Schriftliche Frage Nr. 191 23. Oktober 2026 – Frage von Herr C. SERVATY an Herrn Minister FRANSSEN zur KI-bedingten Arbeitslosigkeit von Inhabern eines akademischen Abschlusses Wie viele Arbeitsstellen nutzen aktuell KI als Hilfsmittel, welche Branchen haben welchen Anteil, wie hat sich diese Nutzung von 2022 bis jetzt entwickelt und wie sieht diesbezüglich die mittel- bis langfristige Entwicklung aus? Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. Frage von Charles SERVATY (SP), vom 21. September 2026: Am 30. April 2026 veröffentlichte das Arbeitsamt der Deutschsprachigen Gemeinschaft die Arbeitslosenzahlen aus dem ersten Quartal 2026. Dabei ist auf einer der dort abgebildeten Grafiken zu erkennen, dass knapp 16 % der als arbeitslos geltenden Personen einen Universitäts- beziehungsweise Hochschulabschluss aufweisen. Lange Zeit hielt sich die Behauptung, dass das Hochschulstudium der Schlüssel für eine langfristige und finanziell gut entlohnende berufliche Tätigkeit ist. Doch diese Annahme ist schon seit geraumer Zeit nicht mehr unbestritten haltbar. Ein Grund dafür ist die weltweit wachsende Entwicklung von künstlicher Intelligenz (KI) und deren kontinuierlich steigende Nutzung in allen möglichen Bereichen der Gesellschaft. In Belgien allein verwenden nach OECD-Bericht knapp 42 % der Personen zwischen 16 und 74 Jahren regelmäßig generative KI-Tools. Der Grund ist einfach. Viele Tätigkeiten und auch Entscheidungsfindungen können mithilfe von KI effizienter, schneller und genauer vonstattengehen, was die Nutzung vor allem im beruflichen Umfeld sehr attraktiv macht. Aus diesem Grund nimmt die KI auch in diesem Bereich bereits seit mehreren Jahren einen kontinuierlich wachsenden Einfluss auf zahlreiche Berufe. Im Jahr 2020 haben knapp 11 % des Informations- und Kommunikationssektors in Belgien künstliche Intelligenz genutzt, im Jahr 2025 sind es bereits knapp 80 %. Dabei kann man vor allem ab dem Jahr 2023 feststellen, dass die Nutzung von KI in allen möglichen Branchen rasant zunimmt. Dabei kann KI in zwei unterschiedlichen Kategorien eingesetzt werden. Zum einen kann sie nur als Werkzeug dienen, welches zur Erleichterung der Arbeitsabläufe eingesetzt wird. Laut dem Goldman Sachs Global Investment Research könnten in zwei Dritteln der aktuellen Berufe Teile der Arbeitsabläufe durch KI automatisiert werden. Aber es können eben nicht nur Arbeiten erleichtert werden. Laut Schätzungen der Ökonomen Jan Hatzius, Joseph Briggs, Devesh Kodnani und Giovanni Pierdomenico aus dem Jahr 2023 könnten auf den Arbeitsmärkten der Vereinigten Staaten und des Euroraums etwa ein Viertel der Arbeitsplätze vollständig durch KI ersetzt werden. Entscheidend für den Wegfall eines Jobs ist laut der Ökonomen die Art der Beschäftigung. Dabei wird in ihrer Studie deutlich, dass allein im Bereich des „Office and Administrative Support“, zu Deutsch Büro und Verwaltungsassistenz, knapp 46 % der Jobs wegfallen könnten. Doch nicht nur diese, sondern auch viele weitere Berufsgruppen sind von massiven Arbeitsplatzverlusten durch KI bedroht. In der untenstehenden Tabelle sind die Berufsgruppen aufgelistet, die zu mindestens 30 % durch KI komplett automatisiert werden könnten: Art des Berufs: Anzahl an automatisierbaren Jobs (in Prozent): Büro und Verwaltungsassistenz 46 Justizwesen 44 Architektur und Ingenieurswesen 37 Lebens-, Körper-, und Sozialwissenschaften 36 Business- und Finanzwesen 35 Gesellschaftliche und soziale Dienstleistungen 33 Management 32 Verkauf und verwandte Sektoren 31 Diese und noch viele weitere Berufszweige laufen Gefahr, in naher oder ferner Zukunft durch künstliche Intelligenz in erheblichem Maße ersetzt werden zu können. Laut der Szenarioanalyse dieser Ökonomen geht man von einer letztlichen Automatisierung von 15-35 % aller aktuellen Stellen aus. Dabei ist festzuhalten, dass Arbeiten, die im Freien oder auch körperlich ausgeübt werden, aktuell noch selten oder gar nicht betroffen sind. Eine neuere Studie aus dem Jahr 2025 vergleicht die Entwicklung des US-Arbeitsmarktes zwischen Ende 2022 und Anfang 2025. Dieser Zeitraum ist entscheidend, da in diesem die Nutzung leistungsstarker KI-Modelle sowie die zunehmende Massentauglichkeit dieser Technologie auf dem Arbeitsmarkt miteinbezogen sind. Sie kommt zu dem Resultat, dass KI zu einer Verringerung der totalen Beschäftigungsrate, zu einer Erhöhung der Arbeitslosenrate und zu einer Reduzierung von Arbeitsstunden in hauptberuflichen Tätigkeiten führt. Zudem wird ein Anstieg von Zweitbeschäftigungen und der Rückgang von Vollzeitbeschäftigungen beobachtet, insbesondere bei Arbeitnehmern unter 30 und über 