Mündliche Frage Nr. 369 14. April 2026 – Frage von L. TELLER an Herrn Minister FRECHES zum Kooperationsabkommen zwischen der Deutschsprachigen Gemeinschaft und Rheinland-Pfalz Welche konkreten Ziele verfolgt die Regierung mit diesem Kooperationsabkommen zur nachhaltigen Stärkung der Medienkompetenz in der Deutschsprachigen Gemeinschaft? Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. Frage von Lukas TELLER (CSP), vom 14. April 2026: Mit der Verabschiedung eines Kooperationsabkommens zur Medienkompetenz zwischen der Deutschsprachigen Gemeinschaft und Rheinland-Pfalz soll die Zusammenarbeit im Bereich der Medienbildung vertieft und durch konkrete Maßnahmen sowie gemeinsame Initiativen gestärkt werden. Medienkompetenz ist in einer zunehmend digitalen und informationsgeprägten Gesellschaft eine Schlüsselqualifikation. Sie befähigt Bürgerinnen und Bürger, Informationen einzuordnen, Quellen kritisch zu hinterfragen und sich verantwortungsvoll im digitalen Raum zu bewegen. Damit ist sie nicht nur eine zentrale Bildungsaufgabe, sondern auch ein wesentlicher Pfeiler für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Vor diesem Hintergrund ist es besonders wichtig, die Förderung von Medienkompetenz im Austausch mit Partnerregionen weiterzuentwickeln. Das Kooperationsabkommen sieht unter anderem vor, dass sich Ostbelgien verstärkt an bestehenden Initiativen in Rheinland-Pfalz beteiligt, wie etwa am Demokratietag oder an der Woche der Medienkompetenz. Diese Formate bieten Plattformen für Austausch und Sensibilisierung und ermöglichen eine breite Einbindung von Schulen, Bildungseinrichtungen und zivilgesellschaftlichen Akteuren. Zudem soll der Zugang zu digitalen Bildungsangeboten ausgebaut werden, um unterschiedliche Zielgruppen – von Kindern und Jugendlichen bis hin zu Erwachsenen und Senioren – zu erreichen. Ein weiterer Schwerpunkt des Kooperationsabkommens liegt auf dem intensiveren Austausch von Fachwissen und Expertise. Referenten, Fachkräfte und bewährte Praktiken sollen zwischen den Partnern ausgetauscht werden, um die Qualität der Angebote zu steigern und die Entwicklung gemeinsamer Projekte zu fördern. Ergänzend wird eine engere Zusammenarbeit mit Luxemburg angestrebt, die perspektivisch den Weg für eine trilaterale Kooperation in der Großregion ebnen könnte. Vor diesem Hintergrund stelle ich dem zuständigen Minister folgende Fragen: 1. Welche konkreten Ziele verfolgt die Regierung mit diesem Kooperationsabkommen zur nachhaltigen Stärkung der Medienkompetenz in der Deutschsprachigen Gemeinschaft? 2. Welche konkreten Initiativen werden im Rahmen des Kooperationsabkommens kurzfristig umgesetzt? 3. Wie beabsichtigt die Regierung, die Zusammenarbeit mit Luxemburg weiterzuentwickeln? Antwort von Gregor FRECHES (PFF), Minister für Kultur, Erwachsenenbildung, Tourismus, Denkmal- und Landschaftsschutz Sehr geehrte Frau Vorsitzende, liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie mich zunächst auf die erste Frage eingehen: Welche konkreten Ziele verfolgt die Regierung mit diesem Kooperationsabkommen? Die Zielsetzung dieses Abkommens ist klar und zugleich von strategischer Bedeutung. In einer Zeit, in der digitale Medien unseren Alltag in nahezu allen Lebensbereichen prägen – sei es in der Bildung, im Berufsleben oder im gesellschaftlichen Miteinander –, wird Medienkompetenz zu einer unverzichtbaren Schlüsselqualifikation. Unser Anspruch ist es daher, allen Bürgerinnen und Bürgern der Deutschsprachigen Gemeinschaft die Möglichkeit zu geben, sich sicher, kritisch und verantwortungsvoll in der digitalen Welt zu bewegen. Gerade für eine kleine Gemeinschaft wie die unsere stellt sich dabei jedoch immer auch die Frage nach den verfügbaren Ressourcen. Es ist schlichtweg nicht realistisch, sämtliche Inhalte, Programme und Fachkompetenzen eigenständig in der erforderlichen Breite und Qualität aufzubauen. Genau hier setzt die Kooperation mit der Medienanstalt Rheinland-Pfalz an. Sie ermöglicht uns einen schnellen, kosteneffizienten und zugleich hochwertigen Zugang zu einem breiten Spektrum an Expertinnen und Experten sowie zu erprobten Materialien der Medienkompetenzvermittlung. Darüber hinaus geht es uns aber nicht nur um den Zugang zu bestehenden Angeboten. Ebenso wichtig ist die aktive Mitgestaltung. Die Zusammenarbeit eröffnet uns die Möglichkeit, eigene Perspektiven einzubringen, Projekte gemeinsam weiterzuentwickeln und unsere Mitarbeitenden gezielt an Schulungen, Weiterbildungen und Fachveranstaltungen teilnehmen zu lassen. Bestehende Kooperationen werden damit nicht ersetzt, sondern sinnvoll ergänzt und vertieft. Im Falle von Rheinland-Pfalz wurde diese Zusammenarbeit