Mündliche Frage Nr. 409 08. Juni 2026 – Frage von Frau F. COLLING an Herrn Ministerpräsident PAASCH zu Kontakten der DG im Bereich Wasserstoffinfrastruktur Welche konkreten Ansprechpartner nutzt die DG im Bereich Wasserstoffinfrastruktur? Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. Frage von Fabienne COLLING (ECOLO), vom 08. Juni 2026: Wasserstoff gilt in der aktuellen europäischen Energieplanung nicht als klassische Primärenergiequelle, sondern als sogenannter „Energieträger“ und industrieller Rohstoff. Er wird insbesondere dort eingesetzt, wo eine direkte Elektrifizierung technisch oder wirtschaftlich schwierig ist, etwa in der Stahl- oder Chemieindustrie oder als Langzeitspeicher für überschüssige erneuerbare Energie. Gleichzeitig ist die Nutzung von Wasserstoff zur Rückverstromung in Gasturbinen technisch möglich, allerdings mit geringeren Gesamtwirkungsgraden als eine direkte Elektrifizierung. Eine zentrale Forschungsfrage ist dabei die Entwicklung von Verbrennungssystemen, die Wasserstoff mit möglichst geringen Stickoxid-(NOx)-Emissionen nutzen können. Hierzu wird unter anderem im Raum Aachen seit Jahren intensiv geforscht. In diesem Zusammenhang spielt der Ausbau einer europäischen Wasserstoffinfrastruktur eine zentrale Rolle. Ein wesentlicher Akteur ist dabei das Unternehmen Fluxys, der belgische Fernleitungsnetzbetreiber für Gasinfrastruktur. Fluxys entwickelt derzeit gemeinsam mit europäischen Partnern ein grenzüberschreitendes Wasserstofftransportnetz, das bestehende Gasleitungen teilweise umnutzt und durch neue Leitungsabschnitte ergänzt. Ziel ist ein sogenanntes „European Hydrogen Backbone“, das industrielle Cluster, Häfen und Energiezentren in Nordwesteuropa miteinander verbindet. Konkret betrifft dies auch die Grenzregion zwischen Belgien und Deutschland. Im Raum Eynatten ist eine Wasserstoffverbindung vorgesehen, die das belgische Netz mit dem entstehenden deutschen Wasserstoff-Kernnetz verbindet. Dieses deutsche Kernnetz wird seinerseits von mehreren Übertragungsnetzbetreibern entwickelt und soll bis in die großen Industrie- und Kraftwerksstandorte wie die Region Aachen/Weisweiler reichen, wo perspektivisch auch wasserstofffähige Gaskraftwerke zur Absicherung erneuerbarer Stromproduktion vorgesehen sind. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie die von der Regierung beschriebenen Bemühungen zur Schaffung eines Wasserstoffterminals in der DG konkret ausgestaltet sind und welchen Umsetzungsstand sie derzeit haben. Hierzu unsere Fragen: 1. Welche konkreten Ansprechpartner nutzt die DG im Bereich Wasserstoffinfrastruktur? 2. In welche Koordinationsstrukturen von Fluxys sowie belgischen und deutschen Netzbetreibern im Raum Eynatten–Aachen ist die DG eingebunden? Welche energiepolitischen Zielsetzungen liegen den wasserstoffbezogenen Infrastrukturüberlegungen der DG zugrunde? Antwort von Oliver PAASCH (ProDG), Ministerpräsident Wasserstoff gibt es in unterschiedlichen Farben. Die Farben des Wasserstoffs stehen für unterschiedliche Herstellungsverfahren und deren Klimabilanz. So entsteht grüner Wasserstoff aus der Elektrolyse von Wasser und erneuerbarem Strom und gilt als CO² neutral, während grauer Wasserstoff aus fossilem Erdgas gewonnen wird und das Treibhausgas CO² freisetzt. Beim blauen Wasserstoff wird das CO² abgefangen, sodass er als CO² arm aber nicht als CO² neutral gilt. Diese Unterscheidung ist wichtig, da durch die von Ihnen angesprochenen Fluxys-Pipeline grauer oder blauer Wasserstoff transportiert wird. Ja, wir haben mehrmals mit der Chefetage von Fluxys und der Abteilung für internationale Gasnetze gesprochen. Auch auf Arbeitsebene haben wir mit Fluxys ausgetauscht. Unser Anliegen lautet, wenn schon eine Pipeline durch Ostbelgien gebaut wird, dann wollen wir einen Terminal bekommen, um perspektivisch unsere Betriebe und später auch Haushalte mit Wasserstoff versorgen zu können. Zu den Koordinationsstrukturen: Das Abkommen mit der WR, das im Rahmen der Übertragung der Raumordnung an die DG abgeschlossen wurde, sieht vor, dass diejenige Regierung über die Genehmigungsbefugnis verfügt, auf deren Gebiet der längste Teil der Pipeline angelegt wird. Das ist die Wallonie. Wir sind mit am Tisch, aber bzgl. der Fragen, ob, wann, wo und wie die Pipeline gebaut wird, ist die Wallonie entscheidungsbefugt. Wir haben ein Interesse daran, dass dem grauen oder blauen Wasserstoff immer mehr grüner Wasserstoff aus eigener Produktion beigemischt werden kann. So steht es in unserem Konzept zum energieautarken Ostbelgien, das wir im Ausschuss bereits vorgestellt haben. Dafür brauchen wir Strom aus Windkraft, größere Mengen an Wasser und eine geeignete Elektrolyse-Technik. Z.Z. planen wir, mehrere Pilotanlagen in Deutschland zu besuchen und gehen der Frage nach, ob eine entsprechende Anlage in der DG ökonomisch sinnvoll, technisch machbar, finanziell tragbar und wettbewerbsfähig sein kann. Darüber hinaus muss die Frage beantwortet werden, wie der Wasserstoff innerhalb unserer Gemeinschaft transportiert werden soll: gebunden an Katalysatoren (die sich umweltmässig als hoch riskant erweisen) oder in flüssiger Form in Druckbehältern. Sie sehen, werte Kollegin, es fehlt nicht an Ideen und Engagement, aber die aufgeworfenen Fragen verlangen eine praxistaugliche Antwort aus ökonomischer, technischer, finanzieller, juristischer und der ökologischen Sicht. Daran arbeiten wir z.Z. auf Hochtouren.
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