50 Jahren, bei Männern und bei Personen mit einem Hochschulabschluss. Vor allem Berufe, die komplexes logisches Denken benötigen und kognitive Aufgaben erfordern, weisen die stärksten negativen Auswirkungen auf, während körperliche Tätigkeiten weniger stark betroffen sind und sogar ein Beschäftigungswachstum verzeichnen. Zeitgleich betont die Studie, dass die Geschwindigkeit der Entwicklung von KI und die Nutzung von KI in Unternehmen erst am Anfang stehen, was bedeutet, dass die genauen Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkt noch nicht klar sichtbar sind. Und die Studie hat einen klaren Appell an die Politik: Es braucht proaktive Ansätze der Arbeitsmarktpolitik, wozu bessere Daten, Messinstrumente, Qualitätsentwicklung, berufliche Weiterbildungen und soziale Sicherungssysteme benötigt werden. Als weiterer Hinweis gibt die Studie an, dass erst ab Mitte 2025 die ersten Ergebnisse von KI auf den Arbeitsmarkt sichtbar werden. Die beiden Ökonomen sollten diesbezüglich Recht behalten, denn im Februar 2025 veröffentlichte der Hohe Rat für Beschäftigung (conseil supérieur de l’emploi) diesbezüglich einen Bericht. In diesem wird festgehalten, dass im Jahr 2025 rund 35 % der belgischen Unternehmen mindestens eine Form von KI nutzen, das sind 20 % mehr als noch 2023. Die Branchen, die laut diesem Bericht die aktuell höchste KI-Nutzungsrate aufweisen, sind die Energie-, IT- und Kommunikationsbranchen sowie wissenschaftliche, bzw. technische Dienstleistungen. Explizit nutzen in diesen Branchen vor allem Büro- und Verwaltungskräfte KI, wobei es wichtig zu erwähnen ist, dass Frauen überdurchschnittlich oft diese Stellen besetzen. Damit besteht die Gefahr, bei einer möglichen steigenden Arbeitslosigkeit durch KI die Lohnkluft zwischen Männern und Frauen weiter zu verschärfen. Und auch viele junge Menschen besitzen ein höheres Risiko, in Branchen, wo viel mit KI gearbeitet wird, keinen langfristigen und sicheren Beruf zu finden. Laut einer aktuellen Analyse des HR-Dienstleisters Securex bekommen junge Menschen unter 30 Jahre nur noch zu 31,8 % neue feste Verträge, was im Vergleich zum Jahr 2024 einem relativen Rückgang von 21 % entspricht. Als Grund wird die unsichere wirtschaftliche Lage genannt, wobei ein Zusammenhang zwischen diesem Umstand und einer wachsenden Nutzung von KI ebenfalls „als legitim“ hervorgehoben werden muss. Und auch für Personen, die aktuell ihr Studium absolvieren, besteht die reelle Gefahr, trotz eines Hochschulabschlusses erst deutlich später als üblich eine berufliche Laufbahn einschlagen zu können. In einem Artikel der flämischen Tageszeitung “De Standaard” vom 29. Juni 2026 wird die Situation angehender Informatiker auf dem Arbeitsmarkt beschrieben. Viele Studierende verfügen im letzten Studienjahr noch nicht über eine feste berufliche Perspektive. Nach Angaben des VDAB ist die Zahl der Stellenangebote im IT-Bereich innerhalb der letzten zwölf Monate um 22 % gesunken, im Vergleich zu 2022 beträgt der Rückgang sogar 59 %. Gleichzeitig weist der VDAB darauf hin, dass es weiterhin zahlreiche Mangelberufe innerhalb der IT-Branche gibt und in Flandern nach wie vor mehrere Tausend offene IT-Stellen bestehen. Der Artikel betont jedoch, dass insbesondere Berufseinsteiger vor größeren Herausforderungen stehen als noch vor einigen Jahren. Als Ursachen werden das Ende des durch die Corona-Pandemie ausgelösten Digitalisierungsbooms, geopolitische Unsicherheiten sowie der zunehmende Einsatz von künstlicher Intelligenz genannt. KI-Systeme können bereits heute viele einfache Programmieraufgaben übernehmen, wodurch die Nachfrage nach Junior-IT-Profilen künftig weiter sinken könnte. Doch die KI bleibt bei den IT-Berufen nicht stehen. Viele Berufszweige akklimatisieren sich erst langsam, doch die Tendenz zeigt klar eine wachsende Nutzung von KI in allen Branchen. Fakt ist: KI birgt die Gefahr, die Anzahl an aktuellen und zukünftigen Arbeitsplätzen in vielen unterschiedlichen Branchen zu verringern. Dies wird zu erhöhten Arbeitslosenquoten führen, wobei sich Armut, soziale Ungleichheit und viele weitere gesellschaftliche Probleme deutlich verschärfen könnten. Um die Auswirkungen dieser Erkenntnisse auf die DG und die diesbezügliche Strategie der Regierung in Erfahrung zu bringen, habe ich folgende Fragen an die Regierung: 1. Wie viele Arbeitsstellen nutzen aktuell KI als Hilfsmittel, welche Branchen haben welchen Anteil, wie hat sich diese Nutzung von 2022 bis jetzt entwickelt und wie sieht diesbezüglich die mittel- bis langfristige Entwicklung aus? 2. Welches Alter, welchen Wohnort, welches Geschlecht, welchen Studienabschluss (Bachelor/Master/Doktor) und welche Studienrichtung(en) haben Personen, die aktuell KI als Hilfsmittel in ihrem Beruf nutzen? 