bewusst neu aufgestellt, um den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen noch besser begegnen zu können. Ich komme nun zur zweiten Frage und die konkreten Initiativen im Rahmen des Kooperationsabkommens, die kurzfristig umgesetzt werden: Hier zeigt sich sehr deutlich, dass dieses Abkommen nicht theoretischer Natur ist, sondern unmittelbar konkrete Auswirkungen entfaltet. Ein zentrales Element ist die Fortführung und Absicherung des Zugangs zu den sogenannten „klicksafe“-Materialien. Dabei handelt es sich um eine europaweit anerkannte Initiative zur Förderung der Medienkompetenz, die eine Vielzahl an praxisnahen Inhalten für unterschiedliche Zielgruppen bereitstellt – von Informationsflyern bis hin zu umfassende Unterrichtsmaterialien. Diese Materialien können in der Deutschsprachigen Gemeinschaft gezielt in Schulen, in der Jugendarbeit oder über das Medienzentrum eingesetzt werden. Parallel dazu wird das digitale Weiterbildungsangebot konsequent ausgebaut. Bereits heute stellt das Medienzentrum über den Ostbelgienkanal frei zugängliche Tutorials zur Verfügung. Durch die Kooperation erhalten unsere Bürgerinnen und Bürger nun zusätzlich die Möglichkeit, an Online-Seminaren der Medienanstalt Rheinland-Pfalz teilzunehmen. Damit schaffen wir ein niederschwelliges, flexibles und zeitgemäßes Weiterbildungsangebot, das sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert. Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Entwicklung sogenannter „Dritter Orte“ der Medienkompetenz. Diese Orte stehen für einen modernen Ansatz des Lernens: weg von rein theoretischer Wissensvermittlung, hin zu praktischem Ausprobieren und kreativem Arbeiten. Ob Filmschnitt, Audioproduktion oder neue Technologien wie der 3D-Druck – Bürgerinnen und Bürger sollen Medien aktiv erleben und gestalten können. In Eupen und St. Vith wurden hierfür bereits wichtige Grundlagen geschaffen, und im geplanten neuen Medienzentrum wird dieser Ansatz nochmals deutlich ausgebaut. Die Unterstützung durch die Medienanstalt Rheinland-Pfalz – insbesondere bei Fragen der Ausstattung und Weiterbildung – ist dabei von großem Wert. Hinzu kommt die Nutzung einer umfangreichen Referentendatenbank mit über 500 Fachleuten aus unterschiedlichen Bereichen der Medienkompetenz. Diese ermöglicht es uns, gezielt Expertinnen und Experten für Veranstaltungen zu gewinnen – und dies unter Bedingungen, die im Idealfall sogar kostenneutral für die Veranstalter in der Deutschsprachigen Gemeinschaft sind. Das ist ein konkreter Mehrwert für unsere Bildungs- und Jugendarbeit. Nicht zuletzt werden auch bestehende Projekte weiterentwickelt. Ein gutes Beispiel sind die „Digitalbotschafter“, die mithilfe der Expertise aus Rheinland-Pfalz erfolgreich an unsere regionalen Gegebenheiten angepasst wurden und nun kontinuierlich ausgebaut werden. Darüber hinaus profitieren wir von der Vernetzung mit weiteren Institutionen und Fachveranstaltungen, die neue Impulse liefern und den fachlichen Austausch stärken. Lassen Sie mich abschließend auf die dritte Frage und die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit mit Luxemburg eingehen: Auch hier verfolgen wir einen klaren und zugleich zukunftsgerichteten Ansatz. Die geografische Lage der Deutschsprachigen Gemeinschaft bietet uns eine besondere Chance: Wir befinden uns im Herzen einer Grenzregion, in der Zusammenarbeit über nationale Grenzen hinweg nicht nur möglich, sondern auch sinnvoll und notwendig ist. Durch die Eröffnung eines weiteren Standorts der Medienkompetenzvermittlung in Trier ergeben sich neue Perspektiven, insbesondere für den Süden unserer Gemeinschaft. Es wurde vereinbart, künftig verstärkt gemeinsame Veranstaltungen sowohl in dieser Region als auch in Trier selbst durchzuführen. Diese Kooperation bildet eine ideale Grundlage, um den nächsten Schritt zu gehen. Und dieser nächste Schritt besteht darin, gezielt auch luxemburgische Partner einzubinden. Unser Bestreben ist es, ein grenzüberschreitendes Netzwerk der Medienkompetenz aufzubauen, in dem Wissen, Erfahrungen und bewährte Praktiken ausgetauscht werden können. Erste Kontakte mit entsprechenden Institutionen und Fachakteuren in Luxemburg wurden bereits geknüpft, was uns sehr zuversichtlich stimmt. Konkret ist bereits eine erste gemeinsame Weiterbildungsmaßnahme in Planung, die im zweiten Halbjahr oder zu Beginn des Jahres 2027 stattfinden soll. Damit setzen wir ein klares Zeichen für eine verstärkte Zusammenarbeit in der Großregion und schaffen zugleich neue Möglichkeiten für unsere Bürgerinnen und Bürger. Ich danke Ihnen herzlich für Ihre Aufmerksamkeit.
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