Druck Kopfbild

Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 1026

12. Mai 2022 – Frage von A. Jerusalem an Ministerin KLINKENBERG zu den Erkenntnissen der Externen Evaluation der vergangenen 5 Jahre

Welche bildungspolitischen Handlungsfelder ergeben sich für Sie als Bildungsministerin aus den wichtigen Erkenntnissen der externen Evaluation?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. 

Frage von Andreas Jerusalem (Ecolo):

Vergangenen Mittwoch fand die Veranstaltung "Blick - Basisdimensionen der Unterrichtsqualität" in der Autonomen Hochschule Ostbelgien statt. Im Rahmen dieser Veranstaltung stellte das Team der Externen Evaluation auf der Grundlage der Einzelberichte der evaluierten Schulen zwischen 2016 und 2021 einen Gesamtbericht über die Stärken und Entwicklungsbedarfe des ostbelgischen Schulsystems vor.
Kurz zusammengefasst ergeben sich nach der Auswertung der Ergebnisse durch die externe Evaluation unter anderem folgende Handlungsfelder für das Unterrichtswesen in Ostbelgien: 
Im Bereich der Unterrichtsentwicklung sollte an einer systematischeren Förderung des selbstgesteuerten Lernens, einer Verbesserung im Bereich der Differenzierung, einer Förderung der Lern-, Methoden-, aber insbesondere der Medienkompetenzen der Schülerinnen und Schüler vor dem Hintergrund der Digitalisierung, der Weiterentwicklung der Konzepte zur Leistungsermittlung und -bewertung und der Einführung von Schülerfeedback im Hinblick auf Schülerpartizipation gearbeitet werden. 
Im Bereich der Organisationsentwicklung sollten die Verbesserung der Förderung der Schüler- und Elternpartizipation in Schulentwicklungsprozessen, das Management und die Steuerung der schulischen Entwicklungsprozesse durch die Schulleitung im Mittelpunkt stehen.
Die Externe Evaluation hat somit wichtige Erkenntnisse ausgearbeitet, die dazu beitragen können, unsere Unterrichtsqualität in Ostbelgien zu steigern und das Schulsystem allgemein zu verbessern. 
Klar ist auch, dass alle Akteure im Unterrichtswesen entsprechende Angebote, Unterstützungen, Zeit und Ressourcen brauchen, um an diesen Handlungsfeldern zu arbeiten. 

Daher habe ich folgende Frage an Sie, Frau Ministerin: 
Welche bildungspolitischen Handlungsfelder ergeben sich für Sie als Bildungsministerin aus den wichtigen Erkenntnissen der externen Evaluation?


Antwort von Lydia Klinkenberg (ProDG), Ministerin für Unterricht, Ausbildung, Kinderbetreuung und Erwachsenenbildung:

Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

eines meiner wesentlichen Anliegen ist es, Schulentwicklungsprozesse zur Qualitätsverbesserung an Einzelschulen zu unterstützen und voranzutreiben. Dabei liegt mein Fokus sowohl auf der Organisations- und Personalentwicklung, als auch auf der Unterrichtsentwicklung. Neben der wertvollen Arbeit der externen Evaluation und den Ergebnissen der internationalen Vergleichsstudien sind in diesem Zusammenhang auch die Erkenntnisse aus dem OECD-Bericht, der im Rahmen der Entwicklung einer Gesamtvision in Auftrag gegeben wurde, sehr aufschlussreich. 

Die externe Evaluation stellt den Schulen nach jeder Evaluation nicht nur einen umfassenden Bericht zu, sondern gibt der Schulleitung, den Mitgliedern des Kollegiums und der Vertretung des Schulträgers in einer Versammlung auch eine Rückmeldung zu den Ergebnissen der Evaluation. Nach Erhalt des Evaluationsberichts ist es Aufgabe der Schulleitung, diesen allen Gremien in der Schule innerhalb von vier Schulwochen zur Verfügung zu stellen und zeitnah Möglichkeiten zur innerschulischen Diskussion und Maßnahmenplanung zu geben. Im Anschluss daran legt die Schule verbindliche Schritte zur weiteren Schul- und Unterrichtsentwicklung in einem Schulentwicklungsplan fest. Bei der Umsetzung des Schulentwicklungsplans wird sie bei Bedarf von der Schulentwicklungsberatung und anderen Diensten wie den Fachberatungen unterstützt

Die Handlungsfelder, die die externe Evaluation in ihrem Gesamtbericht aufzeigt, sind uns natürlich bekannt. An vielen dieser Themen arbeiten wir bereits intensiv, wie zahlreiche Projekte aus dem REK und dem LAP zeigen, wie zum Beispiel die Förderung der Medienkompetenz und der Digitalisierung. Auch in den pädagogischen Referenztexten sind die genannten Themen verankert. Natürlich finden nicht alle Aspekte in allen Schulen und in allen Unterrichten in der pädagogischen Praxis gleichermaßen Niederschlag und es bleibt weiterhin viel zu tun. Die Schulen sind in ihren Unterrichtsentwicklungsprozessen unterschiedlich weit fortgeschritten und setzen verschiedene Schwerpunkte. Wir unterstützen sie so gut wir können in ihren Schulentwicklungsprozessen, können aber aufgrund der pädagogischen Freiheit in vielen Fällen keine Vorgaben machen. Vielmehr sensibilisieren und begleiten wir sie. 

