetzen, etwa durch personalisierte Reisevorschläge oder digitale Informationsangebote?


Antwort von Gregor FRECHES (PFF), Minister für Kultur, Erwachsenenbildung, Tourismus, Denkmal- und Landschaftsschutz:

1.    Werden bei der Bewerbung Ostbelgiens als Tourismusregion Hilfsmittel wie Suchmaschinenoptimierung (SEO)3 oder Suchmaschinenwerbung (SEA)4 eingesetzt, um Reiseplanungen KI-unterstützt zu erleichtern oder Zielgruppen zu erreichen?

Ja. Die Tourismusagentur Ostbelgien (TAO) hat ihre digitalen Inhalte und Webauftritte in den vergangenen Jahren kontinuierlich für Suchmaschinen optimiert (SEO). Ziel dieser Maßnahmen ist es, die Sichtbarkeit Ostbelgiens als Reiseziel in den organischen Suchergebnissen zu verbessern und potenzielle Besucherinnen und Besucher gezielt zu erreichen. Darüber hinaus setzt die TAO Suchmaschinenwerbung (SEA), insbesondere über Google Ads, als festen Bestandteil ihres Marketings ein. Ergänzend werden Werbekampagnen über soziale Netzwerke wie Facebook und Instagram durchgeführt.

Mit Blick auf die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz geht die TAO inzwischen einen Schritt weiter und optimiert ihre Inhalte verstärkt im Sinne der sogenannten „Generative Engine Optimization“ (GEO). Dabei werden Informationen so strukturiert und aufbereitet, dass sie von KI-gestützten Such- und Assistenzsystemen möglichst gut gelesen, verstanden und verarbeitet werden können. Die technischen Voraussetzungen hierfür sind aufwändiger als bei der klassischen Stichwortsuche. Insbesondere die Webseite und die dahinterliegende Datenbank müssen den Anforderungen KI-gestützter Systeme entsprechend aufbereitet werden. Die TAO hat diesen Prozess bereits aufgenommen.

Ein wichtiges Element der KI-unterstützten Reiseplanung ist zudem Social Media. Die TAO ist in diesem Bereich bereits aktiv und hat ihr Social-Media-Team in den vergangenen Monaten ausgebaut. Ziel ist es, auch in künftig stärker KI-basierten Reise- und Informationsprozessen sichtbar zu bleiben und potenzielle Besucherinnen und Besucher gezielt zu erreichen.

2.    Werden ostbelgische Reiseanbieter und hiesige Anbieter von Unterkünften in ihrer Ausbildung oder durch Weiterbildungen mit diesen Techniken vertraut gemacht?

Die Tourismusagentur Ostbelgien informiert ihre Mitglieder und Partner fortlaufend über aktuelle Entwicklungen im Bereich Digitalisierung und künstliche Intelligenz. Entsprechende Weiterbildungs- und Informationsangebote wurden bereits durchgeführt. Dazu wurden auch Informationsbeiträge veröffentlicht, die einen praxisnahen Einstieg in die Nutzung von KI ermöglichen und auf aktuelle rechtliche Rahmenbedingungen hinweisen. Darüber hinaus werden entsprechende Themen regelmäßig im Rahmen von Netzwerk- und Informationsveranstaltungen aufgegriffen.

Um KI jedoch umfassend für den eigenen Betrieb nutzen zu können, sind intensivere Schulungen erforderlich. Die Deutschsprachige Gemeinschaft steht hierzu in Kontakt mit der Mittelstandsvereinigung, die bereits eine erste erfolgreiche Schulungsreihe organisiert hat. Bei der nächsten Schulungsreihe sollen auch die registrierten Unterkunftsbetriebe eine Einladung erhalten.

