Schriftliche Frage Nr. 150 22. Mai 2026 – Frage von Herr M. HOFFMANN an Herrn Minister FRECHES zur Sportentwicklungsstudie Wie stellen Sie sicher, dass bei den Umfragen wirklich alle Bevölkerungsgruppen erreicht werden, auch die französischsprachigen im Norden der DG? Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. Frage von Marco HOFFMANN (Vivant), vom 16. April 2026: Am 14.04.2026 wurde uns im Ausschuss 2 die Sportentwicklungsstudie vorgestellt. Grundlage der Studie sind Umfragen bei Vereinen, Sportlern, Ehrenamtlichen, Schülern und Privatpersonen. Die Studie wurde jedoch nur in deutscher Sprache beauftragt. Gerade im Norden der DG gibt es aber viele französischsprachige Schüler sowie Privatpersonen. Mehrere Grundschulklassen werden überwiegend auf Französisch unterrichtet. Damit stellt sich klar die Frage, ob diese Menschen überhaupt richtig erreicht und einbezogen werden. Ein zentraler Punkt der Studie ist die Prüfung der Auslastung unserer Sportstätten. Hallen, Plätze und insbesondere Kunstrasenplätze sollen stärker ausgelastet werden und bei Bedarf auch für andere Sportarten geöffnet werden. Grundsätzlich ist eine gute Nutzung sinnvoll. Man darf aber nicht ausblenden, dass viele dieser Anlagen gezielt für bestimmte Sportarten geplant, gebaut und mit öffentlichen Mitteln bezuschusst wurden. Dazu kommt ein weiterer wichtiger Punkt. Ein großer Teil dieser Infrastrukturen ist nicht nur mit Geld entstanden, sondern auch durch den Einsatz von Ehrenamtlichen. Menschen, die ihren Sport leben, ihre Freizeit geopfert haben und beim Bau, bei der Organisation oder beim Unterhalt mit angepackt haben. Wenn solche Anlagen nun einfach für andere Zwecke genutzt werden, entsteht bei vielen der Eindruck, dass genau dieses Engagement übergangen wird. Parallel dazu sehen wir schon heute ein klares Problem. Viele heimische Vereine finden nicht mehr genug Sportler. Im Mannschaftssport ist die Lage teilweise so schwierig, dass Vereine trotz eigener und bezuschusster Infrastruktur fusionieren mussten, um überhaupt noch Teams stellen zu können. Das zeigt deutlich, wie angespannt die Situation bereits ist. Wenn nun zusätzlich verstärkt auf Breitensport gesetzt wird und weitere neue sowie sogenannte Trendsportarten gefördert werden, verschärft sich diese Lage weiter. Die vorhandenen Sportler verteilen sich auf noch mehr Angebote. Für die bestehenden Mannschaftssportarten bedeutet das konkret weniger Spieler, weniger Teams und langfristig ein weiteres Ausdünnen der Vereinslandschaft. Bislang hing diese Entwicklung vor allem mit den Geburtenzahlen und einem geringen Zuwachs an anderen Sportarten zusammen. Das war bisher noch einigermaßen tragbar. Wenn jetzt aber aktiv weitere Angebote geschaffen werden, droht ein Punkt erreicht zu werden, an dem die bestehenden Strukturen nicht mehr stabil gehalten werden können. Hierzu meine Fragen an die Regierung: 1. Wie stellen Sie sicher, dass bei den Umfragen wirklich alle Bevölkerungsgruppen erreicht werden, auch die französischsprachigen im Norden der DG? 2. Wurde die Zweisprachigkeit insbesondere einiger DG Nord Gemeinden der Ausschreibung und späteren Beauftragung der Studie bewusst nicht berücksichtigt? 3. Wie bewerten Sie die Aussagekraft einer Studie, die nur in einer Sprache durchgeführt wird? 4. Wer legt fest, wann eine Anlage als ausreichend genutzt gilt? 5. Welche Priorität haben die Vereine, für die diese Anlagen ursprünglich gebaut wurden? 