3. Kann man einen Zusammenhang zwischen den aus der Frage 2 festgestellten Personengruppen herausarbeiten, welche gesellschaftlichen Gruppen am stärksten betroffen sind? 4. Wie viele Stellen in der DG gehören zu den in der vorher dargestellten Tabelle aufgelisteten Berufen? 5. Sieht die Regierung weitere Berufsgruppen als gefährdet an, die nicht in der Tabelle erwähnt, aber explizit in der DG einer Gefährdung ausgesetzt sind? 6. Welches Alter, welchen Wohnort, welches Geschlecht, welchen Studienabschluss (Bachelor/Master/Doktor) und welche Studienrichtung(en) haben die betroffenen Personen, die in den Fragen 4 und 5 herausgearbeitet worden sind? 7. Kann man einen Zusammenhang zwischen den aus der Frage 6 festgestellten Personengruppen herausarbeiten, welche gesellschaftlichen Gruppen am stärksten betroffen sind? 8. Wie hat sich die Anzahl der Stellen bzw. Stellenangebote seit 2022 in den Berufsfeldern verändert, die in der dargestellten Tabelle der Frage erwähnt werden? 9. Kann ein Wachstum der Arbeitslosenzahlen bei Akademikern im Zusammenhang mit einer steigenden Nutzung von KI festgehalten werden? 10. Inwieweit hat sich seit 2022 die Anzahl an Vollzeitbeschäftigungen bei Akademikern verändert? 11. Inwieweit hat sich seit 2022 die Anzahl Arbeitsstunden von Vollzeitbeschäftigten bei Akademikern verändert? 12. Inwieweit hat sich seit 2022 die Anzahl an Zweitbeschäftigungen verändert? 13. Inwieweit hat sich seit 2022 die Beschäftigungsquote in Berufsgruppen mit mehrheitlich körperlichen Tätigkeiten verändert? 14. Inwieweit kann man bei den Fragen 10, 11, 12 und 13 festgestellten Veränderungen des Arbeitsmarktes einen Zusammenhang mit einer verstärkten Nutzung von KI herstellen und gibt es Prognosen, wie sich diese in Zukunft gestalten wird? 15. Kann man Branchen in der DG festmachen, wo KI Arbeitsplätze bereits ersetzt hat und in Zukunft ersetzen wird und welches sind diese Branchen? 16. Kann man bezüglich der gestellten Frage 15 auch einen Unterschied zwischen den Kantonen Sankt-Vith und Eupen feststellen? 17. Inwieweit nutzt die Regierung Messinstrumente, um den Einfluss von KI auf den Arbeitsmarkt zu beobachten? 18. Wie schätzt die Regierung die Fähigkeit der DG und ihrer Gemeinden ein, auf die kommenden durch KI bedingte Arbeitsplatzverluste und steigenden Arbeitslosenzahlen zu reagieren, welche Maßnahmen sind diesbezüglich angedacht und welche Kosten werden diese Maßnahmen mit sich bringen? 19. Beabsichtigt die Regierung, im Kontext der wachsenden Nutzung von KI die berufliche Ausbildung an sich und die Werbung für diese zu intensivieren und welche Maßnahmen sind diesbezüglich geplant? 20. Welche anderen Maßnahmen zieht die Regierung in Betracht, um Schüler, die eine akademische oder verwaltungstechnische Berufslaufbahn einschlagen wollen, bei ihrer Berufsfindung stärker zu unterstützen? 21. Gibt es Statistiken, wie lange Studienabsolventen Zeit benötigen, um eine berufliche Tätigkeit zu finden und wie genau hat sich dieser Zeitraum seit dem Jahr 2022 entwickelt? 22. Wie hat sich die Anzahl an Jobangeboten für Berufseinsteiger mit Hochschulabschluss seit dem Jahr 2022 verändert? Antwort von Jérôme FRANSSEN (CSP), Minister für Unterricht, Ausbildung und Beschäftigung: 1. Wie viele Arbeitsstellen nutzen aktuell KI als Hilfsmittel, welche Branchen haben welchen Anteil, wie hat sich diese Nutzung seit 2022 entwickelt und wie sieht die mittel- bis langfristige Entwicklung aus? Für die Deutschsprachige Gemeinschaft liegen derzeit keine ausreichenden Daten vor, um die Zahl der Arbeitsplätze, an denen KI genutzt wird, nach Branchen aufzuschlüsseln und ihre Entwicklung seit 2022 verlässlich zu quantifizieren. Eine umfassende Analyse der Auswirkungen von KI auf den belgischen Arbeitsmarkt enthält der vom Fragesteller zitierte Bericht des Hohen Rates für Beschäftigung „L’Intelligence Artificielle et le marché du travail en Belgique“ (2026). Eine weitere interessante Studie des IWEPS vom 22. Juni 2026 untersucht, ob KI in großem Umfang Arbeitsplätze vernichtet, Menschen von Routinearbeiten entlastet und ihnen dadurch wertvollere Tätigkeiten ermöglicht oder dazu führt, dass freiwerdende Ressourcen für Tätigkeiten unterschiedlicher Wertigkeit eingesetzt werden. Für Belgien zeigen die verfügbaren Daten eine rasche Zunahme der KI-Nutzung. Im Jahr 2025 nutzten rund 35 % der Unternehmen mindestens eine Form von KI. Besonders verbreitet ist deren Einsatz in den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnologien sowie wissenschaftliche