Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 425 & 426

11. Juni 2026 – Fragen von Frau K. ELSEN & Herr C. SERVATY an Herrn Minister FRANSSEN zur Fördersekundarschule im Süden der DG

Wie ist der aktuelle Stand des Projekts zur Schaffung einer Fördersekundarschule im Süden der DG?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.


Frage von Kathy ELSEN (ProDG), vom 11. Juni 2026:

Die Schaffung eines Fördersekundarschulangebotes im Süden der Deutschsprachigen Gemeinschaft würde für viele betroffene Jugendliche und ihre Familien eine deutliche Verbesserung ihrer schulischen und familiären Situation bedeuten.

Insbesondere im Süden der DG stehen Familien von Kindern mit Förderbedarf schon immer vor organisatorischen und persönlichen Herausforderungen. Der tägliche Schulweg nach Eupen ist für manche Schüler mit langen Fahrzeiten verbunden. Die daraus resultierenden frühen Abfahrten und späten Rückkehrzeiten belasten nicht nur die Jugendlichen selbst, sondern wirken sich auch auf das gesamte familiäre Umfeld aus.

Gerade für Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf können lange Fahrzeiten zusätzlichen Stress verursachen und sich negativ auf Konzentration, Entwicklung und Wohlbefinden auswirken. Auch die Unterbringung im Internat stellt nicht für alle Familien eine geeignete oder gewünschte Lösung dar.

Ein wohnortnahes Förderangebot würde hingegen zahlreiche Vorteile mit sich bringen. Es erleichtert die Vereinbarkeit von Schule und Familienleben, stärkt die Einbindung der Eltern in den schulischen Alltag und fördert den regelmäßigen Austausch zwischen Schule und Elternhaus. Dadurch entstehen bessere Voraussetzungen für eine kontinuierliche und nachhaltige Begleitung der Jugendlichen auf ihrem Bildungsweg.

Im Rahmen der Regierungskontrolle vom 15. Mai 2025 haben Sie auf eine Frage von Herrn Jerusalem ein mögliches Startdatum für ein entsprechendes Angebot erwähnt.

Vor diesem Hintergrund möchte ich mich nach dem aktuellen Stand erkundigen und habe folgende Fragen:

1.    Wie ist der aktuelle Stand des Projekts zur Schaffung einer Fördersekundarschule im Süden der DG?
2.    Ist der in der Vergangenheit genannte Starttermin aus heutiger Sicht weiterhin realistisch?
3.    Wann rechnet die Regierung damit den Betroffenen im Sinne der Planungssicherheit konkrete Informationen zur Verfügung zu stellen?


Frage von Charles SERVATY (SP), vom 11. Juni 2026:

In der Plenarsitzung vom 10. Dezember 2025 gingen Sie näher auf Ihre Vorstellungen zum Aufbau eines Fördersekundarschulstandorts Süd ein. Dabei erwähnten Sie unter anderem den diesbezüglichen Austausch mit allen Eifeler Sekundarschulen, der zum Ziel habe, Schüler mit erhöhtem Förderbedarf in eine Regelsekundarschule zu integrieren. Demnach sei unter anderem angedacht, im September 2026 an einer Sekundarschule im Süden Ostbelgiens eine gemischte Klasse und unter Umständen eine sogenannte Regenbogenklasse zu eröffnen.

Hierzu lauten meine Fragen:

1.    Zu welchen konkreten Ergebnissen haben Ihre letztjährigen Ankündigungen zu den diesbezüglichen Beratungen mit den Eifeler Sekundarschulen bisher geführt?
2.    Wird es im September 2026 an einer Sekundarschule im Süden Ostbelgiens zur Eröffnung einer gemischten Klasse kommen?
3.    Wird es im September 2026 in einer Sekundarschule im Süden Ostbelgiens zur Eröffnung einer sogenannten Regenbogenklasse kommen?


Antwort von Jérôme FRANSSEN (CSP), Minister für Unterricht, Ausbildung und Beschäftigung

Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
Sehr geehrte Frau Elsen, sehr geehrter Herr Servaty,
Werte Kolleginnen und Kollegen,

die Schaffung eines Fördersekundarangebots im Süden ist beschlossen und wir sind aktuell dabei, es aufzubauen. Dabei geht es nicht allein um schulorganisatorische Fragen. Es geht vor allem darum, Familien zu entlasten, Wegezeiten zu verkürzen, die Teilhabe der betroffenen Jugendlichen zu stärken und eine qualitativ hochwertige pädagogische Begleitung sicherzustellen.

Wir arbeiten derzeit parallel an mehreren konkreten Projekten. Hierzu hat die Regierung einen klaren Auftrag erteilt.

Erstens wird gemeinsam mit dem ZFP ein verbindlicher Masterplan fertiggestellt. Dieser definiert die Leitlinien, die Umsetzungsschritte und einen klaren Zeitrahmen. Er wird in den kommenden Wochen mit den Schulträgern abgestimmt und bildet die Grundlage für die weiteren Entscheidungen.

Zweitens sind an mehreren Standorten konkrete Planungen zu den Umsetzungen von Teilprojekten angelaufen.

Im Gebäude des ZFP St. Vith wurden die notwendigen Räumlichkeiten zur kurzfristigen Entlastung sowohl der Primarschule sowie zur Schaffung einer Klasse für Sekundarschüler mit hochschwelligem Förderbedarf gefunden und die notwendigen infrastrukturellen Anpassungen sollen nun umgesetzt werden.

Zum Zeitplan:
Ein Start im September 2026 wurde als Zielrichtung formuliert. An dieser Zielrichtung arbeiten wir aktuell weiter. Zugleich ist klar: Entscheidend ist ein möglichst früher Start, aber nicht um jeden Preis, sondern ein tragfähiges Angebot, das pädagogisch, personell und organisatorisch den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler gerecht wird.

Deshalb bereiten wir den Einstieg schrittweise vor. Einen sehr kleinen, ersten Start im September 2026 schließe ich im Moment noch nicht aus. Für größere erste Angebote ist aus heutiger Sicht September 2027 der realistische und belastbare Zeitpunkt. Damit stellen wir sicher, dass das neue Fördersekundarangebot nicht nur formal eingerichtet wird, sondern in der Praxis auch die Qualität bietet, die die betroffenen Jugendlichen und ihre Familien erwarten dürfen.

Schließlich ist uns bewusst, dass Familien, Schulen und alle Beteiligten Planungssicherheit benötigen. Sobald die Planungen abgeschlossen sind, wird umfänglich informiert. Ziel ist es, rechtzeitig vor Beginn des Schuljahres 2026/2027 konkrete Informationen zur Verfügung zu stellen. Die Kommunikation wird dabei in enger Abstimmung mit den Schulen, dem ZFP und der Regierung erfolgen.

 

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