Mündliche Frage Nr. 459 09. September 2026 – Frage von Frau D. STIEL an Frau Ministerin KLINKENBERG zu den Gesundheitshelfern „Community Health Workers“ in der DG Ist der DG-Regierung bekannt, ob seitens der zuständigen föderalen Behörden (LIKIV) eine Ausweitung dieses Dienstes auf andere Gemeinden der DG geplant ist? Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. Frage von Diana STIEL (Vivant), vom 09. September 2026: Die hiesige Presse stellte im März 2026 die Aufgaben des Gesundheitshelfers vor. Dabei handelt es sich um eine föderale Initiative "Community Health Worker", die 2021 durch Gesundheitsminister Vandenbroucke ins Leben gerufen wurde. Das Ziel sei, Menschen in prekären Lebenssituationen wieder Orientierung zu geben und ihnen zu helfen, den Zugang zur Gesundheitsversorgung und zu sozialen Diensten zurückzufinden. In der DG sei der Gesundheitshelfer lediglich in den Gemeinden Kelmis und Eupen tätig, während der Sprechstunden dort helfe man auch Bewohnern anderer Gemeinden. Hausbesuche außerhalb von Kelmis und Eupen seien aktuell jedoch nicht möglich. Der Dienst sei kostenlos und offen für alle. Der Gesundheitshelfer arbeite mit lokalen Akteuren wie DSL, Kaleido Ostbelgien, dem ÖSHZ oder dem roten Kreuz zusammen. Hierzu möchte ich folgende Fragen an Sie richten: 1. Ist der DG-Regierung bekannt, ob seitens der zuständigen föderalen Behörden (LIKIV) eine Ausweitung dieses Dienstes auf andere Gemeinden der DG geplant ist? 2. Liegen der Regierung , Erkenntnisse darüber vor, ob in den übrigen Gemeinden der DG überhaupt ein messbarer Bedarf für eine Ausweitung dieses spezifischen Angebots existiert? 3. Welche konkreten Vereinbarungen wurden getroffen, um eine klare Abgrenzung und Vermeidung von Doppelstrukturen zwischen dem föderalen Gesundheitshelfer und den DG-eigenen Diensten zu garantieren? Antwort von Lydia KLINKENBERG (ProDG), Ministerin für Gesundheit, Soziales, Familie und Wohnungswesen: Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, der „Community Health Worker“ (CHW) – oder Gesundheitshelfer – wurde 2021 durch den föderalen Gesundheitsminister Vandenbroucke ins Leben gerufen. Es handelt sich also, wie Sie richtig sagen, um ein föderales Programm. Das LIKIV und das Nationale Intermutualistische Kollegium als gemeinsamer Zusammenschluss der belgischen Krankenkassen wurden beauftragt, dieses Programm als gemeinsames Projekt, das von allen Landesverbänden der Krankenkassen in Belgien getragen wird, umzusetzen. Das Programm wurde zunächst bis Dezember 2025 verlängert; Ende 2025 wurde es erneut um ein Jahr verlängert. Auf Ebene der Wallonischen Region wurde der Landesbund der Christlichen Krankenkasse in Zusammenarbeit mit Solidaris vom Nationalen Intermutualistischen Kollegium mit der konkreten Durchführung beauftragt, für Verviers-Eupen konkret die CKK. Dabei wurde der Deutschsprachigen Gemeinschaft ein Community Health Worker zugewiesen, und zwar für die Gemeinden mit dem höchsten Bedarf in der Deutschsprachigen Gemeinschaft, d.h. mit einer höheren Zahl an sozialen Herausforderungen und somit einem erhöhten Unterstützungsbedarf. So wurde der erste Gesundheitshelfer mit einem Stellenumfang von einem Vollzeitäquivalent in den Gemeinden Kelmis und Eupen tätig, als einer von 50 Gesundheitshelfern in ganz Belgien im Jahr 2025. Die Gesundheitshelfer tragen dazu bei, über niedrigschwellige Angebote und aufsuchende Sozialarbeit gesundheitliche Ungleichheiten abzubauen. Dies tun sie mittels Aktivitäten wie Gesundheitserziehung, Beratung und soziale Unterstützung. Sie haben dabei sowohl von Einsamkeit betroffene ältere Menschen im Blick als auch Fragen der Gesundheitsversorgung in sozial benachteiligten Stadtvierteln oder Personengruppen mit einem besonderen Unterstützungsbedarf. Die Gesundheitshelfer konzentrieren sich also sowohl auf sozio-ökonomische als auch auf gesundheitliche Risikofaktoren. Ein wichtiges Ziel der Arbeiten der Gesundheitshelfer ist die Erleichterung des Zugangs zu Gesundheitsdienstleistungen und die Verbesserung des Wissens der unterstützten Personen über Angebote im Gesundheitsbereich. Sie üben über Beratung und Hilfestellungen eine Lotsenfunktion bei der Navigation durch das Gesundheitssystem aus. Zudem tauschen die Community Health Worker regelmäßig mit Pflege- und Sozialfachkräften aus. Da es sich bei der Konzeptionierung und Finanzierung der CHW um eine ausschließlich föderale Initiative handelt, wird die Regierung bei den Auswertungen des Projektes nicht unmittelbar einbezogen. Dem Gebiet deutscher Sprache wurde seit 2021 ein einziger Gesundheitshelfer zugesprochen. Dieser deckt mit Eupen und Kelmis zwei bevölkerungsmäßig große Gemeinden ab. Nach unserem jetzigen Kenntnisstand ist von Seiten des Föderalstaates keine Aufstockung der Zahl der CHW geplant. Insoweit ist auch z.Zt. keine Ausdehnung auf andere Gemeinden der Deutschsprachigen Gemeinschaft vorgesehen. Bedarfsmessungen mit Blick auf die Ausweitung des Angebots der CHW auf weitere Gemeinden der Deutschsprachigen Gemeinschaft sind uns nicht bekannt. Aktuell gibt es in der Deutschsprachigen Gemeinschaft zwar Dienste, die Menschen orientieren und informieren, aber keinen Dienst, der diese spezifische niederschwellige und aufsuchende Hilfe im Gesundheitsbereich für vulnerable Personen in dieser Form anbietet. Wir haben Dienste für klar definierte Zielgruppen, wie z.B. die DSL, die Jugendhilfe und die ÖSHZ. Aufsuchende Arbeit findet in diesem Rahmen jedoch üblicherweise nicht statt. Mein Anliegen ist es, im Sinne der integrierten Versorgung die bestehenden Dienstleister noch besser zu vernetzen, damit die professionellen Hilfen, die es in der Deutschsprachigen Gemeinschaft gibt, auch dort ankommen, wo sie gebraucht werden. In diesem Kontext spielt auch der Gesundheitshelfer eine wichtige Rolle. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!
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