Fragen und Antworten

Schriftliche Frage Nr. 154

12. Juni 2026 – Frage von Frau D. STIEL an Herrn Minister FRANSSEN zum demografischen Wandel und seinen Auswirkungen auf das Bildungswesen und die Haushaltsplanung der Deutschsprachigen Gemeinschaft

Wurde von der Regierung eine Prognose der zukünftigen Geburtenrate in der DG erstellt? Wenn ja, bitte beziffern Sie die zur Verfügung stehenden Erkenntnisse.

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.


Frage von Diana STIEL (Vivant), vom 11. Mai 2026:

„Schulwesen unter Druck“, so titelte das GrenzEcho am 21.04.2026. Anlass war eine Debatte im Parlament der Französischen Gemeinschaft über die Folgen der demografischen Entwicklung. Man sorge sich vor allem in ländlichen Gebieten, dass die sinkenden Kinderzahlen das Bildungsangebot, kleinere Standorte und Arbeitsplätze unter Druck setzen könnten.

Der PS-Abgeordnete Ersel Kaynak habe vor möglichen Schließungen gewarnt, die zuständige Ministerin Valérie Glatigny (MR) verweise auf laufende Analysen und eine eingesetzte Arbeitsgruppe. Der Geburtenrückgang beschäftige auch die Region rund um Verviers.

Die demografische Entwicklung betreffe laut Kaynak zwar die gesamte Französische Gemeinschaft, ländliche Regionen seien jedoch besonders anfällig. Sinkende Schülerzahlen könnten hier dazu führen, dass einzelne Schulen die vorgeschriebenen Mindestbelegungen nicht mehr erreichen. Man verfolge die Entwicklung im Bezirk Verviers mit besonderer Aufmerksamkeit.

Die Schule in Hockai sei zuletzt unter die maßgeblichen Grenzwerte gefallen.

Schon im Januar berichtete das GrenzEcho von einem von Statbel festgestellten „erneuten Rückgang der Geburtenrate“.Im Jahre 2024 habe der Fruchtbarkeitsindex bei 1,44 Kindern pro Frau gelegen, nach 1,61 im Jahre 2021.

Zwischen den Regionen gebe es weiterhin deutliche Unterschiede. In der Region Brüssel-Hauptstadt habe die Geburtenrate 2024 bei 1,34 Kindern pro Frau gelegen, in Flandern habe sie 1,48 betragen.

Laut Statbel sank die Zahl der Geburten in Belgien 2024 insgesamt auf nur 108.150, die niedrigste seit 1942.

Auf meine SF Nr. 13 vom 25.10.24 zur Entwicklung der Geburtenrate an Ministerin Klinkenberg ging folgende Aussage und Zahlen hervor:

„Auf die DG bezogen ist der stetige Abwärtstrend nicht deutlich zu erkennen, denn die Kurve ist von Hochs und Tiefs gekennzeichnet:

2010: 771 Geburten 
2011: 767 Geburten 
2012: 703 Geburten 
2013: 730 Geburten 
2014: 747 Geburten 
2015: 732 Geburten 
2016: 759 Geburten
2017: 748 Geburten 
2018: 828 Geburten 
2019: 782 Geburten
2020: 785 Geburten 
2021: 857 Geburten 
2022: 836 Geburten
2023: 737 Geburten

Trotzdem zeichnet sich auch für unser Gebiet diese Entwicklung bereits konkret ab: In einer der letzten Sitzungen des Ausschusses IV war von einem drastischen Rückgang von etwa 800 auf 700 Geburten im Jahresvergleich bis 2024 die Rede.

Le Soir berichtete am 07.04.2026 von einer Studie der Universität Namur zu den Haushaltsprognosen der Föderation Wallonie-Brüssel für den Zeitraum 2024 bis 2029.

