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IPR Co-Vorsitz

Kolloquium zum Thema „Grenzüberschreitende Herausforderungen des Arbeitsmarkts in der Großregion“

27. März 2026 - Überall in Europa gibt es nationale Grenzen – und damit auch Grenzregionen, in denen das Überqueren dieser Grenzen sowohl für Unternehmen als auch Arbeitnehmende zum Alltag gehört. Das betrifft auch die hierzulande wenig bekannt Großregion, einem Verbund aus Luxemburg im Zentrum, umgeben von Rheinland-Pfalz, dem Saarland, der französischen Region Grand Est, der Wallonie, der Französischen Gemeinschaft und Ostbelgien.

Kolloquium zum Thema „Grenzüberschreitende Herausforderungen des Arbeitsmarkts in der Großregion“

Derzeit haben die belgischen Partner den Vorsitz in diesem Verbund. Das gilt auch für sein parlamentarisches Gremium, dem Interregionalen Parlamentarierrat. In den Mittelpunkt seiner Co-Präsidentschaft hat das Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft die grenzüberschreitenden Herausforderungen des Arbeitsmarkts in der Großregion gestellt. In diesem Rahmen lud das Parlament Akteure aus der Praxis zu einem Fachkolloquium ins Kloster Heidberg in Eupen ein, um über die konkreten Probleme, aber auch mögliche Lösungswege für Unternehmen und Grenzpendler zu diskutieren. 

„Wir stehen heute vor einer Herausforderung, die ganz Europa betrifft: dem Fachkräftemangel in vielen Branchen. Wenn es gelingt, unsere Kompetenzen und Potentiale über regionale und nationalen Grenzen hinweg besser miteinander zu verbinden, kann daraus ein echter Standortvorteil für die Großregion entstehen“, unterstrich die Präsidentin des Parlaments, Patricia Creutz-Vilvoye, eingangs die Bedeutung der interregionalen Zusammenarbeit. 

Martin Unfried, Direktor des Kompetenzzentrums ITEM an der Universität Maastricht, das grenzüberschreitende Fragestellungen erforscht, stellte fest, dass mehr europäische Integration in Brüssel nicht gleichzeitig zum Abbau von Grenzbarrieren führt. Sozialversicherungen, Besteuerung, Bildungswesen seien nicht europaweit harmonisiert. „Ist ein Problem an der Grenze gelöst, taucht das nächste auf, weil der Nachbarstaat ein Gesetz geändert hat“. Dabei wies Unfried darauf hin, dass die Großregion mit spezifischen Einrichtungen wie dem Wirtschafts- und Sozialausschuss, der Interregionalen Arbeitsmarktbeobachtungsstelle oder der Task Force Grenzgänger besser aufgestellt ist als andere Grenzregionen Europas, um Probleme zu analysieren und Lösungen vorzuschlagen.

Dass man nicht auf Lösungen auf europäischer Ebene warten könne, darin war man sich in den von BRF-Direktor Alain Kniebs moderierten Debatten einig. Eher könnte es umgekehrt sein: „Die Großregion ist ein „Miniatur-Europa“, in dem gemeinsame pragmatische Ansätze Modell für andere werden können“, sagte Pierre-Frédéric Nyst, Vorsitzender des Wirtschafts- und Sozialausschusses. Einfachere Verfahren, klarere Strukturen und schnellere Abläufe mit besser kooperierenden Verwaltungen – das war der Kern vieler Aussagen. Denn sobald mehrere Staaten beteiligt sind, steigen Regulierungsdickicht und Bürokratie spürbar. „Die Sensibilisierung der nationalen und europäischen Ebenen muss kontinuierlich aus den Grenzregionen heraus betrieben werden, damit ihre eng verflochtenen Realitäten besser berücksichtigt werden“, brachte es Egbert Ulrich, Leiter der Taskforce Grenzgänger der Großregion, auf den Punkt. 
Dies gilt umso mehr, als dass die Verflechtungen in der Großregion besonders eng sind. Im Vergleich mit anderen europäischen Grenzregionen gibt es hier das mit Abstand höchste Pendleraufkommen. 2024 waren es mehr als 277.000 Menschen, die täglich zur Arbeit die Grenze überqueren. Allerdings: Hiervon pendeln allein rund 80% in Richtung Luxemburg, wie die Zahlen der Interregionalen Arbeitsmarktbeobachtungsstelle belegen. Die unterm Strich besseren Gehälter sind der entscheidende Faktor. 

In der Debatte ab es unterschiedliche Positionen, wie mit diesen Gegebenheiten umzugehen ist. Pragmatische Lösungen, haben Bauunternehmer Gert Elsen aus Heppenbach oder Möbelschreiner Norbert Brakonier aus der deutschen Eifel beschritten. Sie gründeten Niederlassungen in Luxemburg, um gut ausgebildetes Personal zu finden oder zu halten. Brakoniers Plädoyer: „Neid und Konkurrenz bringen nichts. Dafür ist selbst die Großregion zu klein. Und das Geld, dass die Leute in Luxemburg verdienen, geben sie in ihren Heimatregionen aus. Das kommt der dortigen Wirtschaft auch wieder zugute.“
Gleichzeitig herrscht in allen Teilen der Großregion ein gravierender Mangel an qualifizierten Fachkräften in Branchen wie der Pflege oder dem Handwerk. Gute Ansätze, diesen Herausforderungen gemeinsam zu begegnen, sind Bi-Diplomierungen in der dualen Ausbildung sowie die Förderung von Austauschen, um „Grenzen in den Köpfen“ abzubauen und Sprachkompetenzen zu verbessern. 

Die EURES-Arbeitsvermittlungsstelle der Großregion hat zusammen mit der Grenzgängerberatungsstelle Grand Est eine Videoclip-Kampagne entwickelt, in der sich Betriebe unter dem Motto Living and Working in the Greater Region präsentieren. „Wir sehen positive Entwicklungen in der Großregion“, sagt dazu Marc Gross, Generalsekretär des Interregionaler Rat der Handwerkskammern der Großregion in Luxemburg, „und müssen weitere Initiativen auch in der Weiterbildung und Qualifizierung ausbauen.“ Ein gutes Beispiel steuerte dazu Charlotte Venema von der Benelux-Union bei: Hier wurde ein Pilotprojekt zur automatischen Anerkennung in Pflegeberufen gestartet.

Der Vize-Ministerpräsident und für Wirtschaft sowie Beschäftigung zuständige Minister der Wallonischen Region, Pierre-Yves Jeholet, zeigte sich in seinen Schlussfolgerungen zum Kolloquium vor einem breiten Publikum aus Politik und Wirtschaft, Institutionen und Verbänden der Großregion beeindruckt von der Diskussion: „Ihre Beiträge zeigen deutlich, wie sehr wir in der Großregion unseren Arbeitsalltag gemeinsam erleben und gestalten müssen. Das wird eine kontinuierliche Aufgabe für alle Akteure bleiben.“ 

Die Fotogalerie zum Kolloquium finden Sie hier.

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