Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 474

06. Oktober 2026 – Frage von Herr B. KLINKENBERG an Herrn Minister FRECHES zu den Chancen europäischer Kulturrouten für Ostbelgien

Welche konkreten Möglichkeiten ergeben sich durch den Beitritt für die genannten Bereiche in der Deutschsprachigen Gemeinschaft?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.


Frage von Björn KLINKENBERG (SP), vom 06. Oktober 2026:

Kultur und Tourismus enden nicht an unseren Gemeinschafts- oder Landesgrenzen. Gerade für Ostbelgien als Grenzregion können grenzüberschreitende Projekte eine Möglichkeit bieten, unser kulturelles Erbe stärker sichtbar zu machen und gleichzeitig neue touristische Impulse zu setzen.

Die Regierung hat am 20. August ihr Einverständnis zum Beitritt Belgiens zum Erweiterten Teilabkommen über die Kulturrouten des Europarates gegeben. Diese europäischen Kulturrouten verbinden historische Orte, Museen, Gemeinden und weitere Akteure über Ländergrenzen hinweg.

Für die Deutschsprachige Gemeinschaft bestehen laut Regierungsbeschluss derzeit noch keine unmittelbaren Vorteile. Gleichzeitig werden jedoch konkrete Anknüpfungspunkte genannt: etwa die Liberation Route oder die Route des Europäischen Industrie-Erbes, die unter anderem für das Museum Vieille Montagne in Kelmis von Interesse sein könnte.

Daher meine Fragen an Sie:

1.    Welche konkreten Möglichkeiten ergeben sich durch den Beitritt für die genannten Bereiche in der Deutschsprachigen Gemeinschaft?
2.    Wie sollen interessierte Partner über diese Möglichkeiten informiert werden?
3.    Gibt es bereits konkrete Gespräche mit ostbelgischen Einrichtungen über eine Beteiligung an einer dieser Kulturrouten?


Antwort von Gregor FRECHES (PFF), Minister für Kultur, Erwachsenenbildung, Tourismus, Denkmal- und Landschaftsschutz:

Sehr geehrte Frau Vorsitzende, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrter Kollege Klinkenberg, Sie haben recht: Gerade für Ostbelgien als Grenzregion bieten grenzüberschreitende Kultur- und Tourismusprojekte interessante Möglichkeiten, um unser kulturelles Erbe sichtbar zu machen und zusätzliche touristische Impulse zu setzen. 

Zum Beitritt Belgiens zum Erweiterten Teilabkommen über die Kulturrouten des Europarates möchte ich zunächst festhalten, dass bereits heute zahlreiche belgische Akteure an europäischen Kulturrouten mitwirken oder entsprechende Initiativen mittragen. Der Beitritt Belgiens schafft somit nicht grundlegend neue Instrumente, er stärkt jedoch die Einbindung unseres Landes in dieses europäische Netzwerk und unterstreicht die Bedeutung grenzüberschreitender kultureller Zusammenarbeit.

Zu Ihrer ersten Frage: Für die Deutschsprachige Gemeinschaft ergeben sich insbesondere Chancen dort, wo bestehende kulturelle, historische oder touristische Angebote an internationale Themenrouten anknüpfen können. Beispiele hierfür sind die Route des Europäischen Industrie-Erbes oder die Liberation Route Europe, die aufgrund ihrer thematischen Ausrichtung durchaus Berührungspunkte mit Einrichtungen und Orten in Ostbelgien aufweisen. Dabei geht es nicht allein um die kulturelle Aufwertung bestehender Angebote. Ebenso wichtig sind die Möglichkeiten zur Vernetzung mit internationalen Partnern, zum Erfahrungsaustausch sowie zur gemeinsamen touristischen Vermarktung. Wenn Kulturrouten für den Tourismus genutzt werden sollen, spielt die Tourismusagentur Ostbelgien dabei eine zentrale Rolle. Sie entwickelt und vermarktet die touristischen Produkte unserer Destination und achtet darauf, dass neue Projekte zur touristischen Strategie und zum Profil Ostbelgiens passen. Entsprechend begleitet sie mögliche Initiativen und bringt die relevanten Akteure zusammen.

Zu Ihrer zweiten Frage hinsichtlich der Information interessierter Partner: In der Praxis entstehen solche Projekte in der Regel aus bestehenden fachlichen Netzwerken heraus. Museen, kulturelle Einrichtungen, touristische Akteure und Projektträger stehen häufig bereits in direktem Kontakt mit den jeweiligen Initiatoren. Wenn sich konkrete Projekte abzeichnen oder Anfragen an die Deutschsprachige Gemeinschaft herangetragen werden, unterstützen wir selbstverständlich die Vernetzung der beteiligten Akteure und stellen die entsprechenden Kontakte her. Ebenso wird die Tourismusagentur Ostbelgien interessierte Partner informieren und einbinden, sobald sich konkrete Beteiligungsmöglichkeiten ergeben.

Zu Ihrer dritten Frage nach bereits laufenden Gesprächen: Ja, es bestehen derzeit verschiedene Kontakte und Sondierungen im Bereich grenzüberschreitender Themen- und Kulturrouten. So finden derzeit Gespräche zwischen der Tourismusagentur Ostbelgien und dem Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz über ein mögliches Projekt mit dem Titel „Kohle und Erz“ statt. Dabei handelt es sich um einen industriekulturellen Radweg, der Regionen in Deutschland, Ostbelgien, Luxemburg und Lothringen miteinander verbinden soll. Im Mittelpunkt stehen dabei die Vermittlung von Industriegeschichte und die touristische Aufwertung bestehender Streckenverbindungen. Darüber hinaus stehen in den kommenden Wochen Gespräche mit dem Sekretariat der Liberation Route Europe an. Diese vom Europarat zertifizierte Kulturroute beschäftigt sich mit der Befreiung Europas während des Zweiten Weltkriegs und verbindet zahlreiche Erinnerungsorte in verschiedenen europäischen Ländern. In diesem Zusammenhang wird geprüft, ob und in welcher Form ostbelgische Standorte in zukünftige Entwicklungen eingebunden werden können. 

Daneben befindet sich das Kabinett auch im Austausch mit den luxemburgischen Partnern über die Weiterentwicklung grenzüberschreitender Themenrouten. Zudem stehen Gespräche im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Tourismus der Großregion an, in denen ebenfalls Möglichkeiten der Zusammenarbeit und gemeinsame touristische Projekte erörtert werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Beitritt Belgiens zum Teilabkommen keine automatische Beteiligung Ostbelgiens an europäischen Kulturrouten nach sich zieht. Er schafft jedoch einen zusätzlichen Rahmen, innerhalb dessen kulturelle und touristische Akteure grenzüberschreitende Kooperationen entwickeln können. Wo sich konkrete Chancen für Ostbelgien ergeben, werden wir diese gemeinsam mit den betroffenen Akteuren und der Tourismusagentur Ostbelgien aktiv begleiten und unterstützen. Ich danke Ihnen.

 

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