6. Wie berücksichtigen Sie die Tatsache, dass viele Anlagen gezielt für bestimmte Sportarten geplant und bezuschusst wurden? 7. Wie gehen Sie mit dem Engagement der Ehrenamtlichen um, die diese Infrastrukturen mit aufgebaut haben? 8. Wie stellen Sie sicher, dass dieses Engagement nicht einfach übergangen wird? 9. Wie bewerten Sie die aktuelle Situation im Mannschaftssport mit Blick auf fehlende Spieler? 10. Wie viele Vereine mussten in den letzten Jahren fusionieren, um bestehen zu können? 11. Welche Folgen erwarten Sie, wenn zusätzliche Sportarten weiter gefördert werden? 12. Wie verhindern Sie, dass sich die vorhandenen Sportler immer weiter aufteilen? 13. Welche Maßnahmen planen Sie, um bestehende Vereine gezielt zu stärken? 14. Wie stellen Sie sicher, dass Breitensport nicht zulasten des organisierten Vereinssports geht? 15. Welche Rolle spielen Geburtenzahlen bei der Bewertung der zukünftigen Sportentwicklung? Antwort von Gregor FRECHES (PFF), Minister für Kultur, Erwachsenenbildung, Tourismus, Denkmal- und Landschaftsschutz Ich beantworte die Fragen zusammenhängend wie folgt: Zunächst ist festzuhalten, dass die vorliegende Fragestellung eine Reihe unterschiedlicher Themenbereiche miteinander verknüpft, die weder sachlich noch in ihrer Zuständigkeit deckungsgleich sind. Methodische Fragen zur Durchführung einer Studie, Fragen der kommunalen Infrastrukturplanung, strukturelle Entwicklungen im Mannschaftssport sowie gesellschaftliche Trends im Freizeitverhalten werden hier in einen direkten Zusammenhang gestellt, der so in der Realität nicht besteht. Für eine sachgerechte Bewertung ist es daher notwendig, diese Punkte voneinander zu trennen und jeweils korrekt einzuordnen. Ergänzend weise ich darauf hin, dass diese Fragen selbstverständlich auch im Rahmen der Ausschusssitzung vom 14. April 2026 hätten gestellt werden können, in der die Sportentwicklungsstudie ausführlich vorgestellt und erläutert wurde. Gerade dort bestand die Möglichkeit, methodische und inhaltliche Punkte unmittelbar zu klären. Die Sportentwicklungsstudie verfolgt ein klar umrissenes Ziel: Sie soll eine belastbare, möglichst vollständige Datengrundlage schaffen. Sie ist damit kein Einzelprojekt, sondern ein zentrales strategisches Instrument, um den Sport in der Deutschsprachigen Gemeinschaft systematisch, faktenbasiert und vorausschauend weiterzuentwickeln. Genau deshalb wurde die Befragung bewusst breit angelegt. Sportvereine und Fachverbände werden vollständig erfasst, um ihre konkrete Situation präzise abzubilden. Kinder und Jugendliche werden im schulischen Rahmen erreicht – also dort, wo eine hohe und verlässliche Teilnahme sichergestellt ist. Für die erwachsene Bevölkerung wird eine offene Befragung zur Verfügung gestellt, die breit zugänglich gemacht wird. Dieser mehrstufige Ansatz ist methodisch üblich und darauf ausgelegt, eine hohe Beteiligung zu gewährleisten. Die sprachliche Dimension wurde dabei berücksichtigt. Die Übersetzung der Bevölkerungsbefragung wurde geprüft und ist beauftragt. Gleichzeitig ist es sachlich nicht haltbar, die Aussagekraft einer Studie pauschal daran zu knüpfen, ob sie initial in mehreren Sprachen vorliegt. Wir befinden uns in einer mehrheitlich deutschsprachigen und zugleich mehrsprachigen Region. Entscheidend für die Qualität der Ergebnisse ist die tatsächliche Teilnahme der relevanten Gruppen – und diese wird durch die gewählte Methodik sichergestellt. Wer an dieser Stelle den Eindruck erweckt, ganze Bevölkerungsgruppen würden systematisch ausgeschlossen, verkennt die Funktionsweise