und technische Dienstleistungen. Die verfügbaren Untersuchungsergebnisse zeigen, dass die Betroffenheit je nach Berufsgruppe stark variiert. Den zugrunde liegenden Untersuchungen zufolge arbeiten insgesamt 43 % der Beschäftigten in einem stark KI-exponierten Beruf. Bei Führungskräften beträgt dieser Anteil 84 %, bei Verwaltungsangestellten 79 % und bei Beschäftigten in intellektuellen, wissenschaftlichen und künstlerischen Berufen 71 %. Ostbelgien ist von der zunehmenden Veränderung von Tätigkeiten durch KI nicht ausgenommen. Entscheidend dürfte dabei nicht allein sein, welche Branchen KI einsetzen, sondern auch, welche Aufgaben innerhalb dieser Branchen automatisiert, unterstützt oder neu organisiert werden. 2. Welches Alter, welchen Wohnort, welches Geschlecht, welchen Studienabschluss und welche Studienrichtung haben Personen, die aktuell KI als Hilfsmittel in ihrem Beruf nutzen? Eine belastbare Auswertung für die Deutschsprachige Gemeinschaft nach Alter, Wohnort, Geschlecht, Hochschulabschluss und Studienrichtung liegt derzeit nicht vor. Die verfügbaren Untersuchungen zeigen jedoch, dass die berufliche Exposition gegenüber KI stark vom Tätigkeitsprofil und den damit verbundenen kognitiven Anforderungen abhängt. Hochqualifizierte Beschäftigte arbeiten besonders häufig in stark KI-exponierten Berufen. Zugleich verfügen sie im Durchschnitt häufiger über Fähigkeiten, die es ihnen ermöglichen, KI ergänzend zu ihrer eigenen Arbeit einzusetzen. Bei geringer qualifizierten Beschäftigten ist die unmittelbare berufliche Exposition im Durchschnitt geringer. Sind ihre Tätigkeiten betroffen, können sie jedoch schlechter auf Veränderungen vorbereitet sein – insbesondere aufgrund geringerer digitaler und KI-bezogener Kompetenzen sowie einer geringeren Teilnahme an entsprechenden Weiterbildungen. Für die DG ist deshalb zwischen der Frage zu unterscheiden, wer KI bereits nutzt, und der Frage, wer durch ihre Einführung beruflich besonders betroffen sein könnte. Aus der Wirtschaftsstruktur lässt sich eine vergleichsweise geringere durchschnittliche Exposition ableiten. Daraus folgt jedoch nicht, dass bestimmte Personengruppen innerhalb der DG geschützt wären. 3. Kann man einen Zusammenhang zwischen den festgestellten Personengruppen herausarbeiten und bestimmen, welche gesellschaftlichen Gruppen am stärksten betroffen sind? Die bisherigen Ergebnisse sprechen dafür, die Betroffenheit in erster Linie anhand der Tätigkeitsprofile und nicht allein anhand der Bildungsabschlüsse zu beurteilen. Besonders stark KI-exponiert sind Führungskräfte, Verwaltungsangestellte sowie Beschäftigte in intellektuellen, wissenschaftlichen und künstlerischen Berufen. Dabei ist zwischen der Veränderung einzelner Tätigkeiten und dem tatsächlichen Wegfall von Arbeitsplätzen zu unterscheiden. Die insgesamt größere Bedeutung von Industrie- und Arbeiterberufen in der DG dürfte die durchschnittliche unmittelbare KI-Exposition begrenzen. Erhebliche Auswirkungen auf einzelne Berufsgruppen sind dadurch jedoch nicht ausgeschlossen. Besonders zu beobachten sind folgende Gruppen: Junge Menschen ohne Berufserfahrung, da KI gerade einfache, standardisierte Aufgaben übernehmen kann, über die bislang erste Berufserfahrung gesammelt wurde. Junge Hochschulabsolventen, die in stark KI-exponierten akademischen und wissensintensiven Berufen möglicherweise auf weniger Einstiegsstellen treffen. Beschäftigte in administrativen und dokumentationsintensiven Tätigkeiten, deren Aufgaben besonders häufig durch KI unterstützt oder teilweise automatisiert werden können. Geringer qualifizierte Beschäftigte mit begrenzten digitalen Kompetenzen, die bei Veränderungen ihrer Tätigkeiten möglicherweise zusätzliche Unterstützung benötigen. Studien weisen außerdem auf mögliche Nachteile für Frauen hin, insbesondere aufgrund ihrer stärkeren Vertretung in Verwaltungsberufen. Auch junge Arbeitskräfte mit wenig Berufserfahrung könnten in stark KI-exponierten Berufen besonders früh negative Beschäftigungseffekte spüren. Diese Zusammenhänge sind auch für die DG relevant. 