Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 352

18. März 2026 – Frage von E. SIMAR an Frau Ministerin KLINKENBERG zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Gesundheitsbereich

In welchem Maße wir in Ostbelgien Künstliche Intelligenz im Bereich der Gesundheitspflege eingesetzt?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.


Frage von Etienne SIMAR (CSP), vom 18. März 2026:

Der belgische Hohe Nationale Rat der Menschen mit Behinderung (CSNPH) verabschiedete am 9. Februar 2026 in einer Plenarsitzung ein Positionspapier zur Rolle der Künstlichen Intelligenz in der Gesundheitspflege. 

Die Note bewertet den Einsatz von KI im Gesundheitswesen aus Sicht der Menschenrechte, insbesondere der Rechte von Menschen mit Behinderung. Sie stützt sich auf eine Literatur- und Rechtsanalyse sowie auf Gespräche mit ÄrztInnen, JuristInnen, KI-ExpertInnen und VertreterInnen von Menschen mit Behinderung. 

In seinen Kernaussagen erkennt der CSNPH das Potenzial von KI im Gesundheitswesen an, warnt jedoch vor Risiken für Grundrechte, Gleichbehandlung und Patientenautonomie. KI dürfe die menschliche medizinische Verantwortung nicht ersetzen und müsse streng reguliert, überprüfbar und transparent bleiben. 

Zu den Hauptforderungen des CSNPH gehören u.a.: 

1. Strengere Regulierung medizinischer KI 
2. Unabhängige Prüfung vor Einsatz 
3. Transparenz und Erklärbarkeit der Systeme 
4. Menschliche Kontrolle über KI-Entscheidungen 
5. Schutz der Gesundheitsdaten 
6. Berücksichtigung von Menschen mit Behinderung in Datensätzen und 
7. die Aus- und Weiterbildung für medizinisches Personal 

Zusammengefasst geht es also um eine politische Stellungnahme eines belgischen Beratungsgremiums. Es unterstützt den Einsatz von KI im Gesundheitswesen, fordert aber stärkeren Schutz der Grundrechte, mehr Regulierung und klare menschliche Verantwortung in der Medizin. 

Die Deutschsprachige Gemeinschaft ist in diesem Gremium vertreten. 

Hierzu meine Fragen: 

1. In welchem Maße wir in Ostbelgien Künstliche Intelligenz im Bereich der Gesundheitspflege eingesetzt? 
2. Wie hoch schätzt die DG-Regierung den künftigen Bedarf an Künstlicher Intelligenz im Gesundheits- und Pflegebereich ein und wie hoch werden die Kosten dafür eingeschätzt? 


Antwort von Lydia KLINKENBERG (ProDG), Ministerin für Gesundheit, Soziales, Familie und Wohnungswesen

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, 
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, 

uns liegen aktuell nur Informationen zur KI-Nutzung in den Krankenhäusern vor. Wir wissen nicht, inwiefern die anderen Gesundheitsdienstleister KI nutzen oder inwiefern ihre Fachsoftware bereits über KI Funktionen verfügt. 

Die beiden ostbelgischen Krankenhäuser nutzen derzeit KI Lösungen im Bereich der medizinischen Bildgebung. So wird die automatisierte Erkennung von Frakturen eingesetzt, vor allem in der Notaufnahme. KI wird auch zur Früherkennung bei Mammographien genutzt. Zudem verfügt die MRT über integrierte KI-Lösungen. 

Darüber hinaus wird KI auch bei medizinischen Wissensdatenbanken (UpToDate) zur Validierung von Diagnosen eingesetzt sowie bei der Aufbereitung von Diagnosedaten für die medizinische Forschung (Allergien, Impfstoffe usw.), in Partnerschaft mit dem MOVE-Netzwerk. 

Auch im Bereich Informatik und Cybersicherheit kommt KI zum Einsatz, z.B. zur verhaltensbasierten Erkennung von Bedrohungen und zur automatisierten Analyse von Anomalien. Entwickler nutzen zudem spezialisierte KI-Tools als Unterstützung, wodurch sich die Entwicklungszeit verkürzt. 

Darüber hinaus kommt die KI im Bereich Innovation und Verwaltungsoptimierung zum Einsatz. Hier dient sie der administrativen Unterstützung, der strukturierten Recherche und der Automatisierung interner Aufgaben und erleichtert Zusammenfassungen von Meetings, das Erstellen von Berichten und Kommunikationsunterlagen. 

Geplante Entwicklungsschwerpunkte für die kommenden Jahre sind: 

• Cybersicherheit und Datenschutz 
• Spezielle KI-Server und fortschrittliche Software zur Unterstützung medizinischer Entscheidungen. 
• KI in der Geriatrie (Erkennung und Vorhersage von Sturzrisiken). 
• KI in der Endoskopie (automatisierte Erkennung von Läsionen). 
• Ausweitung der KI-Lösungen in der Radiologie. 
• Einführung innovativer Technologien: Robotisierung, Logistikautomatisierung, intelligente Rückverfolgbarkeit. 

Wie hoch der Bedarf an KI und die damit zusammenhängenden Kosten sein werden, ist schwer einzuschätzen. Klar ist, dass die KI auch im Gesundheitssektor immer mehr zum Einsatz kommen wird. Die finalen Entscheidungen müssen im medizinischen Bereich aber weiterhin von Menschen (Ärzten, Krankenpflegern etc.) getroffen werden. 

Eine pauschale Kostenschätzung ist nicht möglich. 

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!

 

 

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