Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 481

08. Oktober 2026 – Frage von Frau E. PETERS an Herrn Minister FRANSSEN zur Leseförderung für Schüler mit Lernrückständen in der Sekundarschule

Welche konkreten Maßnahmen plant die Regierung für Schüler der Sekundarschule mit deutlichen Rückständen beim Lesen?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.


Frage von Elena PETERS (Vivant), vom 08. Oktober 2026:

Die PISA-Ergebnisse haben deutlich gemacht, dass wir in der Deutschsprachigen Gemeinschaft ein ernstes Problem bei den Grundkompetenzen haben. Besonders beim Lesen ist die Lage besorgniserregend.

Lesen ist nicht nur ein Fach. Lesen ist die Grundlage für fast alles, was danach kommt: für Mathematikaufgaben, für Naturwissenschaften, für Geschichte, Beruf und gesellschaftliche Teilhabe.

Sie haben im Ausschuss nun die geplante Leseförderung vorgestellt. Dass Leseförderung stärker in den Fokus rückt, ist richtig und notwendig.

Allerdings bezieht sich diese Förderung nur auf die Primarschule.

Das ist wichtig. Aber es beantwortet eine zentrale Frage nicht:

Was passiert mit den Schülern, die die Primarschule bereits verlassen haben und heute in der Sekundarschule sitzen — mit genau den Jugendlichen also, die bereits Rückstände haben und jetzt Gefahr laufen, dauerhaft abgehängt zu werden.

Künftige Prävention in der Primarschule reicht nicht für Jugendliche, die heute schon im Rückstand sind.

Diese Jugendlichen können nicht darauf warten, dass irgendwann ein Bildungsmonitoring aufgebaut ist. Sie brauchen jetzt eine Chance, aufzuholen.

Deshalb meine Fragen:

1.    Welche konkreten Maßnahmen plant die Regierung für Schüler der Sekundarschule mit deutlichen Rückständen beim Lesen?
2.    Wie stellt die Regierung sicher, dass diese Schüler bis zur Einführung des Bildungsmonitorings nicht weiter durchs Raster fallen?
3.    Bis wann sollen konkrete Fördermaßnahmen in den Sekundarschulen umgesetzt werden?


Antwort von Jérôme FRANSSEN (CSP), Minister für Unterricht, Ausbildung und Beschäftigung:

Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
Sehr geehrte Frau Peters,
Werte Kolleginnen und Kollegen,

die Förderung von Sprach- und Lesekompetenz ist in der Deutschsprachigen Gemeinschaft ausdrücklich ein durchgängiger Bildungsauftrag, der heute bereits nicht allein auf die Primarschule beschränkt ist und auch nicht mit dem Übergang in die Sekundarschule endet.

Dies entspricht auch dem verbindlichen Rahmenplan Deutsch, der die kontinuierliche Entwicklung von Lesefertigkeit, Lesetechniken und Lesestrategien über die gesamte Sekundarschulzeit hinweg vorsieht. Lesekompetenz ist damit auch ein zentraler, verbindlicher Bestandteil des Unterrichts in der Sekundarschule.

Leseförderung findet dabei nicht nur im Deutschunterricht, sondern auch fächerübergreifend statt, da das Verstehen und Verarbeiten von Texten die Grundlage erfolgreichen Lernens in allen Unterrichtsfächern darstellt. Darüber hinaus steht mit der Handreichung zur durchgängigen Sprachbildung ein Instrument zur Verfügung, das sprachliche Anforderungen in allen Unterrichtsfächern berücksichtigt und konkrete Unterrichtsbeispiele für die Sekundarschule, etwa zum Erfassen von Fachtexten, zur Wortschatzarbeit und zur sprachlichen Verarbeitung fachlicher Informationen enthält.

Ebenfalls werden Schülerinnen und Schüler mit Leseförderbedarf heute bereits in den Sekundarschulen durch unterschiedliche Maßnahmen unterstützt. Die Schulen setzen hierzu auf differenzierte Unterrichtsangebote, gezielte Fördermaßnahmen in der ersten Stufe der Sekundarschule, Stützkurse, Nachteilsausgleichsmaßnahmen sowie auf Konzepte der durchgängigen Sprachbildung. Verständnisprobleme können dadurch früh erkannt und Schülerinnen und Schüler gezielt unterstützt werden.

Wenn bei einzelnen Schülerinnen oder Schülern trotz dieser Maßnahmen weiterhin erhebliche Schwierigkeiten bestehen, liegt es im Auftrag des Kompetenzzentrums, die Lernenden und Lehrkräfte im Rahmen seiner Beratungsaufgaben gezielt zu unterstützen.

Gemeinsam mit allen Sekundarschulen werden wir in den nächsten Wochen die Ergebnisse der PISA-Studie 2025 gezielt analysieren und untersuchen, wie wir auch in der Sekundarschule das Lesen und die Sprachkompetenz im Allgemeinen und auch im Besonderen durch gezielte Maßnahmen stärken können.  

Eine erste Verbesserungsmaßnahme, die bereits jetzt in der Sekundarschule greift, ist die systematische Bündelung und Bekanntmachung aller Angebote der Schulmediotheken der Sekundarschulen mit dem Katalog „IdeenReich“. Schulmediotheken leisten einen wichtigen Beitrag zur Leseförderung in den Sekundarschulen. Sie unterstützen Schülerinnen und Schüler bei der Auswahl geeigneter Lektüren und bieten vielfältige Angebote zur Förderung von Lesemotivation und Lesepraxis. Der kürzlich veröffentlichte Katalog „Ideenreich“ bündelt diese Angebote erstmals systematisch. Sie reichen von Lesezeiten und Leseclubs über Buchprojekte bis hin zu Lesungen und weiteren wertvollen Aktivitäten wie Podcasts zur Stärkung der Lesekompetenz.

Zusammengefasst: durchgängige Sprach- und Leseförderung ist zentraler Bestandteil des Schulalltags in der Sekundarschule. Das Leseförderungsprojekt in der Primarschule, der Katalog IdeenReich sowie die Überarbeitung der Rahmenpläne sind Maßnahmen zur Stärkung der Grundkompetenzen, die die Regierung bereits vor Bekanntgabe der PISA-Ergebnisse entschieden und auf den Weg gebracht hat. Wir sind dabei, diese PISA-Ergebnisse konsequent zu analysieren. Wir werden daraus auch Maßnahmen ableiten, die in der Sekundarschule, so sie sich als notwendig und machbar erweisen, umgesetzt werden.

 

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