Das selbstgesteuerte Lernen und die Leistungsermittlung und -bewertung sind gute Beispiele hierfür. Sie sind wichtige Hebel auf Ebene der Unterrichtsentwicklung. Der Fachbereich Pädagogik hat in Zusammenarbeit mit der Autonomen Hochschule Empfehlungen zur Leistungsermittlung und –bewertung im kompetenzorientierten Unterricht ausgearbeitet. In den Rahmenplänen betonen wir zudem, ich zitiere:
„Eine kompetenzorientierte Leistungsermittlung und -bewertung ist so anzulegen, dass Schüler über ihre Lernfortschritte und den Stand ihrer individuellen Kompetenzentwicklung informiert sind. Eine solche Leistungsermittlung und -bewertung macht den Schülern auch die Notwendigkeit weiterer Lernanstrengungen bewusst. Den Schülern wird ein realistisches Bild ihres Leistungsstandes und ihres Leistungsvermögens aufgezeigt. Unterstützende und ermutigende Leistungsermittlung und -bewertung sind wichtige Voraussetzungen zum Erhalt und zur Förderung der Leistungsbereitschaft der Schüler. Dies gilt besonders für Schüler mit Lernschwierigkeiten. Das Ziel besteht darin, die Lernmotivation der Schüler zu erhalten und zu steigern.“
Als Trägerin des GUW kann ich Ihnen versichern, dass wir netzintern in einer Arbeitsgruppe mit unseren Schulleitungen intensiv an alternativen Formen der Leistungsermittlung und -bewertung und der Verbesserung des formativen Feedbacks arbeiten. In diesem Zusammenhang wurden ja bereits die Dezemberprüfungen in der ersten Sekundarstufe im GUW abgeschafft. Das ist aber nur eine Maßnahme, die sich in einen größeren Kontext einbettet, mit dem Ziel, Unterrichtszeit zu gewinnen, um Kompetenzen zu fördern und Formen des formativen Feedbacks zu implementieren. 
Auch beim selbstgesteuerten Lernen können wir keine Vorgaben machen, anhand von Best Practice Beispielen können wir jedoch Unterrichtsentwicklungsprozesse initiieren und unterstützen. So werde ich zum Beispiel nächste Woche mit Schulleitern unterschiedlicher Netze in Berlin in Schulen hospitieren, die im Bereich der Inklusion und des selbstgesteuerten Lernens innovative Wege gehen. Auch bei uns in Ostbelgien haben sich schon Einzelschulen – z. B. im Rahmen des Projektes Heterogenität – auf den Weg gemacht. Während der Corona-Zeit ist das selbstgesteuerte Lernen für alle noch mal besonders in den Fokus gerückt. In unserem Auftrag hat die Universität Dresden eine Weiterbildung angeboten, die Einblicke in verschiedene methodische Gestaltungsmöglichkeiten des selbstgesteuerten Lernens im Unterricht gab. Eine Neuauflage ist für das 2. Halbjahr 2022 geplant.  Die in diesem Bereich ergriffenen Maßnahmen tangieren auch Bereiche wie Binnendifferenzierung oder Digitalisierung im Hinblick auf eine veränderte Lernkultur an unseren Schulen.

Wir haben auch weitere Lehren – unter anderem auf Ebene der Digitalisierung – aus der Corona-Krise gezogen. So erschien uns die Ausstattung der Lehrer mit Endgeräten und gezielten Fortbildungen, die wir auf den Weg gebracht haben, als notwendig, damit diese im Zeitalter der Digitalisierung das notwendige Rüstzeug zur Förderung der Medienkompetenzen unserer Schüler haben. Zuvor wurde bereits der Leitfaden zur Informations- und Medienkompetenz aktualisiert, der um den Kompetenzbereich Problemlösen und Modellieren ergänzt wurde. Begleitmaterial wird aktuell weiterentwickelt. 

Auch die Schaffung der Fachberatungen Primar und Sekundar sowie die Einführung von Fachteamleitern verfolgte das Ziel, die Unterrichtsentwicklung in unseren Schulen zu unterstützen. Über das diesjährige Maßnahmendekret werde ich Ihnen zudem vorschlagen, die Rolle der Middle Manager zu stärken, ihren Auftrag und damit die personellen Ressourcen zu erweitern, damit die Middle Manager die Schulentwicklungsprozesse noch besser unterstützen können.

Um die Unterrichtsentwicklung in den Schulen zu fördern, ist zudem eine enge Zusammenarbeit von externer Evaluation, Forschung, Schulentwicklungsberatung, Fachberatungen und Weiterbildung nötig. Die Unterstützungsdienste arbeiten in der Praxis aufgrund unserer Kleinheit pragmatisch und gut zusammen, die strukturelle Zusammenarbeit kann jedoch noch verbessert werden. 

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

 

Zurück Drucken Teilen