Mündliche Frage Nr. 487 03. November 2026 – Frage von Herr M. HENN an Herrn Minister FRECHES zur touristischen Entwicklung und Besucherlenkung im Hohen Venn nach dem Großbrand Welche Auswirkungen erwartet die Regierung infolge des Großbrands im Hohen Venn auf die touristische Entwicklung in Ostbelgien und auf die Attraktivität und Frequentierung des Hohen Venns in den kommenden Jahren? Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. Frage von Marcel HENN (CSP), vom 03. November 2026: Der Großbrand im Hohen Venn im August dieses Jahres hat nicht nur erhebliche Schäden an einer der bedeutendsten Naturlandschaften Belgiens verursacht, sondern wirft auch Fragen hinsichtlich der künftigen touristischen Entwicklung und Attraktivität der Region auf. Im Rahmen des Kick-offs zum Wiederaufbau des Hohen Venns wurden jüngst erste Maßnahmen zur Renaturierung und Wiederherstellung des Gebiets vorgestellt. Parallel dazu wurde bei den Otzenhausener Gesprächen die grenzüberschreitende Zusammenarbeit unter anderem im Umgang mit den Folgen von Vegetationsbränden thematisiert. Vor diesem Hintergrund stellen sich auch für die Deutschsprachige Gemeinschaft Fragen zur touristischen Entwicklung und zur künftigen Besucherlenkung im Hohen Venn. Ich möchte Ihnen dazu folgende Fragen stellen: 1. Welche Auswirkungen erwartet die Regierung infolge des Großbrands im Hohen Venn auf die touristische Entwicklung in Ostbelgien und auf die Attraktivität und Frequentierung des Hohen Venns in den kommenden Jahren? 2. In welcher Form ist die Regierung in die laufenden Überlegungen und Maßnahmen zum Wiederaufbau des Hohen Venns eingebunden, soweit diese die touristische Entwicklung, die Besucherlenkung und das Besuchererlebnis betreffen? 3. Welche Maßnahmen plant die Regierung, um die Besucherlenkung im Hohen Venn während der Wiederaufbauphase gemeinsam mit den zuständigen Partnern weiterzuentwickeln, damit geschädigte und sensible Flächen geschützt und gleichzeitig attraktive Naturerlebnisse für Besucher gewährleistet werden können? Antwort von Gregor FRECHES (PFF), Minister für Kultur, Erwachsenenbildung, Tourismus, Denkmal- und Landschaftsschutz: Sehr geehrter Herr Henn, der Großbrand im Hohen Venn hat zweifellos Auswirkungen auf eine der wichtigsten touristischen Attraktionen Ostbelgiens. Insbesondere die zeitweisen Zugangsbeschränkungen und die Beschädigung touristischer Infrastruktur haben sich leider auf das Besuchererlebnis und teilweise auch auf die Buchungssituation in der Region ausgewirkt. Wir werden deshalb, gemeinsam mit dem wallonischen Tourismusministerium und meiner Kollegin Frau Lescrenier in der Wallonie erneut eine Erhebung bei den Beherbergungsbetrieben durchführen, um die wirtschaftlichen Folgen besser einschätzen zu können. Ziel ist es, ein aktuelles Bild der Buchungssituation zu erhalten und festzustellen, ob sich die verzeichneten Umsatzeinbußen fortsetzen oder ob diese durch die günstige Wetterlage und die gute Kommunikationsoffensive der Tourismusagentur Ostbelgien und VisitWallonia im Herbst teilweise aufgefangen werden konnten. Erst auf dieser Grundlage wird eine fundiertere Einschätzung der tatsächlichen Auswirkungen auf den regionalen Tourismussektor möglich sein. Unbestritten ist, dass die beschädigte touristische Infrastruktur wiederhergestellt werden muss. Dies betrifft insbesondere die dritte Etappe der Venntrilogie, die zu den wichtigsten Wanderprodukten unserer Destination zählt. Gleichzeitig muss jedoch berücksichtigt werden, dass zahlreiche attraktive Bereiche des Hohen Venns vom Brand verschont geblieben sind und weiterhin besucht werden können. Seit vergangenem Montag konnten zudem weitere Zugangsbeschränkungen aufgehoben werden. Lediglich das eigentliche Kerngebiet des Brandes bleibt vorerst gesperrt. Mit Blick auf die kommenden Jahre bin ich zuversichtlich, dass