Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 495

04. November 2026 – Frage von Frau F. COLLING an Frau Ministerin KLINKENBERG zur Sicherung des hausärztlichen Nachwuchses in der DG

Wie viele Medizinstudierende absolvieren derzeit jährlich Praktika in Hausarztpraxen der DG?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.


Frage von Fabienne COLLING (ECOLO), vom 04. November 2026:

Die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung bleibt eine wichtige Herausforderung für die Deutschsprachige Gemeinschaft. Laut einem Bericht des BRF vom Februar 2026 ist die Zahl der aktiven Hausärzte in Ostbelgien zwar von 45 im Jahr 2012 auf 73 im Jahr 2024 gestiegen. Dennoch bestehen weiterhin lokale Versorgungsengpässe, und in einzelnen Gemeinden ist es schwierig, einen Hausarzt zu finden, der neue Patienten aufnimmt.

Die Regierung hat bereits Maßnahmen ergriffen, um dem Ärztemangel entgegenzuwirken. Über das Förderprogramm DuO werden Studierende der Medizin unter bestimmten Voraussetzungen finanziell unterstützt. Im Gegenzug verpflichten sie sich, innerhalb von zehn Jahren nach Abschluss ihres Studiums mindestens fünf Jahre lang zumindest halbtags in Ostbelgien zu arbeiten. Für neue Antragsteller beträgt die Förderung ab dem Schuljahr 2026–2027 allerdings nur noch 200 Euro monatlich; bisherige Förderempfänger können unter den geltenden Bedingungen weiterhin 350 Euro erhalten. Darüber hinaus unterstützt die DG über den Impulseo-Fonds die Niederlassung von Hausärzten mit einer Prämie von 20.000 Euro, einem zinslosen Kredit von bis zu 15.000 Euro sowie Zuschüssen für Praxisassistenten.

Diese Maßnahmen setzen einerseits während des Studiums (DuO) und andererseits bei der späteren Niederlassung an (Impulseo). Dazwischen liegt jedoch eine wichtige Phase: die praktische Ausbildung angehender Ärzte. Wer bereits während seiner Ausbildung eine Hausarztpraxis in Ostbelgien kennenlernt, kann frühzeitig berufliche Kontakte knüpfen und die Region als möglichen zukünftigen Arbeitsort entdecken. Bereits 2024 hielt die Regierung in der Begründung eines Dekretvorentwurfs fest, dass geprüft werden sollte, wie die DG mehr und attraktivere Praktikumsplätze für die Fachausbildung nach dem Medizinstudium anbieten kann. Dieses Dekret wurde bisher im Parlament der DG noch nicht behandelt.

Hierzu unsere Fragen:

1.    Wie viele Medizinstudierende absolvieren derzeit jährlich Praktika in Hausarztpraxen der DG?
2.    Wie viele Hausärzte stehen als betreuende Lehrärzte zur Verfügung?
3.    Wie sind die Überlegungen der DG in Bezug auf die Attraktivität von Praktikumsplätzen in der Zwischenzeit fortgeschritten?


Antwort von Lydia KLINKENBERG (ProDG), Ministerin für Gesundheit, Soziales, Familie und Wohnungswesen:

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist sich bewusst, dass trotz der gestiegenen Zahl an Hausärzten in Ostbelgien die Niederlassung von Hausärzten weiterhin einer gezielten Förderung bedarf, um die Gesundheitsversorgung unserer Bevölkerung auch langfristig zu gewährleisten. Damit einher geht die Frage nach der Attraktivität von Praktikumsplätzen, da sie ein wesentlicher Faktor für die Gewinnung zukünftiger Fachkräfte im Gesundheits- und Pflegebereich ist.

Aktuell sind 17 Hausärzte aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft als betreuende Lehrärzte tätig. Diese Liste befindet sich auf der Seite des LIKIV und ist für jeden einsehbar. Allerdings wird die Anzahl der jährlichen Praktika von Medizinstudenten in Ostbelgien nicht erfasst.

Bezüglich der Attraktivität von Praktikumsplätzen verfolgen wir aufmerksam verschiedene Initiativen, die in anderen Regionen entwickelt werden. Ein wesentlicher Punkt bei der Auswahl eines Praktikumsplatzes ist die Möglichkeit einer kostengünstigen Unterkunft für den Zeitraum des Praktikums. Gerade bei längeren Praktika außerhalb des eigenen Wohnortes stellt die doppelte finanzielle Belastung durch die bestehende Wohnung und eine zusätzliche Unterkunft häufig ein Hindernis dar.

Wir prüfen daher im Austausch mit den Hausärzten und dem Sektor, welche Maßnahmen geeignet sein könnten, um Praktika attraktiver zu gestalten und bestehende Hürden abzubauen. In der Region Verviers wurde dazu ein Projekt („J’adopte un étudiant“) entwickelt. Dabei bieten Bewohner der Region den Praktikanten kostenlose Unterbringungen für die 4-6 Wochen ihrer Praktikumsdauer an. Ein Austausch dazu ist bereits in Planung, um eine Übertragbarkeit auf die Gegebenheiten der Deutschsprachigen Gemeinschaft zu prüfen.

Neben der Unterbringung geht es auch um Fragen zur Begleitung der Praktikanten, der Qualität der Praktikumsplätze und der Rahmenbedingungen insgesamt. Unser Ziel bleibt es, gemeinsam mit den Akteuren vor Ort Lösungen zu entwickeln, die den Bedürfnissen der Studierenden entsprechen und gleichzeitig die Gewinnung von Fachkräften für unsere Gesundheitseinrichtungen nachhaltig stärken. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

 

Zurück Drucken Teilen
Blick auf das Parlament der deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien

Das Parlament

Das Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist ein souveräner Entscheidungsträger in den Kompetenzbereichen der Gemeinschaft.

Das Parlament besuchen

Besucher sind im Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft herzlich willkommen! Von der Identität der deutschsprachigen Belgier bis hin zur Funktionsweise des Parlaments erfahren Sie einiges über Ostbelgien.

Parlament besuchen

Die Geschichte des Parlaments

Das Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft hat sich seit seiner Gründung zu einem wichtigen Akteur der regionalen Politik entwickelt und gestaltet die Autonomie Ostbelgiens maßgeblich mit.

Mehr erfahren