Laut Berechnungen der Forscher und des Ministeriums bedeute ein Rückgang der Kinderzahl (0-17 Jahre) um ein Prozent für die Föderation Wallonie-Brüssel einen Einnahmeausfall von etwa 10 Millionen Euro, ein Rückgang des Schüleranteils um ein Prozent koste sogar 220 Millionen Euro.

Das föderale Planbüro erstelle jährlich die demographischen Langzeitperspektiven und zwei Alternativen.

Das Referenzszenario gehe von einer schrittweisen Steigerung der Fertilitätsrate aus: Diese steige von 1,44 Kindern pro Frau im gebärfähigen Alter im Jahr 2024 (ein historisch niedriger Wert) bis auf 1,6 im Jahr 2035 an. Dieses Niveau bleibe anschließend bis 2070 stabil.

Ein erstes alternatives Szenario, das sogenannte „konstante“ Szenario, gehe davon aus, dass die aktuellen Fertilitätsraten bis 2070 unverändert blieben, also bei 1,46 Kindern pro Frau in Wallonien, 1,39 in Brüssel und 1,48 in Flandern.

Ein zweites alternatives Szenario, das „Low“-Szenario, nehme an, dass die Fertilitätsrate schrittweise sinke und im Jahr 2039 einen Wert von 1,3 für alle drei Regionen erreiche, der dann bis 2070 konstant bleibe.

Laut Forschern des CERPE werde zwischen dem optimistischen Referenzszenario und dem pessimistischen „Low“-Szenario das „konstante“ Szenario als die plausibelste und vorsichtigste Annahme für die weitere Entwicklung gewählt, auch wenn dieses die Realität der kommenden Jahrzehnte nicht exakt widerspiegele.

Das „konstante“ Szenario habe allerdings zur Folge, dass die Einnahmen aus MWST sinke. Der Rückgang der Geburten wirke sich quasi unmittelbar auf die Einnahmen aus, da diese bereits im Jahr nach der Erfassung zurückgingen, während sich Einsparungen bei den Ausgaben erst mit einer Verzögerung von mindestens drei Jahren einstellten, wenn entsprechend weniger Kinder in den Kindergarten kämen. Für das Jahr 2029 bedeute dies, dass im Vergleich zum Referenzszenario ein Einnahmenverlust von etwa 88 Millionen Euro entstehe, während die Ausgaben nur um rund 13 Millionen Euro sinken würden.

Langfristig, so die Forscher, führe dieses Szenario zu höheren jährlichen Defiziten und damit zu einer steigenden Gesamtverschuldung, die von 15,22 Milliarden Euro im Jahr 2025 auf 23,74 Milliarden im Jahr 2030, 40,52 Milliarden im Jahr 2040 und 57,3 Milliarden im Jahr 2060 anwachsen würde.

Zusätzlich werde darauf hingewiesen, dass laut Annahmen des Planbüros der Anteil der der Französischen Gemeinschaft zugewiesenen Mehrwertsteuereinnahmen bis 2070 von 41,5 % auf etwa 36 % sinken könnte. Da bereits ein Prozentpunkt einem Einnahmenverlust von rund 220 Millionen Euro entspreche, könne dies erhebliche finanzielle Auswirkungen haben und entweder eine stärkere Förderung der Geburtenrate oder eine besonders genaue Überprüfung der Prognosen des föderalen Planbüros erforderlich erscheinen lassen.

Die Schlussfolgerung (freie Übersetzung):

"Ein anhaltender Geburtenrückgang wird sich schneller und stärker auf die Einnahmen als auf die Ausgaben auswirken. Daher kann man die Politik nur zur Vorsicht bei den Haushaltsprognosen mahnen, denn wenn die demografische Entwicklung weniger günstig ausfällt als im ‚Referenzszenario‘, könnte sie sich in einer zunehmend komplizierten Lage wiederfinden. Sie muss daher Vorsicht walten lassen und darf nicht auf ein zu optimistisches Szenario setzen."

