Druck Kopfbild

Fragen und Antworten

Schriftliche Frage Nr. 267

2. August 2022 – Frage von J. Grommes an Frau Ministerin Weykmans zum Nationalpark Hohes Venn

Welche Arbeitsschritte wurden und werden noch unternommen, um den Projektantrag auszuarbeiten?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. 

Frage von José Grommes (ProDG) vom 23. Juni 2022:

Die Wallonische Region hat im vergangenen Jahr den Projektaufruf „parc national de Wallonie“ lanciert, der darauf abzielt, für die Projektträger und die sozialen Gemeinschaften vor Ort in verschiedenen Bereichen, wie Umwelt, Wirtschaft, Beschäftigung, Lebens-qualität, Mobilität, usw., Gestaltungsmöglichkeiten zu entwickeln. Generell geht es für die Gemeinden und Gemeindeverbände darum, eine ganzheitliche und nachhaltige Entwicklung ihrer Region zu erreichen.
An der Projektausschreibung hat sich eine sog. territoriale Koalition mit dem Projekt Nationalpark Hohes Venn beteiligt. Diese besteht aus drei deutschsprachigen Gemeinden, Bütgenbach, Eupen und Raeren, vier frankofonen Gemeinden, Baelen, Jalhay, Malmedy und Waismes, die mit der ASBL Region de Verviers – Bürgermeisterkonferenz als Projektantragssteller dieser Projektausschreibung nachgegangen sind. Weitere Partner sind die Provinz Lüttich, die Wallonische Region, die Deutschsprachigen Gemeinschaft, der Naturparkzentrum Hohes Venn, das Haus Ternell, Les amis de la Fagne, Patrimoine nature, die FTPL (Fédération du Tourisme de la Province de Liège), die TAO und die wissenschaft-liche Station auf Mont Rigi.
Das Projekt Nationalpark Hohes Venn wurde nach einer ersten Vorauswahl auf Ebene der Wallonischen Region neben drei anderen Bewerbern in die engere Auswahl genommen. Das Projekt ist aktuell in seiner zweiten und letzten Phase der Projektausschreibung, in der zwei Gebiete das Gütesiegel erhalten und in den Genuss der vorgesehenen Finanzmittel in Höhe von 13 Millionen Euro kommen werden.
Am 17. Juni wurde im Rahmen einer Pressekonferenz der Projektstand des Nationalparks Hohes Venn vorgestellt. Die territoriale Koalition hat 250.000 Euro erhalten, um einen Leitplan (20-Jahres-Vision) und einen operativen Plan (5-Jahres-Aktionsprogramm) auszuarbeiten. Dazu werden in den kommenden Wochen die Bewohner des Gebiets sowie Touristen miteinbezogen, um ihre Erwartungen an einen potenziellen Nationalpark in die Pläne einfließen zu lassen. Am 1. Oktober muss der vollständige Projektantrag bei der Wallonischen Region eingereicht werden.

Das Hohe Venn als Nationalpark würde auch in Ostbelgien neue Möglichkeiten eröffnen und zur Aufwertung unseres Standorts beitragen. Daher möchte ich Ihnen, sehr geehrte Frau Ministerin, folgende Fragen zum Projekt „Nationalpark Hohes Venn“ stellen:
1. Welche Arbeitsschritte wurden und werden noch unternommen, um den Projektantrag auszuarbeiten?
2. Welchen Zeitplan verfolgt die Projektgruppe in den Monaten vor der Abgabefrist?
3. Welchen Beitrag leistet die Deutschsprachige Gemeinschaft im Projekt „Nationalpark Hohes Venn“?
4. Welche Rolle spielt der Naturpark in den Plänen des Nationalparks?

