Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 413

09. Juni 2026 – Frage von Herr M. HENN an Herrn Minister FRECHES zum Kulturwandel und zur mentalen Gesundheit im Sport

Welche konkreten Maßnahmen braucht es für einen Kulturwandel im Sport?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.


Frage von Marcel HENN (CSP), vom 09. Juni 2026:

Beim Rat der EU-Jugend- und Sportminister in Brüssel haben Sie, Herr Minister Freches, am 11. und 12. Mai Belgien in zentralen Debatten zur Jugendpolitik, mentalen Gesundheit im Sport und gesellschaftlichen Teilhabe vertreten.

Im Mittelpunkt standen die zukünftige EU-Jugendstrategie, psychische Gesundheit im Sport sowie nachhaltiger Sporttourismus.

Beim EU-Jugendministerrat diskutierten die Mitgliedstaaten über die Ausrichtung der europäischen Jugendstrategie nach 2027. Sie, Herr Minister, stellten dabei die Arbeitsweise der DG im Jugendbereich vor. Grundlage sei ein wissenschaftlich fundierter Jugendbericht, der gemeinsam mit dem Jugendsektor erarbeitet werde und die Lebensrealität junger Menschen erfassen solle. Die Ergebnisse sollen in den nächsten Jugendstrategieplan einfließen.

Beim EU-Sportministerrat stand die psychische Gesundheit im Sport im Fokus. Laut Ihren Aussagen betrifft das Thema alle Ebenen – vom Breitensport bis zum Spitzensport. Frühe Spezialisierung, Leistungsdruck oder Verletzungen hätten direkte Auswirkungen auf die mentale Gesundheit von Sportlerinnen und Sportlern.

Belgien sprach sich deshalb für einen Kulturwandel aus. Mentale Gesundheit müsse als gleichwertiger Bestandteil moderner Sportpolitik verstanden werden. „Mentale Probleme sind kein Zeichen von Schwäche“, so eine Ihrer Aussagen.

Außerdem verabschiedeten die Sportminister Ratsschlussfolgerungen zum nachhaltigen Sporttourismus. Dabei ging es um die Verbindung von Sport, Tourismus und klimafreundlicher Mobilität. Sporttourismus biete gerade in ländlichen Regionen große Chancen und sei für Ostbelgien ein wichtiges Zukunftsthema. 

Ich möchte Ihnen dazu folgende Fragen stellen:

1.    Welche konkreten Maßnahmen braucht es für einen Kulturwandel im Sport? 
2.    Wie kann mentale Gesundheit im Breitensport in der Deutschsprachigen Gemeinschaft besser thematisiert werden? 
3.    Welche Vorteile kann nachhaltiger Sporttourismus für ländliche Regionen wie die unsere bieten?


Antwort von Gregor FRECHES (PFF), Minister für Kultur, Erwachsenenbildung, Tourismus, Denkmal- und Landschaftsschutz

Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrter Herr Henn, werte Kolleginnen und Kollegen, ich danke dem Fragesteller für seine Fragen. Der Rat der EU-Sportminister hat erneut verdeutlicht, dass Sportpolitik heute weit über die Förderung von Bewegung hinausgeht. Themen wie Gesundheit, gesellschaftlicher Zusammenhalt und nachhaltige Entwicklung gewinnen zunehmend an Bedeutung. Dies gilt auf europäischer Ebene ebenso wie für die Deutschsprachige Gemeinschaft.

Sport steht für Bewegung, Wohlbefinden, Gemeinschaft, Wertevermittlung und Leistung. Gleichzeitig können sportliche Aktivitäten auch Belastungen mit sich bringen. Dies betrifft nicht nur den Spitzensport, sondern ebenso den Breitensport. Leistungsdruck, Verletzungen, hohe Erwartungen oder eine frühe Spezialisierung können sich auf die psychische Gesundheit von Sportlerinnen und Sportlern auswirken.

Ein Kulturwandel setzt deshalb bei der Anerkennung der psychischen Gesundheit als integralen Bestandteil moderner Sportpolitik an. Psychische Gesundheit muss denselben Stellenwert erhalten wie die körperliche Gesundheit. Dazu gehören weniger Tabuisierung, mehr Sensibilisierung und eine offene Gesprächskultur in Vereinen und Verbänden. Mentale Probleme dürfen nicht als Zeichen von Schwäche wahrgenommen werden, sondern als Teil der Realität, dem mit derselben Selbstverständlichkeit begegnet werden muss wie körperlichen Beschwerden.

Ebenso wichtig ist die Qualifizierung derjenigen, die Verantwortung im Sport übernehmen. Trainerinnen und Trainer, Betreuerinnen und Betreuer sowie Funktionäre sollten Belastungssituationen frühzeitig erkennen und angemessen darauf reagieren können. Auch altersgerechte Wettkampfformate, ausreichende Erholungszeiten und eine verantwortungsvolle Belastungssteuerung tragen zum Schutz der psychischen Gesundheit bei.

Gerade im Breitensport bietet sich die Möglichkeit, dieses Thema stärker sichtbar zu machen. Sportvereine schaffen Begegnung, soziale Kontakte und Zugehörigkeit. Diese Faktoren leisten einen wichtigen Beitrag zum Wohlbefinden vieler Menschen. Aus Sicht der Deutschsprachigen Gemeinschaft kommt es darauf an, Sensibilisierung und Information weiter zu fördern sowie die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren des Sports, der Jugendarbeit und des Gesundheitsbereichs zu stärken. Die überschaubaren Strukturen in Ostbelgien erleichtern dabei den Austausch und die Vernetzung.

Die Diskussionen im Ministerrat haben zudem verdeutlicht, dass die Verbindung von Sport und Tourismus insbesondere für ländliche Regionen erhebliche Entwicklungschancen bietet. Ostbelgien verfügt mit seiner Natur, dem RAVeL-Netz, dem Vennbahnweg sowie seinen Wander- und Radwegen über hervorragende Voraussetzungen. Sporttouristische Angebote können zusätzliche Besucherinnen und Besucher anziehen und positive Impulse für die lokale Wirtschaft setzen. Projekte wie der „Stoneman Arduenna“ oder die zahlreichen Trail- und Radstrecken zeigen bereits heute das Potenzial unserer Region.

Gleichzeitig muss Wachstum nachhaltig gestaltet werden. Erfolgreicher Sporttourismus berücksichtigt den Schutz der Natur, den respektvollen Umgang mit der lokalen Bevölkerung sowie nachhaltige Mobilitätsformen. Gerade darin liegt für Ostbelgien die Chance, Sport, Tourismus, Gesundheit und nachhaltige Entwicklung miteinander zu verbinden.

Die Diskussionen auf europäischer Ebene haben deutlich gemacht, dass diese Themen eng miteinander verknüpft sind. Die sich daraus ergebenden Chancen werden wir auch künftig für die Deutschsprachige Gemeinschaft nutzen.

 

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