Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 363

19. März 2026 – Frage von C. SERVATY an Herrn Minister FRANSSEN zu der in diesem Jahr im 6. Schuljahr nicht stattfindenden Delf-Testung Französisch

Wie könnte sichergestellt werden, dass auch in diesem Jahr - gegebenenfalls mittels einer Übergangslösung - der betreffende Schülerjahrgang ein solches Testangebot erhält?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.


Frage von Charles SERVATY (SP), vom 19. März 2026:

Der hohe Stellenwert des Französischen als bedeutende und quasi unverzichtbare Zweitsprache ist seit jeher gesellschaftlicher Konsens in Ostbelgien. Dessen frühzeitiges Erlernen ab dem Besuch des Kindergartens sowie in allen darauffolgenden Schulformen, hat Generationen von Ostbelgiern zu persönlicher Entfaltung und nicht zuletzt zu beruflichem Erfolg verholfen.

Ähnlich selbstverständlich haben bereits seit Jahren die unabhängigen Erhebungen und gezielten Sprachtestungen zur Ermittlung der Französischkenntnisse unserer Schülerinnen und Schüler Einzug in die pädagogische Praxis an ostbelgischen Schulen gehalten, lassen diese doch interessante Rückschlüsse zum erreichten Sprachniveau unter anderem zum Ende der Grundschule zu.

In diesem Zusammenhang sorgte in der vergangenen Woche eine Mitteilung der PDS-Grundschule an die Eltern der Kinder des 6. Schuljahres für Verunsicherung. In ihr heißt es: "Liebe Eltern, wir wollten Sie darüber informieren, dass es in diesem Schuljahr keinen Delf-Test für die Schüler des 6. Schuljahres geben wird (dieser Test hat in den letzten Jahren in allen 6. Schuljahren der DG stattgefunden, um das Französisch-Niveau der Kinder zu testen). Der Minister hat sich dazu entschieden, diesen nur noch alle 2 Jahre stattfinden zu lassen. Dies hat jedoch keinerlei Einfluss auf die Französischnote der Kinder, da dieser Test auch in den vergangenen Jahren nicht ins Zeugnis einfloss und unabhängig vom Ministerium bewertet wurde."

Auch wenn Ihre politische Entscheidung, besagte Testungen künftig nur noch alle zwei Jahre stattfinden zu lassen, bereits bekannt war, so sorgt die erhaltene Bestätigung nunmehr doch für Verunsicherung und Enttäuschung bei den Eltern. Dies, weil nicht nur die durch eine anerkannte Einrichtung erfasste objektive Momentaufnahme der tatsächlichen Französischkenntnisse, sondern eben auch die vielfältigen pädagogischen Rückschlüsse für die Kinder des aktuellen Jahrgangs entfallen. Hinzu kommt, dass auch die Möglichkeit zur Erlangung eines anerkannten Sprachzertifikats entfällt.

Demzufolge wurde vielfach der Wunsch geäußert, nach einer Möglichkeit zu suchen, um diese wertvollen Erkenntnisse und Vorteile auch dem aktuellen Jahrgang zur Verfügung stellen zu können.

Dazu lauten meine Fragen:

1.    Wie könnte sichergestellt werden, dass auch in diesem Jahr - gegebenenfalls mittels einer Übergangslösung - der betreffende Schülerjahrgang ein solches Testangebot erhält?
2.    Unter welchen Umständen wären Sie bereit, diese in vielfältiger Hinsicht pädagogisch wertvollen Testungen künftig wieder alljährlich stattfinden zu lassen?


Antwort von Jérôme FRANSSEN (CSP), Minister für Unterricht, Ausbildung und Beschäftigung

Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
Sehr geehrter Herr Servaty,
Werte Kolleginnen und Kollegen,

Der gesellschaftliche Konsens über Französisch als erste Fremdsprache und wichtige Zweitsprache in Ostbelgien steht in keiner Weise in Frage. Im Gegenteil. Im Zuge der Rahmenplanreform werden wir besonderen Wert darauflegen, Französisch als eine der wesentlichen Grundkompetenz zu stärken.

Die Entscheidung, die DELF-Testung im 6. Schuljahr der Primarschule künftig im Zweijahresrhythmus durchzuführen, steht diesem Konsens ebenfalls nicht entgegen. 

Eine jährliche externe Testung liefert keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn für die Unterrichtsentwicklung. Regelmäßige Erhebungen, die in einem regelmäßigen Abstand von zwei Jahren vorgenommen werden, sind vollkommen ausreichend, um Kompetenzstände und Entwicklungen verlässlich zu erfassen.

Zugleich ist festzuhalten, dass das DELF-A2-Niveau ein Einstiegszertifikat ohne konkrete Relevanz für die weitere schulische oder berufliche Laufbahn ist. Ein Sprachenzertifikat für 11- bis 12-jährige Schülerinnen und Schüler entfaltet keinen nachhaltigen Mehrwert, da es weder für schulische Übergänge noch für spätere Bewerbungsverfahren ausschlaggebend ist. Hierfür entscheidend sind die Testungen für die Jugendlichen in den Niveaus B1, B2 oder C1, die zu späteren Zeitpunkten erreicht werden und die nach wie vor jedes Jahr ermittelt werden und zwar kostenlos.

Vor diesem Hintergrund besteht aus meiner Sicht kein Bedarf für eine Übergangslösung. Die Rückmeldung zum Lernstand der Schülerinnen und Schüler ist weiterhin gewährleistet – durch den Unterricht selbst, durch die professionelle Einschätzung der Lehrpersonen, durch das Zeugnis und durch schulinterne Evaluationsinstrumente, die sich eng am Rahmenplan orientieren. Sie zitieren dies aus besagtem Brief ja ebenfalls selbst.

Der gewählte Zweijahresrhythmus hat im Gegenteil sogar einen klaren pädagogischen Vorteil: Er gibt den Schulen die notwendige Zeit, die Ergebnisse gezielt auszuwerten und konkret im Unterricht umzusetzen, anstatt von Testung zu Testung zu gehen.

Darüber bleibt wertvolle Unterrichtszeit erhalten, wo sie hingehört: beim tatsächlichen Spracherwerb. Gleichzeitig wird der erhebliche organisatorische und finanzielle Aufwand auf ein sinnvolles Maß reduziert.

Eine Rückkehr zu jährlichen Testungen wäre nur dann zu erwägen, wenn ein klarer zusätzlicher pädagogischer Nutzen nachgewiesen werden könnte und das entsprechende Zertifikat für die Schülerinnen und Schüler tatsächlich eine relevante Bedeutung hätte. Beides ist nicht der Fall.

Deshalb konzentrieren wir unsere Ressourcen gezielt auf das, was wirklich zählt: die Qualität des Unterrichts und den nachhaltigen Kompetenzerwerb der Schülerinnen und Schüler.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

 

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