Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 489

03. November 2026 – Frage von Herr B. KLINKENBERG an Herrn Minister FRECHES zur Ausstellung „Ostbelgien: Raum für Zukunft“ im Kelmiser Museum

Welche Ziele verfolgt die Regierung mit dem Projekt „Ostbelgien als Raumlabor“?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.


Frage von Björn KLINKENBERG (SP), vom 03. November 2026:

Am Donnerstag, dem 29. Oktober, wird im Museum Vieille Montagne in Kelmis die Ausstellung „Ostbelgien: Raum für Zukunft“ eröffnet. Sie ist bis zum 15. November zu sehen.

Die Ausstellung ist das Ergebnis des Projekts „Raumstrategien der Euregio Maas-Rhein: Ostbelgien als Raumlabor“, das nach Angaben der Organisatoren seit einem Jahr läuft. Beteiligt sind das Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft, die RWTH Aachen und die niederländische Region Parkstad Limburg. Gefördert wird das Projekt über den Small Project Fund „People to People“. Ziel ist es, Synergien in der Grenzregion zu erkennen und den Raum gemeinsam effizienter und nachhaltiger zu nutzen.

Nach den bisher veröffentlichten Informationen werden in der Ausstellung unter anderem Ideen zu folgenden Themen vorgestellt: ein grenzüberschreitendes Mobilitätsnetzwerk, neue Wohnformen und zirkuläres Bauen, Innovations- und Entrepreneurship-Hubs sowie Kultur-, Freizeit- und Kreativlandschaften. Auch ein grenzüberschreitendes Innovationszentrum und eine Landschafts-Kunst-Route sollen präsentiert werden. Die Bevölkerung ist eingeladen, an der Entwicklung des gemeinsamen Lebensraums mitzuwirken.

Mehrere dieser Themen berühren unmittelbar Ihre Zuständigkeiten. Die Landschafts-Kunst-Route und die Kultur- und Kreativlandschaften berühren Kultur und Tourismus. Der Umgang mit Ortskernen, Leerstand und historischer Bausubstanz betrifft den Denkmalschutz und die ländliche Entwicklung. Dass die Ausstellung gerade in Kelmis stattfindet, an einem Ort mit großem industriekulturellem Erbe, unterstreicht diesen Zusammenhang.

Bislang ist öffentlich wenig darüber bekannt, welche konkreten Ergebnisse das Projekt hervorgebracht hat, was mit diesen Ergebnissen geschehen soll und welche Rolle die Gemeinden und die Bevölkerung dabei künftig spielen. Das ist der Anlass für meine Fragen.

1.    Welche Ziele verfolgt die Regierung mit dem Projekt „Ostbelgien als Raumlabor“?
2.    Welche der vorgestellten Ideen hält die Regierung für umsetzbar?
3.    Wie sollen die Ergebnisse nach dem Ende der Ausstellung weiterverwendet werden?


Antwort von Gregor FRECHES (PFF), Minister für Kultur, Erwachsenenbildung, Tourismus, Denkmal- und Landschaftsschutz:

Sehr geehrter Herr Klinkenberg, werte Kolleginnen und Kollegen, innerhalb der Euregio Maas-Rhein wurden in den vergangenen Jahren verschiedene Raumstrategien und Entwicklungskonzepte erarbeitet. Dazu zählen unter anderem die Strategien für das niederländische Süd-Limburg, das Rheinische Revier in Deutschland sowie für Ostbelgien die Zukunftsvision „Ostbelgien leben 2040“.

Ziel des Projekts „Raumstrategien der Euregio Maas-Rhein: Ostbelgien als Raumlabor“ ist es, diese unterschiedlichen Ansätze grenzüberschreitend zusammenzuführen und gemeinsame Entwicklungsperspektiven zu identifizieren. Gerade in einer Grenzregion wie Ostbelgien zeigen sich zahlreiche Herausforderungen, aber auch Chancen, die über territoriale Grenzen hinausgehen und deshalb nur gemeinsam betrachtet werden können.

Dabei möchte ich betonen, dass die Regierung bzw. die DG hier nicht allein das Projekt verwirklicht hat. Die Netzwerkpartner bestehen aus der Parkstad Limburg, der Städteregion Aachen und der Deutschsprachigen Gemeinschaft haben dieses Projekt gemeinsam angegangen. Es wurde im Rahmen des Interreg-Programms als Small Project Fund (SPF) „People to People“ gefördert.

