Mündliche Frage Nr. 447 08. September 2026 – Frage von Frau D. STIEL an Herrn Minister FRECHES zur prekären Finanzlage und Prioritätensetzung beim Tierheim Eupen Wie bewertet die Regierung die Prioritätensetzung des Tierheim-Managements, das einerseits den hohen Einarbeitungsaufwand für einheimische Ehrenamtliche beklagt, gleichzeitig aber erhebliche administrative Ressourcen aufwendet, um internationale Austauschprogramme (ESK) zu organisieren und zu verwalten? Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. Frage von Diana STIEL (Vivant), vom 08. September 2026: Wenn man die aktuellen Berichte aus Eupen hört, reibt man sich fassungslos die Augen. Auf der einen Seite schlägt das Eupener Tierheim dramatisch Alarm: Es fehlen erhebliche Mittel in der Kasse, ein Drittel der Tierpfleger musste bereits entlassen werden, und die Bevölkerung wird permanent um Spenden für Futter und Tierärzte gebeten. Doch wenn hilfsbereite Bürger aus unserer Region unentgeltlich mitanpacken wollen, stoßen sie auf Hürden wie eine verpflichtende Fördermitgliedschaft oder auf scheinbar lange Wartelisten. Das Tierheim selbst begründete dies in der Vergangenheit mit dem hohen zeitlichen Aufwand für die Einarbeitung und einer angeblich mangelnden Verbindlichkeit ehrenamtlicher Helfer. Gleichzeitig schaltet das Tierheim jedoch zusammen mit der Frauenliga und der Organisation „Miteinander Teilen“ Anzeigen, um ein großes Haus in Eupen anzumieten. Der Zweck: Es sollen volljährige junge Erwachsene aus dem EU-Ausland im Rahmen des „Europäischen Solidaritätskorps“ (ESK) nach Ostbelgien geholt werden. Für dieses Projekt treten die beteiligten Vereine gemeinschaftlich als rechtliche Hauptmieter auf und übernehmen damit eine direkte vertragliche Mithaftung für dieses Mietobjekt. Es entsteht der Eindruck, dass die Vereinsführung hier administrative und organisatorische Kapazitäten primär in die Betreuung und Unterbringung von Personal investiert, anstatt die begrenzten Mittel direkt für das Wohl und die Versorgung der Tiere einzusetzen. Zwar fließen vertragliche Gelder der Gemeinden, Zuschüsse der Wallonischen Region sowie die 1000 € Funktionszuschuss der DG, dennoch scheint die finanzielle Lage des Tierheims prekär. Als Politik sind wir zwar nicht für den operativen Betrieb zuständig, wohl aber für die verantwortungsvolle Verwendung öffentlicher Gelder. Da auch EU-Fördergelder letztlich nichts anderes als die hart erarbeiteten Steuergelder unserer Bürger sind, muss Transparenz darüber herrschen, ob hier das Tierwohl oder die Aufrechterhaltung eines aufwendigen Personalapparates im Vordergrund steht. Unsere Fragen lauten daher: 1. Wie bewertet die Regierung die Prioritätensetzung des Tierheim-Managements, das einerseits den hohen Einarbeitungsaufwand für einheimische Ehrenamtliche beklagt, gleichzeitig aber erhebliche administrative Ressourcen aufwendet, um internationale Austauschprogramme (ESK) zu organisieren und zu verwalten? 2. Inwieweit ist es aus Sicht der Regierung als Subventionsgeber für die Infrastruktur vertretbar, dass ein Verein in einer akuten finanziellen Existenzkrise durch die gemeinschaftliche Anmietung eines WG-Hauses rechtliche und mietvertragliche Verpflichtungen und somit potenzielle finanzielle Haftungsrisiken eingeht? 3. Wie beurteilt die Regierung den Nutzen des bürokratisch und organisatorisch aufwendigen ESK-Programms für das Tierheim Eupen, wenn die Betreuung internationaler Freiwilliger Management-Ressourcen bindet ? Antwort von Gregor FRECHES (PFF), Minister für Kultur, Erwachsenenbildung, Tourismus, Denkmal- und Landschaftsschutz: Werte Frau Stiel, zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass das Tierheim Eupen eine eigenständige Vereinigung ist. Die Verantwortung für die Organisation des laufenden Betriebs, den Personaleinsatz, die Einbindung von Freiwilligen sowie sämtliche organisatorischen und finanziellen Entscheidungen liegt beim Verwaltungsrat und bei der Direktion des Tierheims. Es steht der Regierung nicht zu, einzelne Managemententscheidungen einer VoG zu bewerten. In meiner Eigenschaft als zuständiger Minister für Erasmus+ und das Europäische Solidaritätskorps kann ich jedoch festhalten, dass die Nutzung europäischer Förderprogramme grundsätzlich positiv zu bewerten ist. Sie ermöglicht es Organisationen, zusätzliche Ressourcen nach Ostbelgien zu holen und europäische Fördermittel für Projekte in unserer Gemeinschaft zu nutzen. Gerade mit Sicht auf die finanziell schwierige Lage des Tierheims ist diese Möglichkeit der personellen Unterstützung für das Bestandspersonal oder die anderen Ehrenamtlichen durch Freiwillige, durchaus positiv zu bewerten. Die Herkunft der Freiwilligen oder Ehrenamtlichen ist dabei – ganz im europäischen Sinne - unerheblich. Das Tierheim Eupen erhält im Rahmen des Europäischen Solidaritätskorps einen Zuschuss von rund 18.700 Euro. Diese Mittel dienen insbesondere der Finanzierung und Begleitung der Freiwilligendienste sowie der damit verbundenen Organisationskosten. Sie sind zweckgebunden und können nicht unmittelbar für Betriebskosten, Futter oder tierärztliche Leistungen eingesetzt werden. Gerade in einer finanziell schwierigen Situation kann die Mitarbeit von Freiwilligen eine wertvolle Unterstützung für das hauptamtliche Personal darstellen. Die Herkunft der Freiwilligen spielt dabei keine Rolle. Entscheidend ist ihr Beitrag zur Arbeit vor Ort. Bezüglich der Anmietung des WG-Hauses, so kann ich lediglich sagen, dass grundsätzlich jede Vereinigung verpflichtet ist, finanzielle Verpflichtungen mit der gebotenen Sorgfalt einzugehen. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Organisation selbst auf wirtschaftliche Schwierigkeiten hinweist. Die Beurteilung eines solchen Mietengagements hängt wesentlich von den Vertragsbedingungen ab. Aber auch diese Einschätzung obliegt den Verantwortlichen. Es ist unbestritten, dass die Betreuung von Freiwilligen einen gewissen organisatorischen Aufwand mit sich bringt. Gleichzeitig eröffnet das Europäische Solidaritätskorps Organisationen die Möglichkeit, zusätzliche Unterstützung zu erhalten und internationale Erfahrungen zu sammeln. Das Programm wird zudem durch das Jugendbüro als Nationale Agentur begleitet und unterstützt. Zum Schluss, Frau Stiel, bedanke ich mich für den impliziten Aufruf aus den Reihen Ihrer Fraktion nach mehr Autonomie und mehr Übernahme der Zuständigkeiten seitens der Wallonischen Region durch die DG, den ich gern mit meinen Regierungskollegen besprechen werde. Außerdem werden wir uns mit in naher Zukunft mit den Verantwortlichen der Tierheime zusammensetzen, um mehr über ihre Herausforderungen aus erster Hand zu erfahren.
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