Antwort von Isabelle Weykmans (PFF), Ministerin für Kultur, Beschäftigung, Wirtschaftsförderung und ländliche Entwicklung:

Nachdem das Projekt Nationalpark Hohes Venn es in die zweite Bewerbungsrunde geschafft hat, wurde die umfassende erste Analyse der Jury ausgewertet, um Schwachpunkte zu identifizieren und auf diese in der zweiten Projektphase entsprechend zu reagieren. Mit der Bereitstellung der 250.000 Euro von Seiten der Wallonischen Region, um einen strategischen Leitplan und einen Umsetzungsplan auszuarbeiten, wurde daraufhin ein passendes Studienbüro gesucht und mit der Agentur MTDA gefunden. MTDA ist ein Studien- und Beratungsbüro für Umweltfragen aus Südfrankreich, das sich bei diesem Projekt um die Themen Biodiversität und Wald sowie um Wasser, Klimawandel und Risiken kümmert. Für das Projekt Nationalpark Hohes Venn hat MTDA einige Experten in verschiedenen Bereichen (Nachhaltiger Tourismus, Beziehung Natur und Mensch, Landschaft) hinzugeholt und arbeitet auch mit einem Lütticher Ingenieurbüro aus dem Tourismusbereich zusammen, damit die Koordination vor Ort sichergestellt ist.
Dem Studienbüro wurde im April offiziell der Auftrag erteilt, um in der Kürze der Zeit – Antragsfrist ist Anfang Oktober – das Maximale herauszuholen. Das Konsortium rund um MTDA wird eine Analyse der physischen Umwelt (Boden, Wasser, Klima), der natürlichen und forstwirtschaftlichen Umwelt, der menschlichen Umwelt (Risiken, Belästigungen), sozioökonomischer Elemente (Tourismus und Mobilität) und sozioökologischer Elemente (Landschaften) vornehmen. Diese beinhaltet nicht nur eine Prüfung des Geländes vor Ort oder der bestehenden Daten oder Studien, sondern auch die Bürgerbeteiligung.
Bürger und Bürgerinnen sollen nicht nur jetzt, bei der Erstellung des Bewerbungsdossiers, sondern auch danach bei der Verwaltung des Nationalparks, insofern dieser als solcher anerkannt sein wird, eine wesentliche Rolle einnehmen. Es ist wichtig, ein Gleichgewicht zwischen der Vision der territorialen Koalition sowie der betroffenen Akteure, wie Wissenschaftler, Anwohner, Nutzer, lokale Unternehmen aus Horeca und Tourismus, verschiedene Wirtschaftssektoren und Behörden usw., zu schaffen. Es geht darum, zu sensibilisieren, zu konsultieren, einzubeziehen und ein konstruktives Miteinander zu schaffen.

