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Fragen und Antworten

Schriftliche Frage Nr. 278

9. September 2022 – Frage von G. Freches an Frau Ministerin Klinkenberg zum EU-Schulprogramm „Obst, Gemüse und Milch in der Schule“

Wird dieses EU-Schulprogramm in unseren Schulen beworben?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. 

Frage von Gregor Freches (PFF), vom 4. August 2022:

In den letzten Jahren hat der allgemeine Konsum von frischem Obst und Gemüse sowie von Milchprodukten stetig abgenommen. Der heutige Trend geht hin zu stark verarbeiteten Produkten, was vor allem bei kleinen Kindern zu Übergewicht führen kann.
Um diesem Trend entgegenzuwirken, wurde ein EU-Programm mit dem Namen „Milch, Obst und Gemüse in der Schule“ ins Leben gerufen.
Ziel des Programms ist es, die Vorteile einer gesunden Ernährung schon in jungen Jahren zu fördern und Kinder zu ermutigen, mehr Obst, Gemüse, Milch und Milchprodukte zu essen.
Wie es auf der offiziellen Webseite der Wallonie zu lesen ist, funktioniert das Programm über die Finanzierung der kostenlosen Verteilung von Obst, Gemüse, Milch und/oder Milchprodukten in Kindergärten und Grundschulen in der Wallonischen Region.
Diese Verteilung wird durch pädagogische Aktivitäten ergänzt, damit die Kinder lokale Produkte kennenlernen und eine Verbindung zwischen Ernährung und Landwirtschaft herstellen können.
Schulen können sich über zwei verschiedene Formulare für dieses Programm anmelden.
Das erste Formular „zentraler öffentlicher Markt“ ermöglicht es den Schulen, kostenlos Obst, Gemüse und Milchprodukte von Lieferanten zu erhalten, die von dem ÖDW LNU (Öffentlicher Dienst der Wallonie Landwirtschaft, Naturschätze, Umwelt) bestimmt werden, und zwar nach einem von demselben Dienst festgelegten Zeitplan.
Das zweite Formular „öffentlicher Markt Schule“ gibt den Schulen die Möglichkeit, ihre Obst-, Gemüse- und Milchlieferanten selbst auszusuchen.
Neben den positiven Auswirkungen der Förderung und Sensibilisierung für gesunde Ernährung bei unseren jungen Menschen trägt dieses Programm auch dazu bei, unsere Landwirte und unsere lokalen Märkte in den Vordergrund zu stellen und somit aktiv zu unterstützen.

Daher möchte ich folgende Fragen an Sie, werte Frau Ministerin, richten:
1. Wird dieses EU-Schulprogramm in unseren Schulen beworben?
2. Wird die DG Regierung dieses Programm in irgendeiner Form unterstützen?
3. Können Sie uns mitteilen, wie viele Schulen aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft an diesem Programm teilnehmen?
4. Welche Formen von Sensibilisierungsmaßnahmen werden in den Schulen in Ostbelgien angeboten, um die Kinder auf die ´gesunde Ernährung´ hinzuweisen?
5. Welche Rolle könnte bzw. kann KALEIDO hier übernehmen?

Antwort von Lydia Klinkenberg (ProDG), Ministerin für Unterricht, Ausbildung, Kinderbetreuung und Erwachsenenbildung:

Das EU-Programm sieht mehrere Möglichkeiten vor: Schulen können Milch(-produkte), Obst und Gemüse zentralisiert über einen öffentlichen Auftrag von einem von der Wallonischen Region ausgewählten Anbieter beziehen oder selbst einen lokalen Anbieter aussuchen. Sie können auch wählen, ob sie das Komplettpaket (Obst, Gemüse und Milch(-produkte)) kostenlos erhalten möchten oder nur Obst und Gemüse oder Milch(-produkte) beziehen wollen. Die Verteilung der Produkte wird durch Lernaktivitäten ergänzt, um es den Kindern zu ermöglichen, die lokalen Produkte zu entdecken und eine Verbindung zwischen Ernährung und Landwirtschaft herzustellen.
Die Wallonische Region schreibt die Schulen mehrfach direkt per E-Mail an und erklärt die verschiedenen Optionen und die Einschreibeformalitäten. Die Einschreibung erfolgt auf einem Onlineformular, das in deutscher und französischer Sprache zur Verfügung steht. Diese Einschreibungen waren von Mai bis Juni 2022 vorgesehen, wurden aber bis September 2022 verlängert. Insgesamt wurden die Schulen fünfmal angeschrieben:
• am 22. April 2022 bei der Zurverfügungstellung des deutschsprachigen Einschreibe-formulars;
• am 7. Juni 2022 zwei E-Mails in französischer Sprache bez. der Verlängerung der Ein-schreibefristen;
• am 8. Juni 2022 ein Erratum in deutscher Sprache (doppelt verschickt);
• am 11. August 2022, um das französischsprachige Formular zur Einschreibung für die selbstgewählten Lieferanten zu bewerben;
• am 23. August 2022 zur Bewerbung des deutschsprachigen Formulars.
Trotz der zahlreichen Kontaktaufnahmen und der Verlängerung der Einschreibefristen haben sich bislang nur wenige Schulen aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft ein-geschrieben.
Im Schuljahr 2021-2022 hat keine Schule aus Deutschsprachigen Gemeinschaft an dem europäischen Projekt teilgenommen. Im Schuljahr 2022-2023 haben sich bislang zwei Schulen für die zentrale Vergabe entschieden. Die Einschreibungen für die eigene Wahl eines lokalen Anbieters laufen noch bis zum 19. September 2022.
Eine zusätzliche Bewerbung dieses Programms könnte auch durch Kaleido Ostbelgien gemacht werden, da sie im Rahmen des Projekts „Tutti Frutti“ schon als Projektleiter für die Verteilung von Obst in den Schulen zur Förderung der gesunden Ernährung bei den Grundschulleitern bestens bekannt sind.
Im Schuljahr 2022-2023 wird das Projekt „Tutti Frutti“ zum 16. Mal in der Deutsch-sprachigen Gemeinschaft durchgeführt. „Tutti Frutti“ richtet sich an alle Kindergärten und Primarschulen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft und ermöglicht es dank der Zusammenarbeit mit lokalen Obsthändlern, den Kindern einmal wöchentlich frisches Obst der Saison zu liefern. Die Kinder erwerben ein Obstabonnement pro Schuljahr (33 Wochen), das in diesem Jahr je nach Anbieter zwischen 10,50 EUR und 12.50 EUR pro Kind kostet. Die Preise werden von Kaleido Ostbelgien ausgehandelt, die Umsetzung liegt aber in Händen der Schule. Auch hier nehmen wenig Schulen teil (4-5 Schulen, hauptsächlich im Süden). Das könnte daran liegen, dass die meisten Schulen eigene Projekte in diesem Bereich durchführen, bei denen die Kinder Obst von Zuhause mit-bringen.
Die Schulen werden nicht nur sensibilisiert, der Bereich der gesunden Ernährung wird schon im Aktivitätenplan für den Kindergarten thematisiert und ist danach in jeder Stufe der Primar- und Sekundarschule als verpflichtende Kompetenzerwartung in den Rahmen-plänen Naturwissenschaften enthalten.

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