Offensichtlich sind die Zahlen im gesamten EU-Raum rückläufig.

Laut Eurostat lag die Geburtenrate im Jahre 2024 bei 1,34 Geburten pro Frau, was einem Rückgang in der EU von 3,3 % im Vergleich zu 2023 entspricht. Dies sei die niedrigste Geburtenrate seit 2001, dem ersten Jahr, für welches der Wert verfügbar war.

Meine Fragen:

1.    Wurde von der Regierung eine Prognose der zukünftigen Geburtenrate in der DG erstellt? Wenn ja, bitte beziffern Sie die zur Verfügung stehenden Erkenntnisse.
2.    Hat oder wird die Regierung mögliche Einnahmeverluste durch Geburtenrückgang mit in die Haushaltsprognosen einplanen?
3.    Bitte beziffern Sie gemäß den drei oben genannten potenziellen Szenarien die daraus resultierenden entsprechenden Einnahmen für die DG bis 2036.
4.    Welche konkreten Simulationen liegen dem Ministerium vor, wie sich ein dauerhafter Rückgang der Geburtenrate in der DG auf die zukünftige Dotation des Föderalstaates auswirken wird?
5.    Das CERPE warnt vor einer Verzögerung: Einnahmen sinken sofort, Einsparungen bei Lehrpersonal und Infrastruktur greifen erst Jahre später. Wie geht die DG-Regierung mit dieser Erkenntnis um?
6.    Sehen Sie Alternativen, um das Schulwesen in der DG im Falle von sinkender Schülerzahlen zu sichern?
7.    Hat die Regierung geplant, einem potenziellen Rückgang der Geburtenrate entgegenzuwirken und wenn ja, wie?
8.    Wie viele Schulstandorte in der DG drohen die Mindestschülerzahlen in den kommenden drei Jahren zu unterschreiten?
9.    Ist die Regierung bereit, die geltenden Normen für Mindestbelegungen nach unten hin anzupassen, um kleine, ländliche Grundschulstandorte im Süden der DG gezielt vor Schließungen zu schützen?
10.    Verfolgt die Regierung Pläne zur verstärkten administrativen oder physischen Fusion von Primarschulen, um Standorte trotz sinkender Schülerzahlen krisenfest zu machen?
11.    Sieht die Regierung in den frei werdenden Kapazitäten eine Chance, den Betreuungsschlüssel (Schüler pro Lehrer) gezielt zu verbessern, und wie hoch beziffert sie die Mehrkosten einer solchen Qualitätssteigerung bei sinkender Schülerzahl?


Antwort von Jérôme FRANSSEN (CSP), Minister für Unterricht, Ausbildung und Beschäftigung

1.    Wurde von der Regierung eine Prognose der zukünftigen Geburtenrate in der DG erstellt? Wenn ja, bitte beziffern Sie die zur Verfügung stehenden Erkenntnisse.

Für die Deutschsprachige Gemeinschaft wird keine eigene amtliche Geburtenprognose erstellt.

Die Regierung stützt sich auf die regelmäßig veröffentlichten demografischen Projektionen des Föderalen Planbüros und von Statbel. Diese bilden die Referenzgrundlage für die Bevölkerungsentwicklung in Belgien und seinen Teilgebieten und werden auch im Rahmen der Haushalts- und Bildungsplanung der Deutschsprachigen Gemeinschaft herangezogen.

Demnach ergibt sich für die Deutschsprachige Gemeinschaft folgende Entwicklung der Geburtenzahlen:

•    2023: 737 Geburten (Statbel)
•    2024: 721 Geburten (Statbel)
•    2025: 718 Geburten (Prognose BFP)
•    2030: 670 Geburten (Prognose BFP)
•    2035: 657 Geburten (Prognose BFP)
•    2040: 688 Geburten (Prognose BFP)

Nach den aktuellen Projektionen wird somit zunächst ein Rückgang der Geburtenzahlen erwartet. Der prognostizierte Tiefpunkt liegt Mitte der 2030er Jahre bei rund 660 Geburten pro Jahr. Gegen Ende des Prognosezeitraums zeichnet sich wieder eine leichte Erholung ab.