Die Bürgerkonsultation beinhaltet Ortsbesichtigungen, spontanen Austausch mit Anwohnern oder Gästen, thematische Workshops, Einzelgespräche mit Akteuren usw. Im Rahmen der Bürgerbeteiligung wurde auch eine Mitgliederkampagne und ein Wanderevent im Monat Juni gestartet: „Ich bin Venn!“ - „J’en suis Fagne!“, ein Slogan, durch den jeder eingeladen ist, die Kandidatur als Nationalpark Hohes Venn zu unterstützen. Über die dazugehörige Webseite in deutscher und französischer Sprache werden die Informationen als auch der Fortschritt des Projekts zur Verfügung gestellt. Gleiches erfolgt auch über einen eigenen Kanal auf Facebook und Instagram.
Neben der Bürgerbeteiligung ist die Diskussion unter den Koalitionspartnern ein bedeutendes Element in der Ausarbeitung des strategischen Leitplans und Umsetzungsplans. So finden ungefähr im drei-Wochen-Takt Versammlungen der territorialen Koalition statt. Um die Zusammenarbeit mit so vielen Partnern effizienter zu gestalten, wurden vier Arbeitsgruppen ins Leben gerufen: Arbeitsgruppe Gebiet & Biodiversität, Arbeitsgruppe Tourismus, wirtschaftliche Entwicklung & Mobilität, Arbeitsgruppe Verwaltung & Bürgerbeteiligung und Arbeitsgruppe Kommunikation. Diese Arbeitsgruppen haben Vorschläge ausgearbeitet und in der großen Runde vorgestellt, so bspw. auch das mittlerweile festgelegte ca. 23.000 ha große Gebiet.
Die Inhalte des strategischen Leit- als auch Umsetzungsplans werden in der territorialen Koalition im Juli, August und September abgestimmt und verschiedene Entscheidungsgremien – ob Gemeinderäte, Regierung oder Verwaltungsräte – müssen Mitte/Ende September beide Pläne verabschieden, sodass der Antrag bei der Wallonischen Region fristgerecht am 1. Oktober eingereicht werden kann. Im Dezember wird dann feststehen, welche zwei Kandidaten den Titel „Nationalpark“ erhalten.
Als Partner der territorialen Koalition entsendet die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft einen Vertreter zu den Treffen der Koalition. Zudem wurde auf Initiative der Regierung zu Beginn der Arbeiten des Studienbüros und der Einteilung in Arbeitsgruppen ein Treffen mit den Bürgermeistern und Tourismusschöffen der drei teilnehmenden deutschsprachigen Gemeinden Bütgenbach, Eupen und Raeren als auch der Geschäftsführerin der Tourismusagentur Ostbelgien (TAO) organisiert, um die gemeinsame Zielsetzung aus Sicht der deutschsprachigen Partner festzulegen und eine deutschsprachige Beteiligung in allen Arbeitsgruppen sicherzustellen. Gemeinsam verfolgen wir das Ziel eines qualitativen und nachhaltigen Tourismus, im Einklang mit der
hiesigen Bevölkerung und der Natur, und sehen den Nationalpark als Mehrwert für unsere Region. Die Deutschsprachige Gemeinschaft sieht sich als unterstützender Partner, während die Gemeinden eine aktive Rolle in der Koalition spielen. Die TAO hat elementare Aufgaben im Bereich der Kommunikation übernommen, stellt so seine Webseitenstruktur für die Projektkandidatur zur Verfügung und hat sich um Übersetzungen ins Deutsche gekümmert.

Eingehend auf Ihre letzte Frage ist der Naturpark Hohes Venn-Eifel in Form seiner VoG-Struktur „Commission de gestion du Parc naturel Hautes Fagnes-Eifel“ ein fester Partner der territorialen Koalition und wird das Naturparkzentrum Botrange bspw. auch für die Ausrichtung verschiedener Workshops als Austragungsort genutzt. So hat der Naturpark Hohes Venn-Eifel die Möglichkeit, den potenziellen Nationalpark mitzugestalten und die schon bestehende Expertise in die Kandidatur miteinfließen zu lassen. Im Falle der Anerkennung als Nationalpark Hohes Venn würde der Naturpark eine elementare Rolle im Nationalpark spielen. So würden sich die beiden Parkstrukturen ergänzen, Synergien schaffen und gemeinsam einen Mehrwert für die beiden Gebiete des Naturparks und Nationalparks, die sich geografisch teilweise, aber nicht komplett, überschneiden, bieten.
Alles in allem sitzen viele Partner mit am Tisch, werden Experten und betroffene Akteure aus verschiedenen Bereichen befragt und Bürger und Bürgerinnen miteinbezogen, um gemeinsam die beste Vision für eine Kandidatur als Nationalpark auszuarbeiten. Das Hohe Venn ist ein einzigartiges Gebiet, in dem es Maßnahmen zu treffen gilt, um die Biodiversität zu stärken und einen qualitativen Ökotourismus sicherzustellen. Das Label Nationalpark könnte dafür Sorge tragen, dieses Ziel zu erreichen. Auch im Falle, dass das Hohe Venn kein Label als Nationalpark erhält, könnten die in der aktuellen Projektphase gesammelten Erkenntnisse für eine Weiterentwicklung des Gebiets dienen.

Zurück Drucken Teilen