Mündliche Frage Nr. 372 14. April 2026 – Frage von G. LÖFGEN an Herrn Minister FRECHES zu dem Programm Bel'J und dessen Möglichkeiten Findet eine regelmäßige Auswertung des Programms statt? Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. Frage von Gerhard LÖFGEN (PFF), vom 14. April 2026: In den vergangenen Wochen ist das Programm Bel’J durch Werbespots aber auch durch ein paar Beiträge auf den Social-Media-Kanälen des Jugendbüros in der Öffentlichkeit beworben worden. Das Programm Bel’J, so kann man auf der dazugehörigen Website lesen, bietet jungen Menschen zwischen 12 und 30 Jahren in Belgien eine finanzielle Unterstützung, um die belgischen Kulturen kennenzulernen und seine Sprachkenntnisse in den anderen Landessprachen zu verbessern. Dabei bietet das Programm je nach Zielpublikum verschiedene Möglichkeiten, junge Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung zu stärken und ihnen neue Perspektiven zu eröffnen. Ansprechpartner in der DG ist dabei das Jugendbüro. Gerade vor dem Hintergrund der globalen Krisen ist wirklich wichtig, dass solche Programme, die das gegenseitige Verständnis und den Austausch fördern möglichst viele junge Menschen erreicht, um sie in ihrer Entwicklung bestmöglich zu unterstützen. Vor diesem Hintergrund stellen sich mir die folgenden Fragen: 1. Findet eine regelmäßige Auswertung des Programms statt? 2. Welche konkreten Erkenntnisse zur Wirkung des Programms liegen der Regierung vor? 3. Wie viele Anträge wurden in der laufenden Legislaturperiode von Antragsstellerinnen und Antragsstellern aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft bewilligt? Antwort von Gregor FRECHES (PFF), Minister für Kultur, Erwachsenenbildung, Tourismus, Denkmal- und Landschaftsschutz Sehr geehrte Frau Vorsitzende, liebe Kolleginnen und Kollegen, Bel’J wurde zuletzt im Oktober 2025 evaluiert. Der Bericht ist auf den Seiten der drei Nationalen Agenturen veröffentlicht worden. Die Evaluierung untersucht die Auswirkungen der drei Aktionen auf die Zielgruppen und die aufnehmenden Einrichtungen. Sie identifiziert Ergebnisse, Hindernisse und die Hebel zur Stärkung der Programmziele. Sie konzentriert sich dabei auf den Zeitraum 2020 bis 2024, ergänzt durch einen Rückblick auf Jahre 2016- 2019 zur Einordnung allgemeiner Trends. In den vergangenen 8 Jahren nahmen insgesamt 984 Personen an Bel’J teil - 93 im Freiwilligendienst, 838 in 35 Austauschprojekten und 35 Jugendarbeiter in fünf Mobilitätsprojekten. Die Aktion 2 (Austauschprojekte) ist klar die stärkste und stabilste Säule des Programms, weist die höchsten Teilnehmerzahlen auf, und es besteht eine kontinuierliche Nachfrage. Die Aktion 3 (Mobilität von Jugendarbeitern) bleibt trotz nachgewiesenem Mehrwert strukturell schwach und selten genutzt. Bel’J erreicht überdurchschnittlich viele Jugendliche unter 20 Jahren sowie junge Menschen in prekären oder bildungsbenachteiligten Situationen. Die Teilnehmenden berichten von positiven Effekten, die weit über verbesserte Sprachkompetenzen hinausgehen – etwa gestärktes Selbstbewusstsein, höhere Selbstständigkeit, interkulturelle Sensibilität und ein besseres Verständnis der gesellschaftlichen Realitäten in den anderen Gemeinschaften. Die intergemeinschaftliche Governance funktioniert grundsätzlich gut. Verbesserungsbedarf bestehen bei der Aktualität und Nutzung des Konzeptpapiers, beim Monitoring und der Datenerhebung sowie gemeinsame Indikatoren. Auch gibt es noch kein standardisiertes Feedbacktool. Das Budget der Gemeinschaften liegt jährlich zwischen 10.000–25.000 € und ist damit kohärent mit den Programmzielen. Es bewegt sich jedoch in einem sehr kleinen Maßstab und erzielt somit nur eine begrenzte Wirkung. Es ist also noch Potenzial da. Die Deutschsprachige Gemeinschaft ist – gemessen an ihrer Bevölkerungsgröße – überproportional engagiert, insbesondere als Herkunftsregion von Freiwilligen (z. B. Eupen) als auch als aktive Projektträgerin bei Austausch und Jugendarbeiterprojekten. Bei den Austauschprojekten stammen 20 % der Projekte aus der DG, d.h. 81 junge Teilnehmende und 16 Koordinatoren, was für eine solide Einbindung im nationalen Vergleich spricht. In der laufenden Legislaturperiode wurden die folgenden Anträge aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft bewilligt: • 2024 ein Antrag für die Mobilität von Jugendarbeitern, • 2025 keine Anträge und • 2026 wurden bisher 3 Anträge für die Aktion Bürgerschaft/Freiwilligendienst bewilligt. Mein Fazit: Bel’J ist für die DG ein sichtbares Instrument intergemeinschaftlicher Zusammenarbeit, ein effektives Ergänzungsprogramm zur EU Mobilität und besonders geeignet für Jugendliche ohne internationale Mobilitätserfahrung.
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