solcher Erhebungen oder vermischt bewusst Einzelfragen mit Grundsatzkritik. Zur Frage der Auslastung von Sportinfrastrukturen ist klarzustellen: Die Studie erhebt Daten, sie trifft keine Entscheidungen. Ziel ist es, Transparenz zu schaffen und den Gemeinden eine fundierte Grundlage für ihre Planung zu liefern. Die Zuständigkeit für Bau, Betrieb und konkrete Nutzung von Anlagen liegt weiterhin bei den Gemeinden beziehungsweise bei den jeweiligen Trägern. Es wird keine zentrale Festlegung geben, wann eine Anlage „ausreichend genutzt“ ist oder wie sie konkret verwendet werden muss. Diese Unterstellung steht in keinem Zusammenhang mit dem tatsächlichen Auftrag der Studie. In gleicher Weise ist die Annahme, bestehende Vereine könnten durch eine „Öffnung“ von Anlagen verdrängt werden, nicht zutreffend. Die Studie verfolgt ausdrücklich nicht das Ziel, Nutzungen neu zu verteilen. Sie dient dazu, Möglichkeiten zu identifizieren, die Rahmenbedingungen insgesamt zu verbessern. Die historisch gewachsene Nutzung, die Zweckbindung von Infrastrukturen sowie das Engagement der Ehrenamtlichen sind dabei zentrale Faktoren. Entscheidungen über konkrete Nutzungen werden auch künftig vor Ort und im Dialog mit den betroffenen Akteuren getroffen. Wer hier einen Gegensatz konstruiert, wo keiner angelegt ist, beschreibt nicht die Studie, sondern ein hypothetisches Szenario. Die Situation im Mannschaftssport ist ohne Zweifel eine Herausforderung. Rückläufige Mitgliederzahlen und punktuelle Fusionen sind Ausdruck struktureller Entwicklungen, die sich nicht auf einen einzelnen Auslöser zurückführen lassen. Konkrete, valide und vollständige Zahlen zu Vereinsfusionen liegen derzeit nicht zentralisiert vor und sind Gegenstand der laufenden Analyse im Rahmen der Studie. Genau deshalb ist es notwendig, diese Entwicklungen differenziert zu analysieren. Gerade hierin liegt der Mehrwert der vorliegenden Studie: Sie ersetzt punktuelle Wahrnehmungen durch eine systematische Gesamtsicht und schafft damit erstmals die Voraussetzung für gezielte und wirksame Maßnahmen. Die Studie greift dabei unter anderem auf das international etablierte Konzept der langfristigen Sportentwicklung zurück, das belegt, dass ein erheblicher Anteil der Jugendlichen den organisierten Sport frühzeitig verlässt. Wer diesen Befund ernst nimmt, erkennt, dass die eigentliche Herausforderung nicht in der Existenz zusätzlicher Sportangebote liegt, sondern in der langfristigen Bindung von Menschen an den Sport insgesamt. Dabei ist es wichtig, auch die Entwicklung von Vereinsfusionen differenziert zu betrachten. Fusionen sind nicht automatisch Ausdruck eines Scheiterns oder einer Schwächung des Sports. In vielen Fällen ermöglichen sie vielmehr, sportliche Angebote langfristig aufrechtzuerhalten, Ressourcen zu bündeln und weiterhin konkurrenzfähige Mannschaften zu stellen. Sie können dazu beitragen, ehrenamtliche Strukturen zu stabilisieren, Nachwuchsarbeit zu sichern und Vereinen neue Perspektiven zu eröffnen. Gerade im ländlichen Raum kann eine Zusammenarbeit oder Fusion zwischen Vereinen ein sinnvoller und verantwortungsvoller Weg sein, um sportliche Aktivitäten dauerhaft zu erhalten. Eine pauschal negative Bewertung solcher Entwicklungen greift daher zu kurz. Die These, dass neue oder zusätzliche Sportangebote zwangsläufig zu einer weiteren „Aufsplitterung“ führen, greift außerdem zu kurz. Sportliche Interessen entwickeln sich unabhängig davon, ob die Politik diese aktiv begleitet oder nicht. Es