Damit erhalten touristische Akteure die Möglichkeit, sich mit den Chancen und Herausforderungen der neuen Technologien vertraut zu machen und deren Potenziale für ihre eigene Arbeit auszuloten. Die Resonanz auf solche Angebote bleibt abzuwarten: Einerseits ist den Akteuren bewusst, dass künstliche Intelligenz ein wichtiges Thema und künftig eine Kernkompetenz sein wird. Andererseits gibt es zahlreiche nebenberufliche Betreiber von Unterkünften, für die es schwierig sein kann, zeitintensivere Schulungen mit ihrer hauptberuflichen Tätigkeit zu verbinden.

3.    Gibt es Echos von Verbrauchern und Anbietern hinsichtlich der Nutzung KI-unterstützter Reiseplanung in Ostbelgien?

Es gibt keine strukturierte Befragung zu dem Thema für Ostbelgien. Aber die Branche ist sich europaweit einig, dass 40 bis 50 Prozent europäischer Reisender die KI für ihre Reiseplanung nutzen (Quelle u. a.: Europe Consumer Travel Report 2026: Phocuswright). Genutzt wird die KI vor allem für Inspiration, aber auch konkrete Routen- und Reiseplan-Erstellung oder für einen Preisvergleich.

4.    Wie bewertet die Regierung den zunehmenden Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Reiseplanung und im Tourismus?

Das ist ein Vorteil für Destinationen wie Ostbelgien. Denn die KI listet Destinationen auf, an die die Nutzer in den meisten Fällen gar nicht gedacht haben. Für eine Hotelbuchung in Barcelona oder Paris braucht man keine KI – für unbekanntere Ziele, die aber genau das bieten, was man sucht, ist die KI eine gute Hilfe. Für kleine Destinationen also eine Chance.

Allerdings haben die vergangenen Wochen auch gezeigt, dass eine Reisebuchung über ein Reisebüro gerade mit Blick auf Katastrophen wie Waldbrände Sicherheiten bietet, die eine individuell geplante Reise mit der KI nicht bieten kann. Denn die Reisebüros können auch kurzfristig Alternativen bieten, organisieren Rückreisen oder stellen wichtige Ansprechpartner – auch vor Ort.

Kurzum: Die KI für Reiseplanung wird breit genutzt, daher muss Ostbelgien daran arbeiten, von der KI gefunden zu werden. Aber viele Reisende wissen auch den Service und den Verbraucherschutz der Reisebüros zu schätzen. Beides hat also seine Berechtigung und der Verbraucher die Wahl.

5.    Welche Chancen sieht die Regierung darin, künstliche Intelligenz zur Bewerbung unserer Region als Reiseziel einzusetzen, etwa durch personalisierte Reisevorschläge oder digitale Informationsangebote?

Digitale Informationsangebote haben wir heute bereits, aber wir sollten sie weiter ausbauen. Die Regierung plant daher digitale Informationssäulen an touristisch relevanten Orten, wie etwa den beiden Drei-Länder-Punkten oder unseren wichtigsten Burgen. Ziel der Informationssäulen ist zum einen eine touristische Grundinformation über die Destination via der Webseite der TAO, aber auch lokal relevante Informationen und vor allem Tipps zu Sehenswürdigkeiten, Veranstaltungen oder Wanderrouten direkt vor Ort oder ganz in der Nähe.

Wir haben in unseren Gemeinden mehr zu bieten, als viele Touristen auf den ersten Blick sehen können. Das sollten wir sichtbar machen. So kann eine Informationssäule in Rocherath auf den Hasselpath verweisen oder eine Informationssäule am Drei-Länder-Punkt im Norden auf Kelmis, seine einzigartige Geschichte und das Museum “Vieille Montagne”. Im Sinne der “Erlebnisqualität” sollen unsere Gäste mehr erleben, als sie erwartet haben.

Personalisierte Angebote müssen vor allem für Aktivitäten in Ostbelgien möglich werden. Viele Informationen sind bereits auf der Webseite der TAO zu finden, müssen aber immer noch selbst gefunden werden. Hier kann die Nutzerführung verbessert werden – mit oder ohne KI.

 

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