Bei der Interpretation dieser Zahlen ist allerdings Vorsicht geboten. Die Geburtenentwicklung in der Deutschsprachigen Gemeinschaft unterliegt aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Bevölkerungsgröße stärkeren Schwankungen als in größeren Gebietseinheiten. Die Projektionen des Föderalen Planbüros sind daher in erster Linie als mittel- und langfristige Trendaussagen zu verstehen und nicht als exakte Vorhersagen einzelner Jahreswerte.

Auch die vom Föderalen Planbüro veröffentlichte Fertilitätsrate liegt für die Deutschsprachige Gemeinschaft weiterhin über dem belgischen Durchschnitt. Nach den aktuellen Projektionen entwickelt sie sich wie folgt:

•    2021: 1,86 Kinder je Frau
•    2026: 1,59 Kinder je Frau
•    2031: 1,66 Kinder je Frau
•    2036: 1,74 Kinder je Frau
•    2041: 1,81 Kinder je Frau

Die langfristigen Projektionen gehen somit nicht von einem anhaltenden Absinken der Fertilitätsrate aus, sondern von einer schrittweisen Stabilisierung und anschließenden leichten Erholung.

2.    Hat oder wird die Regierung mögliche Einnahmeverluste durch Geburtenrückgang mit in die Haushaltsprognosen einplanen?

Die Regierung berücksichtigt demografische Entwicklungen im Rahmen ihrer Haushaltsplanung auf Grundlage der jeweils verfügbaren Bevölkerungsdaten und -prognosen.

Hierzu werden einerseits die Bevölkerungsparameter herangezogen, die im Rahmen der föderalen Dotationsberechnung zur Verfügung gestellt werden. Andererseits werden die regelmäßig aktualisierten Bevölkerungsprognosen des Föderalen Planbüros berücksichtigt.

In diesen Prognosen sind die erwarteten demografischen Entwicklungen und mögliche Veränderungen der Bevölkerungsstruktur bereits enthalten.

3.    Bitte beziffern Sie gemäß den drei oben genannten potenziellen Szenarien die daraus resultierenden entsprechenden Einnahmen für die DG bis 2036.

Eine solche Bezifferung kann nicht vorgenommen werden.

Die in der Fragestellung erwähnten Szenarien wurden für die Föderation Wallonie-Brüssel entwickelt und beziehen sich auf deren spezifisches Finanzierungssystem, ihre Bevölkerungsstruktur sowie ihre Haushaltsgröße. Eine unmittelbare Übertragung auf die Deutschsprachige Gemeinschaft wäre methodisch nicht zulässig.

4.    Welche konkreten Simulationen liegen dem Ministerium vor, wie sich ein dauerhafter Rückgang der Geburtenrate in der DG auf die zukünftige Dotation des Föderalstaates auswirken wird?

Dem Ministerium liegen keine gesonderten Simulationen zu einzelnen Geburten- oder Fertilitätsszenarien vor.

5.    Das CERPE warnt vor einer Verzögerung: Einnahmen sinken sofort, Einsparungen bei Lehrpersonal und Infrastruktur greifen erst Jahre später. Wie geht die DG-Regierung mit dieser Erkenntnis um?

Die von CERPE beschriebene Problematik betrifft in erster Linie die Föderation Wallonie-Brüssel und ihr Finanzierungssystem.

Unabhängig davon ist der Regierung bewusst, dass demografische Entwicklungen unterschiedliche Ausgabenbereiche zeitversetzt beeinflussen können. Aus diesem Grund verfolgt sie eine vorsichtige und vorausschauende Haushaltsplanung und stützt sich auf mehrjährige Finanzprojektionen.