4. Wie viele Stellen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft gehören zu den in der Frage aufgelisteten Berufen? Auf Grundlage der bislang verfügbaren Beschäftigungsstatistiken der DG lässt sich keine genaue Zahl angeben. Die Statistiken erfassen die Beschäftigung überwiegend nach Wirtschaftszweigen und nicht in der erforderlichen Differenzierung nach einzelnen Berufen und deren KI-Exposition. Die Wirtschaftsstruktur Ostbelgiens liefert jedoch wichtige Hinweise für die Einordnung. Mit rund 21 % der Arbeitsplätze ist das verarbeitende Gewerbe ein besonders bedeutender Beschäftigungssektor. Auch das Gesundheits- und Sozialwesen, der Handel und der Unterricht haben ein erhebliches Gewicht. Der vergleichsweise hohe Anteil an Arbeiterberufen und Tätigkeiten mit geringeren formalen Qualifikationsanforderungen spricht dafür, dass der Anteil stark KI-exponierter Tätigkeiten insgesamt geringer sein könnte als in stärker akademisch und dienstleistungsorientierten Regionen Belgiens. Eine genaue Quantifizierung ist daraus nicht möglich. Zudem können innerhalb derselben Branche erhebliche Unterschiede bestehen: Administrative Tätigkeiten in einem Industriebetrieb können beispielsweise stärker KI-exponiert sein als die unmittelbar körperliche Arbeit in der Produktion. Für eine belastbare Berechnung müsste die Beschäftigung nach Berufsgruppen mit den jeweiligen KI-Expositionswerten verknüpft werden. Dabei wäre ausdrücklich zwischen der Zahl der KI-exponierten Arbeitsplätze und der Zahl der potenziell wegfallenden Arbeitsplätze zu unterscheiden. 5. Sieht die Regierung weitere Berufsgruppen als gefährdet an, die nicht in der Tabelle erwähnt, aber explizit in der DG einer Gefährdung ausgesetzt sind? Neben den bereits genannten Berufsgruppen sollten insbesondere folgende Tätigkeitsfelder beobachtet werden: Büro- und Verwaltungsberufe, Sekretariat und Assistenz; Buchhaltung und Finanzverwaltung; Teile des Managements und der kaufmännischen Dienstleistungen; wissensintensive Tätigkeiten sowie Teile der IT- und Programmierberufe; administrative und dokumentationsintensive Tätigkeiten im Gesundheits- und Sozialwesen; Tätigkeiten in der Erstellung, Verarbeitung und Kontrolle von Texten, Daten und Dokumenten. Die eingangs erwähnten Untersuchungsergebnisse zeigen, dass Gesundheitsberufe differenziert betrachtet werden müssen. Viele dieser Berufe können durch KI unterstützt werden, ohne dass ein umfassender Ersatz des Pflegepersonals oder der Ärzte wahrscheinlich erscheint. Körperliche Interaktion, Empathie sowie ethische und rechtliche Verantwortung bleiben zentrale Bestandteile dieser Tätigkeiten. Ein höheres Substitutionsrisiko besteht hingegen bei repetitiven administrativen Tätigkeiten, etwa in medizinischen Sekretariaten. Für die DG ist außerdem zu berücksichtigen, dass viele Berufe mit ausgeprägtem Fachkräftemangel – etwa im Handwerk, im Bau, in der Instandhaltung, in der Pflege und in bestimmten Produktionsbereichen – eine geringere unmittelbare KI-Exposition aufweisen. Gerade hier kann KI dazu beitragen, knappe Arbeitskräfte produktiver einzusetzen, beispielsweise durch bessere Planung, Dokumentation und Wartung. Die geringere durchschnittliche Exposition bedeutet somit nicht, dass die DG von den Veränderungen verschont bleibt. Vielmehr spricht sie dafür, die Auswirkungen von KI gezielt nach Berufsgruppen und Tätigkeiten zu beobachten, statt von einer gleichmäßigen Gefährdung aller Branchen auszugehen. 6. Welches Alter, welchen Wohnort, welches Geschlecht, welchen Studienabschluss und welche Studienrichtungen haben die von diesen Entwicklungen betroffenen Personen? Eine belastbare personenbezogene Auswertung für die Deutschsprachige Gemeinschaft liegt derzeit nicht vor. Die verfügbaren Untersuchungen zeigen, dass hochqualifizierte Beschäftigte besonders häufig in stark KI-exponierten Tätigkeiten arbeiten. Gleichzeitig können auch geringer qualifizierte Beschäftigte gefährdet sein, wenn ihnen die erforderlichen digitalen Kompetenzen fehlen und sie weniger Zugang zu Weiterbildungen haben. Für Ostbelgien ist insbesondere die Situation junger Menschen zu beachten. Auch wenn der Anteil stark KI-exponierter Tätigkeiten aufgrund der regionalen Wirtschaftsstruktur insgesamt derzeit geringer sein dürfte, können junge Hochschulabsolventen in stark exponierten Berufsfeldern Schwierigkeiten beim Einstieg in den Arbeitsmarkt haben. Dies gilt insbesondere dann, wenn bisherige Einstiegsaufgaben durch KI verändert oder teilweise automatisiert werden. Die Untersuchung weist außerdem auf mögliche Nachteile für Frauen und Berufseinsteiger hin. Diese Ergebnisse sind als Hinweise auf mögliche Risikogruppen zu verstehen, nicht als Nachweis bereits eingetretener KI-bedingter Arbeitsplatzverluste in Ostbelgien. 