Im Rahmen verschiedener Workshops und Beteiligungsformate haben Vertreter öffentlicher Einrichtungen, Fachakteure, Partnerregionen sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger aus der Euregio gemeinsam Zukunftsperspektiven für die Euregio und für Ostbelgien entwickelt. Daraus sind erste Ideen für mögliche Schlüsselprojekte entstanden, die in Ostbelgien verankert sind und gleichzeitig einen grenzüberschreitenden Mehrwert schaffen können.

Die Zielsetzung dieses Euregio-Projekts besteht dabei nicht darin, möglichst viele neue Projekte zu initiieren, sondern Potenziale zu identifizieren, Partnerschaften zu stärken und tragfähige Ansätze für die zukünftige Entwicklung unseres Lebensraums zu entwickeln.

Zu Ihrer zweiten Frage: Die in der Ausstellung vorgestellten Ideen sind weder politisch beschlossen noch finanziell abgesichert. Es handelt sich um konzeptionelle Ansätze, die zunächst auf ihre Umsetzbarkeit geprüft werden müssen. Einige Ideen knüpfen jedoch unmittelbar an bestehende strategische Überlegungen an. Dies gilt insbesondere für die Entwicklung sogenannter Dritter Orte als Begegnungs-, Innovations- und Gemeinschaftsräume. Darauf kommen wir ja gleich noch heute später zu sprechen. 

Die damit verbundenen Fragestellungen zur Belebung von Ortskernen, zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und zur Attraktivität unserer Gemeinden beschäftigen uns bereits heute und zeigen, dass solche Ansätze grundsätzlich realistische Entwicklungsperspektiven für Ostbelgien bieten.

Auch Überlegungen zu einer Landschafts-Kunst-Route oder zur besseren Vernetzung unterschiedlicher Mobilitätsangebote weisen interessante Potenziale auf. Sie könnten sowohl die Lebensqualität der Bevölkerung als auch die touristische Attraktivität unserer Region stärken. Man denke da nur an die Reaktivierung der Bahnstrecke von Eupen nach Deutschland oder vereinheitlichte Ticketsysteme für den ÖPNV in der Euregio.

Gleichzeitig müssen wir realistisch bleiben. Ob einzelne Projekte tatsächlich weiterverfolgt werden können, hängt von ihrer konkreten Ausgestaltung, den Zuständigkeiten der beteiligten Akteure, der Bereitschaft von Partnern zur Zusammenarbeit sowie nicht zuletzt von den verfügbaren finanziellen Mitteln ab.

Die vorgestellten Ideen verstehen wir daher in erster Linie als Arbeits- und Diskussionsgrundlage. Entscheidend wird sein, jene Ansätze zu identifizieren, die einen erkennbaren Mehrwert für Ostbelgien schaffen und sich unter den gegebenen Rahmenbedingungen auch tatsächlich umsetzen lassen.

Zu Ihrer dritten Frage: Ein wesentliches Ergebnis des Projekts besteht bereits heute im entstandenen grenzüberschreitenden Austausch. Durch die verschiedenen Beteiligungsformate konnten neue Kontakte geknüpft, Netzwerke aufgebaut und gemeinsame Herausforderungen sowie Entwicklungspotenziale innerhalb der Euregio sichtbarer gemacht werden. 

Die erarbeiteten Projektideen sollen auch nach Ende der Ausstellung als Grundlage für den weiteren Austausch mit Partnern, Gemeinden und relevanten Akteuren dienen. In einzelnen Themenfeldern wurden bereits erste Kontakte aufgebaut. So fanden beispielsweise Gespräche mit der Tourismusagentur Ostbelgien und Partnern aus der Euregio zur Idee einer Landschafts-Kunst-Route statt. Darüber hinaus liegen verschiedene Konzeptentwürfe vor, die in den kommenden Monaten weiter diskutiert und bewertet werden können. 

Ob und in welchem Umfang einzelne Vorhaben weiterverfolgt werden, wird von ihrem konkreten Nutzen für Ostbelgien, ihrer Praxistauglichkeit, dem Interesse der beteiligten Partner sowie den verfügbaren finanziellen Möglichkeiten abhängen. Wo es sinnvoll erscheint, werden dabei auch europäische Förderinstrumente wie Interreg in Betracht gezogen.

Die Ergebnisse des Projekts verstehen wir daher vor allem als Impuls für die zukünftige grenzüberschreitende Entwicklung Ostbelgiens. Sie liefern Ideen, schaffen neue Partnerschaften und eröffnen Perspektiven. Welche Ansätze letztlich umgesetzt werden, wird jedoch anhand ihrer Qualität, ihrer Realisierbarkeit und ihres Mehrwerts für Ostbelgien zu bewerten sein.

 

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