Mündliche Frage Nr. 497 04. November 2026 – Frage von Herr L. FAYMONVILLE an Frau Ministerin KLINKENBERG zur Fachkräftesicherung und Zusammenarbeit mit dem Saarland Wie viele zusätzliche Pflegekräfte benötigt die Deutschsprachige Gemeinschaft nach Einschätzung der Regierung in den kommenden fünf Jahren? Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. Frage von Lothar FAYMONVILLE (SP), vom 04. November 2026: Am 2. Oktober 2026 fand ein Arbeitstreffen zwischen Vertretern der Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft und der saarländischen Landesregierung statt. Sie tauschten sich dabei mit dem saarländischen Minister für Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit, Dr. Magnus Jung, sowie Staatssekretärin Bettina Altesleben über die Herausforderungen in der Gesundheits- und Pflegepolitik aus. Dabei stellte das Saarland unter anderem seine Strategie „Saar66“ und die „Konzertierte Aktion Pflege“ zur Gewinnung und langfristigen Bindung von Pflegekräften vor. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche konkreten Erkenntnisse die Regierung aus diesem Austausch zieht und wie diese in Ostbelgien umgesetzt werden sollen. Meine Fragen an Sie: 1. Wie viele zusätzliche Pflegekräfte benötigt die Deutschsprachige Gemeinschaft nach Einschätzung der Regierung in den kommenden fünf Jahren? 2. Welche konkreten Maßnahmen aus dem Saarland möchte die Regierung übernehmen, um dem Fachkräftemangel in der Pflege entgegenzuwirken? 3. Welche messbaren Ziele hat sich die Regierung gesetzt, um Pflegekräfte langfristig für den Beruf zu gewinnen? Antwort von Lydia KLINKENBERG (ProDG), Ministerin für Gesundheit, Soziales, Familie und Wohnungswesen: Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, die Sicherung einer qualitativ hochwertigen Pflege und Gesundheitsversorgung stellt auch die Deutschsprachige Gemeinschaft vor große Herausforderungen. Der Fachkräftemangel in den Gesundheits- und Pflegeberufen ist seit Jahren spürbar und wird sich angesichts der demografischen Entwicklung weiter verschärfen. Vor diesem Hintergrund war der Austausch mit dem saarländischen Minister für Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit, Dr. Magnus Jung, sowie Staatssekretärin Bettina Altesleben Anfang Oktober besonders interessant und aufschlussreich. Der Regierung liegen derzeit keine belastbaren Prognosen darüber vor, wie viele zusätzliche Pflegekräfte mit welcher Ausbildung in den kommenden fünf Jahren konkret benötigt werden. Eine solche Bedarfsanalyse ist für das kommende Jahr vorgesehen. Die Entwicklung des Arbeitsmarktes zeigt jedoch deutlich, dass der Bedarf bereits heute vorhanden ist. Von Januar bis Oktober 2026 wurden dem Arbeitsamt der Deutschsprachigen Gemeinschaft insgesamt 82 offene Stellen im Gesundheitsbereich gemeldet. Darunter befanden sich 40 Stellen für Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger, 17 für Ärztinnen und Ärzte sowie weitere Stellen für verschiedene Gesundheitsfachberufe. Aktuell sind weiterhin 44 Stellen in diesen Berufen unbesetzt, darunter 18 Stellen für Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger. Im Rahmen unseres Austauschs hat Minister Jung die saarländische Strategie zur Gewinnung von Fachkräften in der Pflege vorgestellt. Die sogenannte „Konzertierte Aktion Pflege Saar“ verfolgt das Ziel, bis 2030 rund 4.000 zusätzliche Pflegekräfte zu gewinnen. Als zentrale Erfolgsfaktoren wurden eine verstärkte Information über die Pflegeberufe sowie die gezielte Rekrutierung qualifizierter Fachkräfte aus dem Ausland genannt. Nach Angaben des Saarlandes konnte bereits ein erster wichtiger Meilenstein erreicht werden. Ein erheblicher Teil der zusätzlich gewonnenen Pflegekräfte stammt dabei aus Nicht-EU-Staaten wie Indien oder jüngst Mexiko. Für die Deutschsprachige Gemeinschaft sind insbesondere die Erfahrungen im Bereich der internationalen Fachkräftegewinnung von Interesse. Dahingehend sind nun mögliche Kooperationsansätze zwischen dem Saarland und Ostbelgien zu prüfen. Da sich die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland jedoch teilweise deutlich von denjenigen in Belgien unterscheiden, können erfolgreiche Maßnahmen nicht ohne Weiteres übernommen werden. In weiteren Gesprächen sollen Ansätze herausgefiltert werden, welche sich unter den ostbelgischen Rahmenbedingungen auch tatsächlich umsetzen lassen. Was die langfristige Gewinnung und Bindung von Pflegekräften betrifft, verfolgt die Regierung bereits seit mehreren Jahren eine Reihe konkreter Maßnahmen. Ein Baustein ist der Personalnormenerlass für die Wohn- und Pflegezentren, der dazu beiträgt, durch ausreichende personelle Ressourcen eine qualitativ hochwertige Versorgung der Bewohner sicherzustellen. Hinzu kommt die schrittweise Aufwertung der Bezuschussung der Pflegepersonalbaremen, um attraktivere Arbeitsbedingungen zu schaffen und die Berufe finanziell aufzuwerten. Darüber hinaus wurde mit der Einführung der Alltagsbegleiter eine zusätzliche Unterstützung für das Pflegepersonal geschaffen. Diese Entlastung ermöglicht es den Pflegefachkräften, sich stärker auf ihre eigentlichen pflegerischen Kernaufgaben zu konzentrieren. Ein weiterer wichtiger Schritt ist die neue Ausbildung zum Krankenpflegeassistenten, die an der Autonomen Hochschule Ostbelgiens gestartet wurde und zusätzliche Zugänge zum Pflegeberuf eröffnet. Auch die Weiterbildungsangebote der KPVDB leisten einen wichtigen Beitrag zur beruflichen Entwicklung, Qualifizierung und langfristigen Bindung der Mitarbeitenden im Pflegesektor. Nicht zuletzt bleibt die angemessene Finanzierung, wie die der Wohn- und Pflegezentren, aber auch der Krankenhäuser, eine wesentliche Voraussetzung, um attraktive Arbeitsbedingungen zu gewährleisten. Nur wenn die Einrichtungen über ausreichende personelle, technische und infrastrukturelle Mittel verfügen, können moderne Arbeitsplätze geschaffen werden, die Pflegekräfte in ihrem anspruchsvollen Berufsalltag wirksam unterstützen. Unser Ziel bleibt es daher, die Attraktivität der Pflegeberufe kontinuierlich zu stärken, sowohl durch bessere Ausbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten als auch durch gute Arbeitsbedingungen und eine angemessene personelle Ausstattung der Einrichtungen. Der Austausch mit unseren Nachbarn im Saarland liefert hierzu wertvolle Impulse, die wir mit Blick auf eine mögliche Übertragbarkeit auf Ostbelgien in den nächsten Monaten sorgfältig prüfen werden. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
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