7. Kann man einen Zusammenhang zwischen den festgestellten Personengruppen herausarbeiten und bestimmen, welche gesellschaftlichen Gruppen am stärksten betroffen sind? Die bisherigen Ergebnisse erlauben eine erste qualitative Einordnung, jedoch keine belastbare Rangfolge der am stärksten betroffenen gesellschaftlichen Gruppen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Aufgrund der Wirtschafts- und Beschäftigungsstruktur dürfte die durchschnittliche unmittelbare KI-Exposition in der DG derzeit geringer sein als in stärker akademisch und wissensintensiv geprägten Regionen. Dennoch sollten insbesondere folgende Gruppen beobachtet werden: Junge Berufseinsteiger, insbesondere Hochschulabsolventen, da KI einfache und standardisierte Einstiegsaufgaben verändern und dadurch den Zugang zu bestimmten Berufen erschweren könnte. Beschäftigte in administrativen und dokumentationsintensiven Tätigkeiten, da zahlreiche ihrer Aufgaben durch KI unterstützt oder teilweise automatisiert werden können. Hochqualifizierte Beschäftigte in wissensintensiven Berufen, deren Tätigkeiten häufig stark KI-exponiert sind, die zugleich aber Möglichkeiten haben, KI ergänzend einzusetzen. Geringer qualifizierte Beschäftigte mit begrenzten digitalen Kompetenzen, da sie unter Umständen schlechter auf veränderte Tätigkeitsanforderungen vorbereitet sind. Frauen in administrativen Tätigkeiten, sofern sich die in der Untersuchung beschriebenen Unterschiede bei der beruflichen Verteilung und den digitalen Kompetenzen auch in der DG bestätigen. Für die politische Bewertung ist entscheidend, dass eine hohe KI-Exposition nicht automatisch einen Arbeitsplatzverlust bedeutet. Sie kann ebenso zu einer veränderten Arbeitsorganisation, einer Entlastung von Routinetätigkeiten oder einem höheren Qualifikationsbedarf führen. Aus Sicht der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist deshalb eine systematische Beobachtung dieser Gruppen sinnvoll. Besondere Aufmerksamkeit sollte dem Übergang von der Ausbildung in den Beruf gelten. Ergänzend sollten digitale Weiterbildungen, KI-Kompetenzen und eine frühzeitige Anpassung der beruflichen Ausbildung gestärkt werden. 8. Wie hat sich die Anzahl der Stellen bzw. Stellenangebote seit 2022 in den Berufsfeldern verändert, die in der dargestellten Tabelle der Frage erwähnt werden? Die in der Frage verwendete Gruppierung der Berufe entspricht nicht der vom Arbeitsamt verwendeten Berufsklassifizierung. Eine entsprechende Entwicklung lässt sich daher nicht vergleichbar nachvollziehen. Betrachtet man die Entwicklung der beim Arbeitsamt gemeldeten Stellenangebote nach Beruf – die wohlgemerkt nur einen Teil der gesamten Arbeitskräftenachfrage abbilden –, fällt auf, dass die Nachfrage seit 2022 in einigen Berufsgruppen besonders stark zurückgegangen ist, und zwar stärker als die ohnehin rückläufige Zahl der Stellen insgesamt. Dies betrifft Büroangestellte im weiteren Sinne, das Unterrichtspersonal und Reinigungskräfte. Aus diesen Entwicklungen lässt sich jedoch kein KI-bedingter Beschäftigungsrückgang ableiten. 9. Kann ein Wachstum der Arbeitslosenzahlen bei Akademikern im Zusammenhang mit einer steigenden Nutzung von KI festgehalten werden? Die Zahl der arbeitslosen Akademiker, insbesondere der Personen mit Bachelordiplom, ist in den vergangenen Jahren tatsächlich stärker gestiegen als die Zahl der Arbeitslosen in anderen Qualifikationsgruppen. Auch der Anteil der Akademiker an allen Arbeitslosen ist leicht gestiegen: von 15 % im Juni 2022 auf 18 % im Juni 2025 und 17 % im Juni 2026. Es gibt keine Datengrundlage, anhand derer sich feststellen ließe, ob dieser Anstieg auf den Einsatz von KI zurückzuführen ist. Die unter 30-Jährigen sind davon kaum betroffen; stärker betroffen ist die Altersgruppe der 30- bis 40-Jährigen. Zum Anstieg haben allerdings auch andere Faktoren beigetragen, etwa die ukrainischen Flüchtlinge, von denen viele über einen Hochschulabschluss verfügen. 10. Inwieweit hat sich seit 2022 die Anzahl an Vollzeitbeschäftigungen bei Akademikern verändert? Siehe Antwort auf Frage 11. 11. Inwieweit hat sich seit 2022 die Anzahl Arbeitsstunden von Vollzeitbeschäftigten bei Akademikern verändert? Laut Angaben des Steunpunt Werk lag die Beschäftigungsquote hochqualifizierter Personen (Hochschule/Universität) im Alter von 20 bis 64 Jahren mit Wohnsitz in der DG in den vergangenen Jahren relativ konstant bei rund 71,5 %. Der letzte verfügbare Stand bezieht sich auf das Jahr 2024. 12. Inwieweit hat sich seit 2022 die Anzahl an Zweitbeschäftigungen verändert? Angaben zu Mehrfachbeschäftigungen liegen im Datawarehouse der BCSS (Kreuzpunktdatenbank der Sozialen Sicherheit) vor. Sie beziehen sich allerdings nur auf Beschäftigungen in Belgien, da sie auf Meldungen bei belgischen Einrichtungen der Sozialen Sicherheit beruhen. Außerdem reichen die aktuellsten verfügbaren Daten nur bis 2023. Der Anteil der in Belgien beschäftigten Personen mit Wohnsitz in der DG, die mehr als einer Beschäftigung nachgehen, lag 2022 und 2023 unverändert bei 8,1 %. Für Belgien insgesamt betrug der Anteil 8,8 %. Meist handelt es sich um Personen, die eine abhängige Beschäftigung mit einer selbstständigen Tätigkeit kombinieren. 