Gleichzeitig ist festzuhalten, dass sinkende Schülerzahlen nicht automatisch mit einem entsprechenden Rückgang der Ausgaben gleichzusetzen sind. Die Sicherstellung eines qualitativ hochwertigen und wohnortnahen Bildungsangebots bleibt auch bei veränderten demografischen Rahmenbedingungen eine zentrale Aufgabe der öffentlichen Hand.

6.    Sehen Sie Alternativen, um das Schulwesen in der DG im Falle sinkender Schülerzahlen zu sichern?

Die Regierung ist überzeugt, dass demografische Entwicklungen nicht ausschließlich unter dem Gesichtspunkt möglicher Herausforderungen betrachtet werden sollten. Rückläufige Schülerzahlen können auch Chancen eröffnen, etwa durch eine stärkere individuelle Förderung oder günstigere Betreuungsverhältnisse.

Darüber hinaus verfügen die Schulträger bereits heute über verschiedene Möglichkeiten, auf veränderte Rahmenbedingungen zu reagieren. Welche Lösungen im Einzelfall sinnvoll sind, hängt jedoch von den jeweiligen lokalen Gegebenheiten ab.

Ziel der Regierung bleibt es, die Qualität des Bildungsangebots langfristig zu sichern und gleichzeitig den unterschiedlichen Realitäten der einzelnen Schulstandorte Rechnung zu tragen.

7.    Hat die Regierung geplant, einem potenziellen Rückgang der Geburtenrate entgegenzuwirken und wenn ja, wie?

Die Entwicklung der Geburtenrate ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, das weit über den Zuständigkeitsbereich des Bildungswesens hinausgeht.

Die Regierung verfolgt daher einen breiten familienpolitischen Ansatz. Dazu gehören Investitionen in die Kinderbetreuung, familienfreundliche Rahmenbedingungen, Bildungsangebote, soziale Unterstützungsmaßnahmen sowie Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Gleichzeitig ist festzuhalten, dass die Ursachen sinkender Geburtenraten komplex sind und von zahlreichen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Faktoren beeinflusst werden. Ein direkter Zusammenhang zwischen einzelnen politischen Maßnahmen und der Entwicklung der Geburtenzahlen lässt sich daher nur begrenzt herstellen.

8.    Wie viele Schulstandorte in der DG drohen die Mindestschülerzahlen in den kommenden drei Jahren zu unterschreiten?

Zur Einordnung der geltenden Normen ist festzuhalten, dass die Mindestnormen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft bei sechs Kindern für einen Kindergarten und zwölf Kindern für eine Primarschule liegen. Die Gründungsnormen für neue Niederlassungen sind höher angesetzt.

Die konkrete Frage, welche Standorte in den kommenden drei Jahren die Mindestschülerzahlen unterschreiten könnten, lässt sich auf Grundlage der vorliegenden Daten nicht belastbar beantworten. Die verfügbaren Prognosen liegen auf Ebene der Gemeinden vor und erlauben keine verlässlichen Aussagen über die Entwicklung einzelner Niederlassungen.

Darüber hinaus wird für die Primarschulen auf Ebene der Deutschsprachigen Gemeinschaft bis 2029 zunächst sogar ein leichter Anstieg der entsprechenden Altersgruppe erwartet. Für den Kindergartenbereich wird hingegen ein Rückgang prognostiziert.

Die Regierung verfolgt diese Entwicklungen aufmerksam und steht hierzu im regelmäßigen Austausch mit den Schulträgern. Aussagen über die Zukunft einzelner Standorte können jedoch nicht allein auf Basis allgemeiner Bevölkerungsprognosen getroffen werden.

9.    Ist die Regierung bereit, die geltenden Normen für Mindestbelegungen nach unten hin anzupassen, um kleine, ländliche Grundschulstandorte im Süden der DG gezielt vor Schließungen zu schützen?