das Hohe Venn seine Bedeutung als zentrale touristische Attraktion Ostbelgiens behalten wird. Auch wenn die Wiederherstellung der geschädigten Flächen und der touristischen Infrastruktur Zeit benötigen wird, sehe ich gute Voraussetzungen dafür, dass sich das Gebiet langfristig erholt und seine Attraktivität zurückgewinnt. Entscheidend wird sein, den Wiederaufbau mit einem nachhaltigen Schutz der Natur und einer verantwortungsvollen Besucherlenkung zu verbinden. Dabei wird derer Wiederaufbau des Hohen Venns federführend durch die Wallonische Region koordiniert, die hierzu bereits eine entsprechende Strategie erarbeitet hat. Da das Hohe Venn jedoch eine zentrale Bedeutung für die touristische Entwicklung der gesamten Grenzregion und insbesondere Ostbelgiens besitzt, ist es wichtig, dass die Deutschsprachige Gemeinschaft in diesen Prozess eingebunden wird. Ministerpräsident Dolimont hat mir auf meine Nachfrage hin zugesichert, dass die Deutschsprachige Gemeinschaft im zentralen, strategischen Lenkungsausschuss vertreten sein wird. Darüber hinaus erfolgt eine Einbindung auf Ebene des territorialen Komitees. Damit ist sichergestellt, dass die Interessen und Perspektiven Ostbelgiens bei den weiteren Überlegungen zum Wiederaufbau berücksichtigt werden können. Eine wichtige Rolle übernimmt dabei auch die Tourismusagentur Ostbelgien. Sie wird in der Arbeitsgruppe „Gästekommunikation, Gästelenkung und Sensibilisierung“ vertreten sein. Die Regierung versteht ihre Rolle dabei als aktive Begleitung und Interessenvertretung der Deutschsprachigen Gemeinschaft innerhalb der regionalen Zusammenarbeit. Ziel ist es, den Wiederaufbau des Hohen Venns touristisch sinnvoll zu begleiten und gleichzeitig sicherzustellen, dass Naturschutz, Besucherinteressen und die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus angemessen berücksichtigt werden. Nun zu den Maßnahmen der Regierung und ihrer dritten Frage: Die Besucherlenkung ist unabhängig vom aktuellen Brandereignis ein wesentlicher Bestandteil einer nachhaltigen touristischen Entwicklung des Hohen Venns. Gerade in einem ökologisch sensiblen Naturraum ist es wichtig, Besucherströme so zu lenken, dass empfindliche Flächen geschützt und gleichzeitig attraktive Naturerlebnisse ermöglicht werden. Für die Maßnahmen innerhalb des Naturschutzgebietes wird die Deutschsprachige Gemeinschaft keine eigenständigen Planungen vornehmen. Diese liegen in der Zuständigkeit der verantwortlichen Partner und werden im Rahmen der gemeinsamen Wiederaufbaustrategie abgestimmt. Die Deutschsprachige Gemeinschaft wird sich über die vorgesehenen Gremien und insbesondere durch die Beteiligung der Tourismusagentur an der Arbeitsgruppe einbringen. Eine konkrete Maßnahme, die die Deutschsprachige Gemeinschaft selbst umsetzen möchte, ist die Einrichtung einer digitalen Verkehrsinformationstafel an einer Einfallstraße zum Hohen Venn auf dem Gebiet der Stadt Eupen. Darüber könnten Besucherinnen und Besucher frühzeitig über Straßensperrungen, Umleitungen und Zugangsbeschränkungen informiert werden. Gleichzeitig ließen sich alternative Ausflugsziele und touristische Angebote, beispielsweise andere Wintersportgebiete, kommunizieren. Damit könnten Besucherströme gezielter verteilt und stark frequentierte oder vorübergehend gesperrte Bereiche entlastet werden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Sensibilisierung der Gäste. Die Tourismusagentur Ostbelgien soll weiterhin über geeignete Kommunikationskanäle auf einen verantwortungsvollen Umgang mit empfindlichen Naturgebieten aufmerksam machen. Dazu gehören insbesondere die Beachtung von Wegführungen, Sperrungen und Schutzbestimmungen sowie die Information über die ökologischen Besonderheiten des Hohen Venns. Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit!
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