13. Inwieweit hat sich seit 2022 die Beschäftigungsquote in Berufsgruppen mit mehrheitlich körperlichen Tätigkeiten verändert? Für die DG liegen hierzu keine verwertbaren Daten vor. Allerdings weist die Region ein strukturelles Merkmal auf, das für die Fragestellung relevant ist. Mit 4.861 Arbeitsplätzen beziehungsweise 21 % ist das verarbeitende Gewerbe der größte Beschäftigungssektor Ostbelgiens. Sein Anteil liegt deutlich über dem belgischen Durchschnitt von 11 %. Außerdem entfallen 42 % der Arbeitsplätze auf Arbeiterinnen und Arbeiter. Die IWEPS-Analyse weist zugleich auf eine deutlich geringere KI-Exposition bei Berufen mit überwiegend körperlichen Tätigkeiten hin. Das bedeutet allerdings nicht, dass diese Berufe von der Digitalisierung unberührt bleiben. Vielmehr ist mit einer zunehmenden Digitalisierung der Arbeitsmittel sowie der Planung, Dokumentation, Wartung und Steuerung zu rechnen. 14. Inwieweit kann man bei den Fragen 10, 11, 12 und 13 festgestellten Veränderungen des Arbeitsmarktes einen Zusammenhang mit einer verstärkten Nutzung von KI herstellen und gibt es Prognosen, wie sich diese in Zukunft gestalten wird? Ein kausaler Zusammenhang lässt sich derzeit nicht nachweisen. Die IWEPS-Studie betont ausdrücklich, dass KI-Exposition nicht mit Arbeitsplatzverlust gleichzusetzen ist. Die Auswirkungen hängen wesentlich davon ab, wie Unternehmen ihre Arbeitsabläufe und Tätigkeiten reorganisieren. 15. Kann man Branchen in der DG festmachen, wo KI Arbeitsplätze bereits ersetzt hat und in Zukunft ersetzen wird und welches sind diese Branchen? Für die DG lässt sich derzeit keine Aussage darüber treffen, ob und in welchem Umfang Arbeitsplätze bereits durch KI ersetzt wurden. Deutlich erkennbar sind jedoch Bereiche mit hoher KI-Exposition. Dazu gehören insbesondere: Verwaltungs- und Bürotätigkeiten, Buchhaltung, Management, bestimmte wissensintensive Dienstleistungen, Teile des Verkaufs und der IT sowie bestimmte Tätigkeiten im Bildungswesen und in anderen akademischen Berufen. Demgegenüber weisen Handwerk, Bau, Instandhaltung, Pflege sowie zahlreiche körperliche Tätigkeiten eine geringere unmittelbare KI-Exposition auf. Für Ostbelgien ist deshalb eher von einer Transformation einzelner Tätigkeiten als von einer kurzfristigen, flächendeckenden Ersetzung ganzer Berufe auszugehen. 16. Kann man bezüglich der gestellten Frage 15 auch einen Unterschied zwischen den Kantonen Sankt-Vith und Eupen feststellen? Eine spezifische Statistik zu KI-bedingten Arbeitsplatzverlusten nach Kanton liegt nicht vor. 17. Inwieweit nutzt die Regierung Messinstrumente, um den Einfluss von KI auf den Arbeitsmarkt zu beobachten? Die Regierung verfügt bereits über eine Vielzahl wichtiger Messinstrumente, darunter die Arbeitslosen-, Stellenmarkt- und Beschäftigungsstatistik sowie das Fachkräftebarometer. Es gibt allerdings keine Messinstrumente, mit denen sich der unmittelbare Einfluss von KI auf den Arbeitsmarkt beobachten lässt. 18. Wie schätzt die Regierung die Fähigkeit der DG und ihrer Gemeinden ein, auf die kommenden durch KI bedingte Arbeitsplatzverluste und steigenden Arbeitslosenzahlen zu reagieren, welche Maßnahmen sind diesbezüglich angedacht und welche Kosten werden diese Maßnahmen mit sich bringen? Bislang ist nicht erwiesen, dass KI auf globalwirtschaftlicher Ebene zu steigender Arbeitslosigkeit führen wird. Die bisherigen Erkenntnisse sprechen dafür, nicht ausschließlich eine Strategie zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit zu entwickeln, sondern vor allem eine Strategie zur Anpassung der Arbeitskräfte an veränderte Tätigkeiten. Eine zentrale Herausforderung besteht deshalb darin, Produktivitätsgewinne durch KI nicht lediglich in Personalabbau münden zu lassen, sondern sie zu nutzen, um den bestehenden Fachkräftemangel zu entschärfen. Um dieser Herausforderung gerecht zu werden, bedarf es gezielter Maßnahmen in der beruflichen Aus- und Weiterbildung, in die bereits jetzt nachweislich erhebliche Mittel investiert werden. 19. Beabsichtigt die Regierung, im Kontext der wachsenden Nutzung von KI die berufliche Ausbildung an sich und die Werbung für diese zu intensivieren und welche Maßnahmen sind diesbezüglich geplant? Ja. Die Ergebnisse sprechen dafür, die berufliche Ausbildung zu stärken und insbesondere berufliche mit digitalen Qualifikationen zu verbinden. Dabei sollte nicht der Gegensatz zwischen „akademisch“ und „beruflich“ im Vordergrund stehen. Vielmehr wird es künftig darauf ankommen, dass Beschäftigte unabhängig von ihrem Bildungsweg über digitale Grundkompetenzen und grundlegende KI-Kenntnisse verfügen. Dies entspricht auch der aktuellen Einschätzung des Hohen Rates für Beschäftigung, wonach 39 % der Arbeitnehmer zusätzliche KI-Kenntnisse benötigen, aber nur 14 % eine entsprechende Ausbildung absolviert haben. 