Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 427

11. Juni 2026 – Frage von Herr A. JERUSALEM an Herrn Minister FRANSSEN zu den Schulkosten in der technischen, berufsbildenden Ausbildung der Sekundarschulen der DG

Welche Ausgaben fallen für Schülerinnen und Schüler der berufsbildenden Abteilungen der Sekundarschulen der DG an?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.


Frage von Andreas JERUSALEM (ECOLO), vom 11. Juni 2026:

Von einer Krise in die nächste geschleudert, müssen viele Familien in der DG ihre finanzielle Situation genau im Auge behalten. Um die Familien dabei zu unterstützen, gilt in Belgien, und in der DG das Prinzip der kostenlosen Schulbildung, d. h. die Familien zahlen keine Einschreibegebühren für die Schulbildung ihrer Kinder. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie nichts für die schulische Bildung ihrer Kinder bezahlen müssen. Zu den gängigsten Ausgaben zählen:

•    Schulmaterial (Hefte, Stifte, Bücher)
•    Klassenfahrten & Ausflüge
•    Mittagessen
•    Transport zur Schule usw. 

Doch, während diese Kosten an den Sekundarschulen meist zumindest ähnlich ausfallen, unterscheiden sich andere Ausgaben ganz erheblich. So ist z. B. seit langem bekannt, dass gerade in den berufsbildenden Abteilungen gewisser Sekundarschulen zum Teil mehrere hundert Euro anfallen, um den Kursen folgen zu können. 

Angesichts dessen habe ich folgende Fragen: 

1.    Welche Ausgaben fallen für Schülerinnen und Schüler der berufsbildenden Abteilungen der Sekundarschulen der DG an?
2.    Wie verhalten sich diese Ausgaben im Vergleich zu denen der allgemeinbildenden Abteilungen? 
3.    Was gedenken Sie zu tun, um Familien passgenau bei den Ausgaben für die Bildung ihrer Kinder in den Sekundarschulen zu unterstützen? 


Antwort von Jérôme FRANSSEN (CSP), Minister für Unterricht, Ausbildung und Beschäftigung

Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
Sehr geehrter Herr Jerusalem,
Werte Kolleginnen und Kollegen,

Bildungsgerechtigkeit ist ein wichtiges Ziel für ein erfolgreiches Bildungssystem. Die Deutschsprachige Gemeinschaft hat daher in den vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um Familien bei den Schulbesuchskosten zu entlasten und die Chancengerechtigkeit im Bildungswesen zu stärken. Noch unlängst wurden im Maßnahmendekret 2026 die Beträge der Zuschüsse für Schulbesuchskosten für Kindergarten, Primar- und Sekundarschule erhöht. Auch werden den Sekundarschülern Laptops zur Verfügung gestellt. Und die Ligue des famillles hat den Einsatz der DG gerade in diesem Bereich ausdrücklich positiv hervorgehoben.

Dennoch lassen sich nicht sämtliche mit dem Schulbesuch verbundenen Kosten vermeiden. Insbesondere in technischen und berufsbildenden Studienrichtungen können zusätzliche Ausgaben entstehen. Diese sind häufig unmittelbar mit dem praxisorientierten Charakter der Ausbildung verbunden und betreffen beispielsweise Arbeitskleidung, Sicherheitsschuhe, persönliche Schutzausrüstung, Fachmaterialien und Werkzeuge. Was Schüler selbst kaufen, ist ihr Eigentum. 

Dabei darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass sich die tatsächlichen Kosten teilweise je nach Ausbildungsrichtung nochmals unterscheiden.

Hinzu kommt, dass die Datenlage derzeit nicht vollständig ist. Präzise aktuelle Angaben über Kosten liegen derzeit nicht vor.

Im Jahr 2023 hat das Ministerium eine Analyse des Einnahmen- und Ausgabenhaushalts der Gemeinschaftsschulen durchgeführt. Dabei lagen die durchschnittlichen Ausgaben für den Posten „Material für Schüler“ im Jahr 2022 je nach Schule zwischen rund 22 und 133 Euro pro Schüler. Da lediglich eine der untersuchten Schulen über berufsbildende Abteilungen verfügt, geben diese Zahlen zwar einen ersten Hinweis auf Größenordnungen, erlauben aber keine Aussagen über die tatsächlichen Kosten einzelner Fachrichtungen.

Die höheren Kosten technischer und berufsbildender Ausbildungen werden jedoch bereits heute bei der Finanzierung berücksichtigt. Sowohl die Dotationen der Gemeinschaftsschulen als auch die Funktionssubventionen der subventionierten Schulen tragen dem Umstand Rechnung, dass bestimmte Ausbildungsrichtungen deutlich kostenintensiver sind als andere.

Das Dekret vom 18. April 1994 sieht ausdrücklich vor, dass die Höhe der Funktionssubventionen vom Unterrichtsinhalt und von der Kostenintensität der jeweiligen Studienrichtung abhängt. Während ein Schüler einer Studienrichtung der Kategorie A (allgemeinbildender Unterricht) derzeit 1.055 Euro an Funktionssubventionen auslöst, sind es in den kostenintensiveren Kategorien C (Beispiel Mechanik, Holzverarbeitung) und D (Beispiel Industrielle Elektronik, Bauzeichnen, Automation) 1.377 beziehungsweise 1.464 Euro. Die Deutschsprachige Gemeinschaft stellt somit bereits heute bewusst mehr Mittel für jene Ausbildungsrichtungen zur Verfügung, die aufgrund ihres Praxisbezugs höhere Kosten verursachen.

Ergänzend dazu erhalten die Schulen Mittel für pädagogische Zwecke auf Grundlage des Dekrets vom 16. Dezember 2002. Diese ermöglichen unter anderem die Anschaffung von didaktischem Material, das den Schülerinnen und Schülern kostenlos zur Verfügung gestellt wird und Eigentum der Schule bleibt. Nicht zuletzt wurden, wie eben gesagt, die Mittel zur Reduzierung der Schulbesuchskosten im Sekundarunterricht mit dem Sammeldekret 2026 nochmals auf 135 Euro pro Schüler erhöht.

Ebenso wichtig ist es, die vorhandenen Mittel so einzusetzen, dass sie Familien konkret entlasten. Dazu gehören eine transparente und frühzeitige Information über die zu erwartenden Kosten, die Prüfung von Leihsystemen für Werkzeuge und Ausrüstungen, gemeinsame Anschaffungen sowie die Wiederverwendung von Material dort, wo dies sinnvoll und praktikabel ist.

 

Zurück Drucken Teilen
Blick auf das Parlament der deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien

Das Parlament

Das Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist ein souveräner Entscheidungsträger in den Kompetenzbereichen der Gemeinschaft.

Das Parlament besuchen

Besucher sind im Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft herzlich willkommen! Von der Identität der deutschsprachigen Belgier bis hin zur Funktionsweise des Parlaments erfahren Sie einiges über Ostbelgien.

Parlament besuchen

Die Geschichte des Parlaments

Das Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft hat sich seit seiner Gründung zu einem wichtigen Akteur der regionalen Politik entwickelt und gestaltet die Autonomie Ostbelgiens maßgeblich mit.

Mehr erfahren