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Fragen und Antworten

Schriftliche Frage Nr. 263

11. Juli 2022 – Frage von S. Piront an Frau Ministerin Weykmans zum Thema Attraktivität der Handwerksberufe bei Frauen

Können Sie uns mitteilen, wie viele Frauen derzeit in handwerklichen Berufen in der DG beschäftigt sind?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. 

Frage von Shayne Piront (PFF) vom 7. Juni 2022:

Ende April fand die Diplomverleihung des ZAWM statt. Es war das erste Mal seit zwei Jahren, dass die Diplomfeier als Präsenzveranstaltung stattfand, und es war auch die erste Preisverteilung seit der Fusion der beiden Zentren im letzten Jahr.
Eine Diplomverleihung stellt für die Studenten einen wichtigen Moment dar: Sie ist das Ergebnis von mehreren Jahren des Lernens, Arbeitens, Engagements und der Konzen-tration. Im weiteren Sinne ist es auch ein bedeutendes Ereignis für unsere Region, denn mit den 200 neuen Graduierten erhält der Arbeitsmarkt qualifizierte und vor allem gefragte Arbeitskräfte.
Bei den Graduierten muss man dennoch feststellen, dass es bei den handwerklichen Berufen große Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt.
Auch wenn die Geschlechtertrennung in der Bildungsberatung und in der Arbeitswelt nach wie vor besteht, scheint sich die Mentalität allmählich zu ändern. Tatsächlich hat sich die Segregation des Arbeitsmarktes innerhalb einer Generation etwas verringert, auch wenn man noch nicht wirklich von gemischten Funktionen sprechen kann.
Die noch immer vorherrschenden Geschlechterstereotypen müssen bekämpft werden, insbesondere durch die Sensibilisierung von Lehrern, Erziehern und Ausbildern, die Förderung der Diversifizierung der Berufswahl, die Sensibilisierung der Jugendlichen, aber auch aller Akteure in der Arbeitswelt bezüglich der Geschlechterstereotypen, die mit Studiengängen und Berufen einhergehen, usw.

Daher möchte ich folgende Fragen an Sie, werte Frau Ministerin, richten:
• Können Sie uns mitteilen, wie viele Frauen derzeit in handwerklichen Berufen in der DG beschäftigt sind?
• Welche Initiativen werden derzeit unternommen, um die Attraktivität handwerklicher Berufe bei Frauen zu steigern?


Antwort von Isabelle Weykmans (PFF), Ministerin für Kultur, Beschäftigung, Wirtschaftsförderung und ländliche Entwicklung:

In Belgien werden keine amtlichen Beschäftigungsstatistiken nach Berufen erhoben, sondern nur nach Sektor (außer für die Selbständigen).
Lediglich über die Arbeitskräfteerhebung werden Daten nach Beruf erhoben, diese liegen aber nur für ganz Belgien vor. Die Angaben zur Arbeitskräfteerhebung sind keine „absoluten“ Zahlen, sondern Annäherungswerte, die auf der Hochrechnung einer zufälligen Stichprobe der belgischen Bevölkerung beruhen. Deren Ergebnisse dürften (prozentual gesehen) auch in Ostbelgien nicht allzu sehr abweichen (Anlage 1: AKE 2021)
Ferner können folgende Statistiken als eine Annäherung an die aufgeworfene Frage dienen:
• die Arbeitnehmer nach Sektor und Geschlecht (Anlage 2: ONSS)
• die Selbständigen nach Beruf und Geschlecht (Anlage 3: INASTI)
• die Arbeitslosen nach Berufswunsch und Geschlecht (Anlage 4: ADG)
• die Ergebnisse der Befragung der Abiturienten, welches Studium/welche Lehre sie anschließend machen wollen (Anlage 5 ADG/Kaleido)
Die verschiedenen Statistiken bringen zum Ausdruck, dass durchaus eine signifikante Anzahl von Frauen in Handwerksberufen arbeitet. In den einzelnen Berufsbildern selbst bestehen jedoch nach wie vor erhebliche Unterschiede. Besonders deutlich sind diese Unterschiede in den Bau- und Baunebenberufen sowie in den metallverarbeitenden Berufen.
Zur inhaltlichen Fragestellung wird an dieser Stelle auf die Antwort der für Ausbildung zuständigen Ministerin zur mündlichen Frage Nr. 637 von Frau Scholzen an Frau Ministerin Klinkenberg zur Förderung von Mädchen in Ausbildungsberufen verwiesen.
Auszug aus dem Bulletin der Interpellationen und Fragen Nr.19 vom 5. Mai 2021:
„In der Vergangenheit hat das IAWM mehrere Maßnahmen ergriffen, um die klassischen Ausbildungsberufe in Handwerk und Technik für Mädchen attraktiver zu machen. Beispielsweise bot das IAWM 2019 im Rahmen des jährlichen Girls´ Day einen Kurs für Mädchen in einem Handwerksberuf an, der von einer Anstreichergesellin erteilt wurde. In den letzten Jahren wurde auch verstärkt auf Werbung mit weiblichen Auszubildenden gesetzt. Dennoch zeigen die Erfahrungswerte und die aktuellen Tendenzen, dass es schwierig bleibt, Mädchen für die klassischen Handwerks- und Technikberufe zu begeistern – nicht zuletzt, weil diese Berufe auch körperliche Ansprüche stellen, denen Mädchen sich oft nicht gewachsen fühlen. Zukünftig wird das IAWM weiterhin verstärkt Maßnahmen ergreifen, um die mittelständische Ausbildung für Mädchen noch attraktiver zu gestalten, beispielsweise über die Ausweitung des Angebots an Ausbildungsberufen, die Mädchen eher ansprechen könnten.“
In der Analyse des IAWM der neuen Ausbildungsverträge 2021 wird zudem konstatiert:
„Erfreulich ist, dass 16,36 % der Kandidatinnen eine duale Ausbildung in eher männer-typischen Berufen gestartet haben: als Dachdeckerinnen (2), als Maurerin (1), als Elektro-installateurinnen (2), als KFZ-Mechatronikerin (1), als Bau- und Möbelschreinerinnen (2) und sogar als Landwirtin (1). Im Vorjahr waren dies lediglich 9,37 %.“

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