Mündliche Frage Nr. 463 10. September 2026 – Frage von Herr A. JERUSALEM an Herrn Minister FRANSSEN zu den Entwicklungen mit Blick auf den Personalmangel im Unterrichtswesen Wie entwickelt sich die Situation im Unterrichtswesen der DG mit Blick auf den Mangel adäquat ausgebildeten Personals? Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. Frage von Andreas JERUSALEM (ECOLO), vom 10. September 2026: Erfahrungsgemäß gelingt es den meisten Schulträgern, ihre Stellen zu Beginn eines Schuljahres zu besetzen, jedoch nicht immer mit adäquat ausgebildetem Personal, sprich zum Teil “auf Abweichung”. Fallen im Laufe eines Schuljahres Personalmitglieder aus, gestaltete sich die Suche nach Ersatz mit dem passenden Diplom in der Vergangenheit als sehr große Herausforderung. Diese Situation ist seit einigen Jahren unverändert, daher gehe ich davon aus, dass die Lösungssuche weit fortgeschritten ist, stellt eine hohe Quote adäquat besetzter Lehrerstellen doch eine wesentliche Voraussetzung für Lernerfolg und Schulentwicklung dar. Zwar ist die DG nur für die Ausbildung eines Teils der betreffenden Lehrerschaft zuständig, dennoch stellt dieses Studium hier vor Ort natürlich einen ganz grundlegenden Hebel in den Bemühungen um ausreichend Lehrpersonal dar. Vor diesem Hintergrund habe ich folgende Fragen: 1. Wie entwickelt sich die Situation im Unterrichtswesen der DG mit Blick auf den Mangel adäquat ausgebildeten Personals? 2. Welche konkreten Bemühungen hat die Regierung zur Bekämpfung des Personalmangels im Unterrichtswesen der DG seit Beginn der Legislaturperiode ergriffen? 3. Wie wird sich die Personalsituation im Unterrichtswesen der DG in den kommenden Schuljahren entwickeln? Antwort von Jérôme FRANSSEN (CSP), Minister für Unterricht, Ausbildung und Beschäftigung: Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrter Herr Jerusalem, werte Kolleginnen und Kollegen, seit dem Schuljahr 2021/2022 wird die Personalsituation zu Beginn eines jeden Schuljahres ausgewertet. Erfasst werden insbesondere jene Stellen beziehungsweise Ämter, die nicht mit Personal besetzt werden konnten, das über den erforderlichen oder einen als ausreichend erachteten Befähigungsnachweis verfügt. Über den gesamten Betrachtungszeitraum ergibt sich ein differenziertes Bild. Der Personalbestand im Unterrichtswesen ist zwischen 2021/2022 und 2025/2026 von 2.862 auf 3.116 Beschäftigte gestiegen. Innerhalb dieses Gesamtbestands lag die Zahl der Abweichungseinstellungen zunächst bei 441, stieg zwischenzeitlich auf 508, ging anschließend zurück und lag im Schuljahr 2025/2026 bei 505. Damit konnten im vergangenen Schuljahr rund 84 % der erfassten Stellen beziehungsweise Ämter ohne Rückgriff auf eine Abweichung besetzt werden. Mit Blick auf den Personalmangel zeigt sich zugleich, dass die Situation je nach Bereich unterschiedlich ausfällt und entsprechend differenziert betrachtet werden muss. Dabei ist mir wichtig, eine Einordnung vorzunehmen: Eine Einstellung über Abweichung bedeutet nicht automatisch, dass die betreffende Person über keine pädagogische Ausbildung oder einschlägige Qualifikation verfügt. Ausschlaggebend ist vielmehr, dass die für das jeweilige Amt vorgesehenen Titelbedingungen zum Zeitpunkt der Einstellung nicht vollständig erfüllt waren. Auch zwischen den einzelnen Bereichen bestehen deutliche Unterschiede. Während insbesondere im Kindergarten, bei den Sprachlernklassen und zuletzt auch im Bereich Religion eine Zunahme der Abweichungseinstellungen festzustellen ist, zeigt sich bei technischen und berufspraktischen Kursen sowie längerfristig auch im MINT-Bereich eine günstigere Entwicklung. Bei den Primarschullehrkräften bewegen sich die Zahlen auf einem weitgehend konstanten Niveau. Gerade diese Unterschiede machen deutlich, dass sich der Personalmangel nicht mit einer einzelnen Maßnahme beheben lässt. Wir setzen deshalb an mehreren Stellen gleichzeitig an. Seit Beginn der Legislaturperiode haben wir verschiedene Maßnahmen fortgeführt, beziehungsweise neu auf den Weg gebracht. Dazu gehören unter anderem Anpassungen bei den Zugangs- und Zulassungsbedingungen, die Schaffung neuer Ämter, Gehaltsanpassungen, wie beispielsweise bei den Gesellen- und Meistern sowie eine stärkere Anerkennung beruflicher Erfahrungen und Qualifikationen. Ziel ist es, dort, wo dies fachlich vertretbar ist, Zugangshürden abzubauen und vorhandene Kompetenzen besser für unser Unterrichtswesen nutzbar zu machen. Daneben unterstützen wir weiterhin den Vertretungspool im Grundschulwesen mit fast 11 Vollzeitäquivalenten. Auch die Reform der Studiengänge für Primarschullehrer und Kindergärtner an der Autonomen Hochschule Ostbelgien ist ein wichtiger Bestandteil dieses Gesamtansatzes. Der stärkere Praxisbezug soll angehende Lehrkräfte noch besser auf den Berufsalltag vorbereiten und dazu beitragen, sie langfristig für den Beruf zu gewinnen. Was die kommenden Schuljahre betrifft, ist eine verlässliche Vorhersage nur eingeschränkt möglich. Die bisherigen Erhebungen zeigen teils deutliche Schwankungen und lassen keinen eindeutigen Trend erkennen. Vor diesem Hintergrund wäre es nicht seriös, heute bereits konkret zu beziffern, in welchem Umfang künftig auf Abweichungen zurückgegriffen werden muss. Die vorliegenden Prognosen zum Einstellungsbedarf geben uns allerdings eine Orientierung. Im Kindergarten könnte der Bedarf zunächst noch bis etwa 2030 steigen. Für das Primarschulwesen zeichnet sich in den kommenden Jahren eher eine gleichbleibende Entwicklung ab, während im Sekundarschul- und Förderunterrichtswesen derzeit keine wesentlichen Veränderungen erwartet werden. Dabei ist eine Unterscheidung besonders wichtig: Der prognostizierte Einstellungsbedarf sagt noch nichts darüber aus, ob die entsprechenden Stellen künftig auch mit ausreichend qualifiziertem Personal besetzt werden können. Umso wichtiger ist es, die Personalsituation weiterhin aufmerksam zu verfolgen und dort gezielt nachzusteuern, wo sich konkrete Engpässe zeigen. Unser Ziel bleibt, gute Rahmenbedingungen für das vorhandene Personal zu schaffen, neue Zugänge zum Beruf sinnvoll zu öffnen und zugleich mehr Menschen dafür zu gewinnen, langfristig Verantwortung in unserem Unterrichtswesen zu übernehmen.
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