Die Regierung misst kleinen Schulstandorten, insbesondere in den ländlichen Ortschaften der Deutschsprachigen Gemeinschaft, einen hohen Stellenwert bei. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Bildungsteilhabe, zur Attraktivität der Dörfer und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Gleichzeitig geben die derzeit vorliegenden Prognosen keinen Anlass zu der Schlussfolgerung, dass die geltenden Mindestnormen kurzfristig angepasst werden müssten. Die verfügbaren Daten erlauben keine belastbaren Aussagen über die Entwicklung einzelner Standorte. Darüber hinaus wird für den Primarschulbereich in den kommenden Jahren auf Ebene der Deutschsprachigen Gemeinschaft zunächst sogar ein leichter Anstieg der entsprechenden Altersgruppe erwartet.

Hinzu kommt, dass die bestehenden Mindestnormen bereits niedrig angesetzt sind. Mit sechs Kindern im Kindergarten beziehungsweise zwölf Kindern in der Primarschule ermöglicht die geltende Regelung bereits heute den Fortbestand kleiner Schulstrukturen.

Die Regierung wird die demografische Entwicklung weiterhin aufmerksam verfolgen und den Dialog mit den Schulträgern fortsetzen. Ziel bleibt es, die hohe Qualität des Unterrichtswesens zu sichern und eine vielfältige Bildungslandschaft in der Deutschsprachigen Gemeinschaft langfristig zu erhalten.

10.    Verfolgt die Regierung Pläne zur verstärkten administrativen oder physischen Fusion von Primarschulen, um Standorte trotz sinkender Schülerzahlen krisenfest zu machen?

Die Regierung verfolgt keine Politik, die auf eine systematische Fusion von Schulstandorten abzielt.

Auch die aktuellen Bevölkerungs- und Schülerzahlprognosen lassen derzeit keine Entwicklung erkennen, die einen solchen Schritt nahelegen würde. Zudem unterscheiden sich die Ausgangslagen der einzelnen Schulstandorte teilweise erheblich, sodass pauschale Lösungen der Vielfalt der Schulrealität in der Deutschsprachigen Gemeinschaft nicht gerecht würden.

Die Regierung ist überzeugt, dass Entscheidungen über die organisatorische Entwicklung von Schulstandorten in erster Linie im Dialog mit den betroffenen Schulträgern und unter Berücksichtigung der jeweiligen lokalen Gegebenheiten getroffen werden sollten.

11.    Sieht die Regierung in den freiwerdenden Kapazitäten eine Chance, den Betreuungsschlüssel gezielt zu verbessern, und wie hoch beziffert sie die Mehrkosten einer solchen Qualitätssteigerung bei sinkender Schülerzahl?

Grundsätzlich können demografische Entwicklungen auch Chancen eröffnen.

Kleinere Lerngruppen und günstigere Betreuungsverhältnisse können dazu beitragen, Schülerinnen und Schüler individueller zu begleiten und unterschiedliche Förderbedarfe gezielter aufzugreifen.

Gleichzeitig wäre es zu kurz gegriffen, die Frage ausschließlich auf das Verhältnis zwischen Schüler- und Lehrerzahlen zu reduzieren. Die Qualität eines Bildungssystems hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab, darunter die Qualifikation des Personals, die Unterstützungsangebote, die Schulorganisation sowie die verfügbaren pädagogischen Ressourcen.

Eine konkrete Bezifferung möglicher Mehrkosten liegt der Regierung nicht vor. Diese würde von zahlreichen Faktoren abhängen, insbesondere von der tatsächlichen Entwicklung der Schülerzahlen, ihrer Verteilung auf die verschiedenen Schulformen und Standorte sowie von den jeweils verfolgten bildungspolitischen Zielsetzungen.

Die Regierung wird die demografischen Entwicklungen weiterhin aufmerksam verfolgen und ihre Auswirkungen auf die Bildungsplanung regelmäßig bewerten.

 

 

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