wäre weder realistisch noch sinnvoll, auf gesellschaftliche Veränderungen mit dem Versuch zu reagieren, Angebote künstlich zu begrenzen. Eine solche Herangehensweise würde die Attraktivität des Sports insgesamt schwächen, anstatt bestehende Strukturen zu stabilisieren. Genau deshalb ist es wichtig, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und faktenbasiert zu begleiten – und genau dazu dient diese Studie. Dabei gilt grundsätzlich: Wir werden den Menschen sicherlich nicht vorschreiben, welche Sportart sie auszuüben haben. Entscheidend ist zunächst, dass Menschen überhaupt sportlich aktiv sind – unabhängig davon, ob dies im klassischen Mannschaftssport, im Individualsport oder in neuen Bewegungsformen geschieht. Jede regelmäßige sportliche Aktivität ist gesellschaftlich wertvoll und gesundheitspolitisch ausdrücklich zu begrüßen. Ziel der Sportpolitik kann daher nicht sein, sportliche Interessen gegeneinander auszuspielen oder bestimmte Sportarten künstlich zu bevorzugen beziehungsweise zu benachteiligen. Vielmehr geht es darum, Rahmenbedingungen zu schaffen, die möglichst viele Menschen dauerhaft in Bewegung halten und den Zugang zum Sport insgesamt stärken. Sportliche Präferenzen entstehen aus individuellen Interessen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Sie lassen sich weder politisch verordnen noch sinnvoll begrenzen. Aufgabe der Politik ist es deshalb nicht, sportliche Entscheidungen der Menschen zu steuern, sondern gute Rahmenbedingungen für den Sport insgesamt zu schaffen. Gerade in diesem Zusammenhang ist die Rolle des Breitensports einzuordnen. Breitensport ist keine Konkurrenz zum organisierten Vereinssport, sondern dessen Grundlage. Er schafft Zugänge, ermöglicht erste Erfahrungen und trägt wesentlich zur langfristigen Bindung bei. Wer Breitensport und Vereinssport gegeneinander stellt, übersieht diesen Zusammenhang und verengt die Perspektive auf einen vermeintlichen Verteilungskonflikt, der so nicht existiert. Die demografische Entwicklung wird selbstverständlich in die Analyse einbezogen. Geburtenzahlen, Altersstruktur und weitere Kennzahlen sind zentrale Einflussfaktoren für die zukünftige Entwicklung des Sports. Sie werden systematisch berücksichtigt, um realistische und tragfähige Handlungsempfehlungen zu entwickeln. Auch hier gilt: Einzelne Entwicklungen lassen sich nicht isoliert betrachten, sondern müssen im Gesamtzusammenhang bewertet werden. Ergänzend halte ich fest: Die Studie ist ein Analyseinstrument. Sie trifft keine Vorentscheidungen, sie greift nicht in bestehende Zuständigkeiten ein und sie ersetzt keine politischen Abwägungen. Sie ist aber zugleich eine wesentliche Grundlage dafür, zukünftige Entscheidungen nachvollziehbar, transparent und auf einer breiten Faktenbasis zu treffen. Wer bereits während der laufenden Analyse konkrete Eingriffe oder Zielkonflikte unterstellt, zieht Schlussfolgerungen, die auf der Grundlage des aktuellen Arbeitsstands nicht gerechtfertigt sind. Eine solche Vermischung von Analyse und Entscheidung trägt nicht zur Klärung bei, sondern erschwert sie. Wir werden die Ergebnisse der Studie nach Abschluss sorgfältig auswerten und gemeinsam mit den Gemeinden, den Vereinen und allen relevanten Akteuren diskutieren. Ziel ist es, auf dieser Grundlage Maßnahmen zu entwickeln, die den Sport insgesamt stärken, die bestehenden Vereinsstrukturen stabilisieren und das Engagement der Ehrenamtlichen nachhaltig absichern.
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