Mündliche Frage Nr. 491 03. November 2026 – Frage von Herr G. LÖFGEN an Herrn Minister FRECHES zur Weiterentwicklung der Bibliotheken als dritte Orte im ländlichen Raum Wie soll die Weiterentwicklung der ostbelgischen Bibliotheken zu dritten Orten konkret umgesetzt werden und welche räumliche, organisatorische und finanzielle Unterstützung ist dafür vorgesehen? Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. Frage von Gerhard LÖFGEN (PFF), vom 03. November 2026: Anlässlich der Vorstellung ihres Jahresberichts hier im Parlament machte Unia darauf aufmerksam, dass die zunehmende Digitalisierung von Dienstleistungen sowohl die Vermittlung digitaler Kompetenzen als auch den Erhalt persönlicher Anlaufstellen erfordert. Die Weiterentwicklung der ostbelgischen Bibliotheken zu „dritten Orten“ schlägt aus unserer Sicht genau in diese Kerbe. Dahinter steht die Idee, Bibliotheken als offene, gut zugängliche Orte zu gestalten, an denen Menschen Begegnung und Unterstützung finden können. Für uns als PFF liegt darin eine wichtige Chance für mehr Chancengerechtigkeit und Lebensqualität. Nicht jeder verfügt über die technischen Möglichkeiten, die notwendigen Kenntnisse oder jemanden im eigenen Umfeld, der bei digitalen Anwendungen helfen kann. Zugleich können Bibliotheken als Begegnungsorte der Vereinsamung entgegenwirken und den Austausch zwischen den Generationen fördern. Damit stärken sie auch die Attraktivität unserer Dörfer und die Möglichkeit, im ländlichen Raum gut älter zu werden. Diese Entwicklung braucht neben einladenden Räumen ebenso passende Angebote und Menschen, die sie tragen können. Wenn Bibliotheken künftig verstärkt Orientierung und praktische Unterstützung anbieten sollen, müssen die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden entsprechend vorbereitet und begleitet werden. Daher meine Fragen an Sie, Herr Minister: 1. Wie soll die Weiterentwicklung der ostbelgischen Bibliotheken zu dritten Orten konkret umgesetzt werden und welche räumliche, organisatorische und finanzielle Unterstützung ist dafür vorgesehen? 2. Welche Rolle sollen Bibliotheken bei der Unterstützung im Umgang mit digitalen Verwaltungsangeboten übernehmen? 3. Sind dafür Schulungen der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden vorgesehen? Antwort von Gregor FRECHES (PFF), Minister für Kultur, Erwachsenenbildung, Tourismus, Denkmal- und Landschaftsschutz: Sehr geehrter Herr Löfgen, werte Kolleginnen und Kollegen, die Weiterentwicklung der ostbelgischen Bibliotheken zu sogenannten „Dritten Orten“ verfolgt das Ziel, sie über ihre klassische Funktion als Orte der Medienausleihe hinaus zu offenen Begegnungs-, Lern- und Teilhabeorten für alle Bürgerinnen und Bürger auszubauen. Dabei soll ein flächendeckendes und niederschwelliges Angebot gewährleistet werden, das möglichst jeder Bürgerin und jedem Bürger einen Zugang zu einer Bibliothek in der eigenen Gemeinde ermöglicht. Im Mittelpunkt stehen neben der Leseförderung insbesondere die Förderung der Medien- und Digitalkompetenz sowie der Ausbau von Begegnungs-, Bildungs- und Informationsangeboten. Um diese Entwicklung nachhaltig zu gestalten, ist der Aufbau eines zentral koordinierten und dezentral umgesetzten Bibliotheksnetzwerks vorgesehen. Ziel ist es, die bestehenden Bibliotheken stärker miteinander zu vernetzen, Ressourcen zu bündeln und vorhandene Kompetenzen gemeinsam zu nutzen. Räumlich soll dieses Netzwerk auf den Medienzentren in Eupen und St. Vith als zentralen Standorten sowie auf Satellitenbibliotheken in den Gemeinden aufbauen. In Zusammenarbeit mit den Gemeinden sollen geeignete Räumlichkeiten und Standorte identifiziert und entsprechende Angebote entwickelt werden. Dies haben wir auch Anfang Oktober mit den jeweiligen Vertretern der Gemeinden vorgestellt. Die organisatorische Koordination, Beratung, Weiterbildung und strategische Begleitung des Netzwerks sollen durch das Medienzentrum erfolgen. Dadurch sollen die einzelnen Bibliotheken unterstützt und ihre Zusammenarbeit langfristig gestärkt werden. Für den Aufbau dieses Netzwerks sind keine zusätzlichen Finanzmittel vorgesehen. Die Umsetzung soll vielmehr auf der Grundlage der bestehenden Strukturen und Ressourcen sowie in enger Zusammenarbeit mit den Gemeinden erfolgen. Zur Beantwortung der zweiten Frage sollen Bibliotheken künftig auch eine wichtige Rolle bei der Förderung der digitalen Teilhabe übernehmen. Als niederschwellige und wohnortnahe Anlaufstellen können sie Bürgerinnen und Bürger dabei unterstützen, Zugang zu digitalen Verwaltungsdienstleistungen zu erhalten und bestehende Angebote selbstständiger zu nutzen. Dabei sollen sie als Bindeglied zwischen den Gemeinden, dem Ministerium und der Bevölkerung fungieren. Ihre Aufgabe besteht insbesondere darin, Orientierung zu bieten, den Zugang zu digitalen Angeboten zu erleichtern und bei grundlegenden Fragen zur Nutzung digitaler Anwendungen zu unterstützen. Sie sollen jedoch keine Verwaltungsdienstleistungen ersetzen oder die fachliche Zuständigkeit der jeweiligen Behörden übernehmen. Darüber hinaus eröffnet die vielfältige Nutzung der Bibliotheksräumlichkeiten neue Möglichkeiten für die Zusammenarbeit mit öffentlichen Verwaltungen. So könnten beispielsweise Expertinnen und Experten aus der Verwaltung regelmäßige Sprechstunden in den Bibliotheken anbieten. Auf diese Weise ließen sich Informations- und Beratungsangebote wohnortnah und über die gesamte Deutschsprachige Gemeinschaft hinweg zugänglicher gestalten. Zur Frage, ob dafür Schulungen der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden vorgesehen sind: Ja. Die Professionalisierung der Bibliotheken und die kontinuierliche Weiterentwicklung der Kompetenzen ihrer haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden sind wesentliche Voraussetzungen für den angestrebten Ausbau des Bibliotheksnetzwerks. Das Medienzentrum soll hierbei eine zentrale Rolle übernehmen und regelmäßige Weiterbildungs- und Beratungsangebote bereitstellen. Diese sollen insbesondere die Mitarbeitenden bei der Weiterentwicklung der bibliothekarischen Arbeit, der Vermittlung von Medien- und Digitalkompetenz sowie bei der Gestaltung neuer Begegnungs- und Bildungsangebote unterstützen. Zudem soll der Austausch zwischen den Bibliotheken und die Weitergabe bewährter Praktiken gezielt gefördert werden. Ziel ist es, vorhandenes Wissen gemeinsam zu nutzen, die Qualität der Angebote zu stärken und eine einheitliche Weiterentwicklung des Bibliotheksnetzwerks zu ermöglichen.
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