20. Welche anderen Maßnahmen zieht die Regierung in Betracht, um Schüler, die eine akademische oder verwaltungstechnische Berufslaufbahn einschlagen wollen, bei ihrer Berufsfindung stärker zu unterstützen? Die Berufsorientierung sollte stärker berücksichtigen, dass sich künftig nicht nur Berufe, sondern vor allem die Tätigkeitsprofile innerhalb der Berufe verändern werden. Daher sollte jungen Menschen vermittelt werden, welche Tätigkeiten durch KI unterstützt oder zunehmend automatisiert werden, welche weiterhin stark auf menschliche Fähigkeiten angewiesen sind, welche digitalen Kompetenzen künftig in nahezu allen Berufen erforderlich sein werden und in welchen Bereichen trotz KI langfristig Fachkräfte benötigt werden. Berufsorientierung sollte daher nicht als Prognose nach dem Muster „Welcher Beruf verschwindet?“ verstanden werden, sondern als Frage danach, welche Kompetenzen wertvoll bleiben und wie KI die konkrete Arbeit in diesem Beruf verändert. 21. Gibt es Statistiken, wie lange Studienabsolventen Zeit benötigen, um eine berufliche Tätigkeit zu finden und wie genau hat sich dieser Zeitraum seit dem Jahr 2022 entwickelt? Die nachstehende Übersicht zeigt die Vermittlungsdauer von Absolventen einer Hochschul- oder Universitätsausbildung, die sich im jeweiligen Jahr beim Arbeitsamt eingetragen haben. Nicht erfasst sind somit Personen, die ohne Eintragung beim Arbeitsamt eine Beschäftigung gefunden haben. Der Balken „Gesamt“ zeigt die durchschnittliche Vermittlungsdauer aller Jugendlichen, die sich nach Abschluss oder Abbruch einer Ausbildung beim Arbeitsamt eingetragen haben. Mit Ausnahme des Corona-Jahres 2021 lag die Vermittlungsdauer der Hochqualifizierten stets unter dem Durchschnitt. 22. Wie hat sich die Anzahl an Jobangeboten für Berufseinsteiger mit Hochschulabschluss seit dem Jahr 2022 verändert? Für die DG liegen hierzu keine gesicherten Angaben vor, da bei nur einem geringen Anteil der Stellenangebote ein bestimmtes Ausbildungsniveau ausdrücklich angegeben wird. Eine Auswertung des Arbeitsamts zu den Stellenangeboten der Jahre 2021 bis 2024 ergab hinsichtlich der Diplomanforderungen folgende Ergebnisse. Bei der Mehrzahl der Stellenangebote wird vom Arbeitgeber entweder keine spezifische Diplomanforderung gestellt oder von den Stellenvermittlern keine Diplomvoraussetzung in die Datenbank eingetragen, da potenzielle Bewerber anhand vermittlungsrelevanter Berufswünsche und nicht anhand ihrer Diplome ermittelt werden. Zudem gehen Arbeitgeber oder Stellenvermittler mitunter davon aus, dass die Stellenbezeichnung selbst die erforderliche Qualifikation erkennen lässt (z. B. Krankenpfleger/in, Direktionssekretär/in oder Sozialassistent/in). Daher liegen für 83 % der Stellen im Jahr 2023 und für 78 % der Stellen im Jahr 2024 keine Angaben zur geforderten Ausbildung vor. Daraus folgt jedoch nicht, dass für all diese Stellen unqualifiziertes Personal infrage kommt. Mitunter möchte sich der Arbeitgeber auch nicht im Vorfeld auf ein bestimmtes Diplom festlegen, weil er beispielsweise entsprechende Berufserfahrung als gleichwertig betrachtet. Diplomanforderung 2023 2024 Keine Angabe 83 % 78 % Primarschule 2 % 1 % Unterstufe 5 % 4 % Lehre 4 % 8 % Oberstufe 5 % 8 % Hochschule 1 % 2 % Universität 2 % 1 % Gesamt 100 % 100 % Unter die Rubrik „keine Angabe“ fallen sowohl Stellenangebote für höher qualifiziertes Personal (z. B. Lehrkräfte, Verwaltungsangestellte oder Sozialarbeiter) als auch Angebote für Berufe, die in der Regel kein Diplom voraussetzen (z. B. Arbeiter/in, Hilfsarbeiter/in, Raumpfleger/in, Kellner/in, Verkäufer/in oder LKW-Fahrer/in). Bei den verbleibenden Stellenangeboten mit ausdrücklicher Diplomanforderung stehen Hochschulabschlüsse oder das Abitur an erster Stelle. Aufgrund des hohen Anteils an Angeboten ohne explizite Diplomanforderung lassen sich daraus jedoch kaum belastbare Aussagen über die auf dem Arbeitsmarkt gefragten Qualifikationen ableiten. Laut der Auswertung des WSR für 2024 wird bei 44 % der Stellen ein mittleres Qualifikationsniveau (Lehre oder Abitur) und bei 29 % ein hohes Qualifikationsniveau (Hochschule oder Universität) vorausgesetzt. Bei den verbleibenden 27 % wird keine ausdrückliche Qualifikationsanforderung angegeben.
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