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Fragen und Antworten

Schriftliche Frage Nr. 262

4. Juli 2022 – Frage von D. Stiel an Herrn Minister Antoniadis zum Thema „Pflegekräfte ziehen Berufswechsel in Betracht

Haben Sie vergleichbares Zahlenmaterial aus der DG?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. 

Frage von Diana Stiel (Vivant) vom 20. Mai 2022:

Am 11.05.2022 berichtete der BRF, dass eine Umfrage des Personalberatungsunter-nehmens Express Medical unter mehr als 1.100 Beschäftigten aus dem Gesundheitswesen im April 2022 ergeben habe, dass vier von zehn Krankenpflegern und Pflegehelfern darüber nachdenken würden, den Beruf zu wechseln.
Die Vivant-Fraktion hatte bereits am 22.03.2021 in der schriftlichen Frage Nr. 146 auf dieses Problem hingewiesen und möchten nun nachhaken, wie die aktuelle Situation aussieht.
Unsere Fragen hierzu lauten wie folgt:
1. Haben Sie vergleichbares Zahlenmaterial aus der DG?
2. Verfügen Sie über Angaben zur Stimmung bei den Pflegekräften in der DG eventuell durch Gespräche mit den verschiedenen Heimleitern?

Antwort von Antonios Antoniadis (SP), Minister für Gesundheit und Soziales:

1.) Auch in der Deutschsprachigen Gemeinschaft zeichnet sich der Fachkräftemangel in den Pflegeberufen ab. Momentan werden die Personalnormen in allen Wohn- und Pflegezentren (WPZS) eingehalten, die Lage ist allerdings in manchen WPZS deutlich angespannt.
Die Deutschsprachige Gemeinschaft erhebt allerdings weder Daten zu Personalabgängen noch zur jeweiligen Stimmungslage der Personalmitglieder. Diese Aufgabe fällt deutlich in den Verantwortungsbereich des Arbeitgebers.
So hat VIVIAS die Gründe für die Abgänge der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Zeitspanne von Januar 2019 bis Oktober 2021 erhoben.
Als Gründe für die Abgänge wurden folgende 13 Themenschwerpunkte genannt/mitgeteilt:
• Pension: 20 Personen (= 18,51 %)
• Arbeitszeiten: 8 Personen (= 7,40 %)
• Beginn Ausbildung: 3 Personen (= 2,77 %)
• Beginn Ausbildung Pflege: 4 Personen (= 3,70 %)
• Familiäre Gründe: 16 Personen (= 14,81 %)
• Gehalt/Luxemburg: 10 Personen (= 9,25 %)
• Gehalt/zu wenig Stunden: 5 Personen (= 4,62 %)
• Kündigung AG: 5 Personen (= 4,62 %)
(schwerwiegender Fehler)
• Neue Herausforderung: 9 Personen (= 8,33 %)
• Überforderung: 9 Personen (= 8,33 %)
• Unverständnis Veränderung Arbeitsweise 8 Personen (= 7,40 %)
• Unzureichende Kompetenz 9 Personen (= 8,33 %)
• Verstorben 2 Personen (= 1,85 %)

2.) Natürlich ist die Regierung im Rahmen der Begleitausschüsse und darüber hinaus im regelmäßigen Austausch mit den Heimleitern der WPZS. Dass die Personalsituation, insbesondere im Bereich der Krankenpflege, angespannt ist, ist weder neu noch lässt sie sich sofort beheben. Die körperliche Belastung und die Verantwortung sind hoch. Durch unterschiedliche Maßnahmen werden die WPZS von Seiten der Regierung unterstützt. 
– Alle von der Deutschsprachigen Gemeinschaft bezuschussten Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen, deren Personal in der Corona-Krise einer hohen psychosozialen Belastung ausgesetzt waren und sind, haben die Möglichkeit, einen Projektantrag zur psychosozialen Begleitung einzureichen. Hier stellt die Deutschsprachige Gemeinschaft eine niederschwellige Soforthilfe zur Abfederung der Folgen der Corona-Krise bereit. Das Projekt wurde ins Jahr 2022 verlängert und es gibt Ideen, diese Begleitung systematisch in den Zuschuss einfließen zu lassen. 

– Darüber hinaus erarbeitet die Regierung in enger Zusammenarbeit mit den WPZS und den Sozialpartnern neue Personalnormen, um der angespannten Situation auf dem Arbeitsmarkt Rechnung zu tragen. Außerdem zielen diese Normen, die 2023 in Kraft treten sollen auch darauf ab, das bereits vorhandene Personal so einzusetzen, dass föderale Bestimmungen respektiert, die Deutschsprachige Gemeinschaft in der Organisation der Begleitung und – je nach Möglichkeit – auch in der Pflege zu entlasten. 

– Gleichzeitig beschreiten wir neue Wege, indem wir daran arbeiten ab Herbst 2022 neue Berufsbilder wie den Alltagsbegleiter in den WPZS einzusetzen, um die Personalsituation innerhalb der Einrichtungen zu entschärfen und langfristig an die Herausforderungen eines zeitgemäßen Wohn- und Pflegezentrums für selbstbestimmte Bewohner anzupassen. 

– Um den Einrichtungen mehr Werkzeuge an die Hand zu geben und intern Maßnahmen umzusetzen, wurde den Leitern aller bezuschussten Einrichtungen aus dem Gesundheitssektor sowie dem Ehrenamt kostenfrei eine zweitägige Schulung zum Projektmanagement angeboten. 

– Wie in meiner Pressemitteilung vom 07. Juni 2022 beschrieben, werden die Gehälter der Krankenpfleger in den WPZS 2023 erneut angehoben. Aktuell finden Finanz-simulationen dazu statt, die nach der Sommerpause in der Regierung besprochen werden. 

Darüber hinaus sind auch die Arbeitgeber aktiv gefordert, im Besonderen, wenn es um eine gesunde Unternehmenskultur sowie ein ansprechendes Arbeitsklima geht. Geld allein löst das Problem das Fachkräftemangels nicht.

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