Mündliche Frage Nr. 485 08. Oktober 2026 – Frage von Frau E. PETERS an Herrn Minister FRANSSEN zum pädagogischen Einsatz und zur Lernwirksamkeit von Tablets in den Primarschulen Hat die Regierung einen Überblick darüber, wie Tablets in den Primarschulen konkret eingesetzt werden? Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. Frage von Elena PETERS (Vivant), vom 08. Oktober 2026: In den letzten Jahren wurden den Schulen Tablets zur Verfügung gestellt. Gerade in den Primarschulen stellt sich dabei eine zentrale Frage: Wie werden diese Geräte tatsächlich eingesetzt? Mir ist wichtig, eines klar zu sagen: Ich bin nicht grundsätzlich gegen Technik. Aber ich sehe den Einsatz von Tablets in der Primarschule sehr kritisch, vor allem dann, wenn kein klares pädagogisches Konzept dahintersteht. Kinder verbringen heute ohnehin sehr viel Zeit vor Bildschirmen. Schule sollte deshalb besonders gut begründen, wann digitale Geräte wirklich notwendig sind. Aus der Praxis gibt es unterschiedliche Rückmeldungen. In manchen Klassen werden Tablets als Wörterbuch genutzt. In anderen dienen sie als Belohnung, wenn Kinder ihre Aufgaben erledigt haben. Wieder andere nutzen sie kaum oder gar nicht. Gerade der Einsatz als Belohnung zeigt doch, welches Signal wir setzen: Bildschirmzeit wird für Kinder zusätzlich attraktiv gemacht. Dabei stellt sich die Frage, ob Kinder in der Primarschule überhaupt nach Tablets fragen würden, wenn diese Geräte nicht selbstverständlich zur Verfügung stünden. Kinder sollen Kinder sein. Sie sollen lesen, schreiben, rechnen, spielen, ausprobieren, sich konzentrieren und so lernen wie es ihrer Entwicklung entspricht. Eine Kollegin aus der Mehrheit hat im Zusammenhang mit PISA auf Estland verwiesen und darauf hingewiesen, dass Estland im Bereich Digitalisierung sehr fortgeschritten sei. Ich gehe davon aus, dass dort nicht einfach nur Geräte verteilt wurden, sondern dass ein konkretes pädagogisches Konzept dahintersteht. Bei uns entsteht jedoch der Eindruck, dass vor allem Hardware bereitgestellt wurde, ohne dass klar ist, wie diese Geräte verbindlich, sinnvoll und lernwirksam eingesetzt werden sollen. Deshalb meine Fragen: 1. Hat die Regierung einen Überblick darüber, wie Tablets in den Primarschulen konkret eingesetzt werden? 2. Welches pädagogische Konzept liegt dem Einsatz der Tablets in der Primarschule zugrunde? 3. Wie überprüft die Regierung, ob der Tablet-Einsatz tatsächlich zur Stärkung der Grundkompetenzen beiträgt? Antwort von Jérôme FRANSSEN (CSP), Minister für Unterricht, Ausbildung und Beschäftigung: Sehr geehrte Frau Vorsitzende, Sehr geehrte Frau Peters, Werte Kolleginnen und Kollegen, die verbindliche Grundlage für den Unterricht in der Deutschsprachigen Gemeinschaft bilden die Rahmenpläne. Bei deren methodisch-didaktischer Umsetzung verfügen die Schulen und Lehrkräfte über eine weitreichende pädagogische Freiheit. Dies gilt auch für den Einsatz digitaler Endgeräte. Eine systematische Erfassung ihrer konkreten Nutzung in den einzelnen Klassen erfolgt daher nicht. Der Einsatz digitaler Medien erfolgt allerdings nicht ohne pädagogische Grundlage. Mit dem Leitfaden zur Entwicklung von Informations- und Medienkompetenz, kurz IMK, verfügt die Deutschsprachige Gemeinschaft über einen gemeinsamen Orientierungsrahmen. Die Grundschulen haben zudem jeweils eigene Medienkonzepte entwickelt, die unter anderem im Rahmen der Externen Evaluation betrachtet werden können. Mit der anstehenden Rahmenplanreform wird der überarbeitete IMK-Leitfaden künftig vom Kindergarten bis zur Sekundarschule fächerübergreifend verbindlich verankert. Damit werden die zu vermittelnden Kompetenzen und die entsprechenden Erwartungen an den Unterricht weiter konkretisiert. In der Praxis können Tablets beispielsweise beim Lese- und Rechentraining, zur individuellen Förderung und Differenzierung sowie zur Informationsrecherche eingesetzt werden. Dabei sollen digitale Geräte klassische Lernformen nicht ersetzen, sondern dort ergänzen, wo sie einen pädagogischen Mehrwert für den Lernprozess bieten. Die Schulen werden hierbei insbesondere durch die Fachberatung Medien der Autonomen Hochschule und entsprechende Weiterbildungsangebote unterstützt. Eine eigene systematische Untersuchung der Lernwirksamkeit des Tablet-Einsatzes liegt derzeit nicht vor. Die internationale Forschung zeigt allerdings, dass digitale Geräte allein keine besseren Lernergebnisse bewirken. Entscheidend ist vielmehr ihre pädagogisch sinnvolle Nutzung. Insbesondere bei gezielten Übungen, der individuellen Förderung und der Rückmeldung über Lernfortschritte können digitale Anwendungen einen positiven Beitrag leisten. Unsere Haltung ist deshalb klar: Nicht die Technik, sondern das Lernen steht im Mittelpunkt. Gerade in der Primarschule bleiben der Erwerb der Grundkompetenzen, das unmittelbare Erleben und die persönliche Interaktion von zentraler Bedeutung. Digitale Geräte sollen diese Lernprozesse nicht ersetzen, sondern dort ergänzen, wo ihr Einsatz einen tatsächlichen pädagogischen Mehrwert bietet.
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